Waiblingen

Preisgekrönter Wein aus dem Remstal

Rotweinpreis
Christian Escher (Schwaikheim) ist mit einem Zweigelt auf Platz eins gelangt. © Alexandra Palmizi

Winterbach. Die Weingüter Escher und Jürgen Ellwanger haben es in der Kategorie „Neuzüchtungen“ bis ganz nach oben geschafft: Beim Deutschen Rotweinpreis sind sie mit zwei Siegerweinen vertreten. Zahlreiche weitere Weine aus dem Remstal sind prämiert. Nicht dabei ist diesmal das Weingut Haidle. Das fällt auf, weil Haidle bereits elfmal einen ersten Platz ergattert hatte.

Die Jugend hat das Ruder übernommen: Beim Pressegespräch in der Vinothek Daniels Weine in Winterbach saßen auffallend viele junge Wengerter am Tisch. Christian Escher, 27 Jahre jung, findet’s „wahnsinnig cool“, beim renommierten Deutschen Rotweinpreis ganz vorne mit dabei zu sein. Schon in der Lehrzeit habe er davon geträumt, es mal aufs Treppchen zu schaffen. Ihre preisgekrönten Zweigelt-Kreationen kredenzten sowohl Christian Escher als auch Felix Ellwanger (Weingut Jürgen Ellwanger, Winterbach).

In der Kategorie Lemberger erreichte Felix Ellwanger einen zweiten Platz. Als eine Aufgabe seiner Generation betrachtet es der Winterbacher, „dass der Lemberger den Stellenwert kriegt, den er verdient“. Trollinger mit Lemberger zu mischen hält der Wengerter für „den größten Fehler, den Württemberg jemals begangen hat“.

Junge Winzer führen die Tradition fort

Die Jungen führen die Tradition ihrer Väter fort und setzen gleichzeitig neue Akzente. Es gehört heute fast schon zum guten Ton, sich in Weingütern im Ausland umzuschauen, bevor man zu Hause den Betrieb übernimmt. Jens Zimmerle (Korb) beschreibt den Zweigelt als eine Rebsorte mit besonders hohem Potenzial, „die sich auch gut gegenüber internationalen Rebsorten durchsetzen kann“.

Preisträger Markus Heid, Fellbach, verleiht seinen Rotweinen heute, wie er sagt, bewusst „deutschen Charakter“. Die „kühle Variante“ gelte es herauszuarbeiten. Und ein Lemberger muss Lemberger heißen, mahnte Heid. Manche Wengerter nennen ihren Lemberger „Blaufränkisch“ wie in Österreich. Das gefällt vielen nicht. Zumal sicher jede Menge Kunden nicht wissen, dass sich hinter „Blaufränkisch“ eben ein Lemberger verbirgt.

"Den aktuellen Jahrgang erst bewerten, wenn er in der Flasche ist"

Um den aktuellen Jahrgang ging’s beim Pressegespräch natürlich auch. Markus Heid möchte einen Jahrgang lieber erst dann bewerten, „wenn er in der Flasche ist“. In ganz Europa reicht es nur für einen „kleinen Herbst“. Jürgen Off von der Weinmanufaktur Untertürkheim hatte nach dem Frost im Frühjahr Schäden in Höhe von 50 Prozent befürchtet. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen – aber fast. Auf 40 Prozent beziffert Off den Schaden.

Regenreiche Jahre mögen Wengerter lieber als trockene. Wegen des Klimawandels „wird das Thema Wasser ein Riesenproblem werden in den nächsten Jahren“, prophezeit Jürgen Off. Veränderungen beim Wetter machen sich bemerkbar, darin sind sich die Wengerter einig. Eiswein beispielsweise wird heute später geerntet. „Einfacher wird’s nicht mit dem Eiswein“, ist sich Sven Ellwanger sicher – schon allein, weil der Wengerter die Trauben länger gesund halten muss. Einen zweiten Platz sicherte sich Ellwanger für einen Muskattrollinger Rosé Eiswein: „Wir sind sehr happy, dass wir vorne dabei sind.“

Trotz aller Schwierigkeiten herrscht nun die Freude über die Preise vor, wie der Kernener Bürgermeister und Vorstand bei der Remstalroute, Stefan Altenberger, betonte: „Wir müssen uns vor ausländischen Rotweinen mittlerweile nicht mehr verstecken.“


Die Preisträger und ihre Weine

Das Fachmagazin „Vinum“ vergibt den Rotweinpreis jedes Jahr. In acht Kategorien kürt die Jury die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten.

Mehr als 1850 Rotweine hat die Jury dieses Mal verkostet - deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Damals hatte das Gremium 1300 Weine aus ganz Deutschland begutachtet.

Die Fachjury setzt sich zusammen aus Sommeliers, Önologen, Winzern, Weinhändlern und Fachjournalisten.

Bei einer festlichen Gala werden die Sieger gekürt. Die Gala findet am Samstag, 4. November, in der Alten Kelter in Fellbach statt. Am Nachmittag steht eine große Rotwein-Degustation auf dem Programm. Die Gala mit Preisverleihung beginnt um 18.30 Uhr. Anmeldungen unter www.rotweinpreis.de

Die Preisträger im Einzelnen:

In der Kategorie „Neuzüchtungen“ siegte das Weingut Escher aus Schwaikheim mit seinem 2015 Zweigelt Goldreserve und das Winterbacher Weingut Jürgen Ellwanger mit seinem 2014 Zweigelt Hades.

Das Weingut Jürgen Ellwanger schaffte es beim Lemberger mit seinem 2014 Hebsacker Lichtenberg Großes Gewächs auf den zweiten Platz. Platz drei erreichte das Fellbacher Weingut Heid mit dem 2015 Fellbacher Lämmler Großes Gewächs.

Der zweite Platz in der Kategorie „Internationale Klassiker“ ist doppelt vergeben: Die Weinmanufaktur Untertürkheim (2015 Cabernet Franc) und das Collegium Wirtemberg (2015 Syrah Réserve) wurden ausgezeichnet.

In der Kategorie „Neuzüchtungen“ schaffte es das Korber Weingut Zimmerle mit seinem 2014 Zweigelt Korber Sommerhalde „Goldadler“ auf den dritten Platz. Mit seinem 2016 Muskattrollinger Rosé Eiswein erreichte das Großheppacher Weingut Bernhard Ellwanger den zweiten Platz in der Kategorie Edelsüß.