Waiblingen

Projekt "Worldlab" vernetzt Schüler an der Gewerblichen Schule Waiblingen

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Worldlab-Projekt
Das vollendete Projekt. © Lippert
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Worldlab-Projekt
Die Schüler präsentieren das Kunstwerk, das unter Zusammenarbeit im „Worldlab“-Projekt entstanden ist. © Lippert

Die einen haben den Mittleren Bildungsabschluss im Bereich Holztechnik zum Ziel, die anderen den Hauptschulabschluss sowie den Spracherwerb Deutsch mit Niveau B1: Seit Februar haben Schüler, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten, gemeinsam am Projekt „Worldlab“ an der Gewerblichen Schule in Waiblingen gearbeitet. Inzwischen unterhalten sich einige der Schüler, die sich vorher nicht kannten, auch in der Pause, berichtet ein Lehrer.

Während die Holztechnik-Klasse fast ausschließlich von deutschen Muttersprachlern besucht wird, besteht die Hauptschulklasse überwiegend aus jungen Leuten, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflüchtet sind. Im Schulalltag hatten die beiden Klassen vorher nicht viel miteinander zu tun. Das sollte sich ändern. „Das Projekt hat in diesem Jahr zum ersten Mal bei uns stattgefunden“, sagt Michael Grollinger. Er ist Lehrer an der Gewerblichen Schule und hat das Projekt mit zwei Kolleginnen betreut.

„Worldlab“ ist ein Projekt der Stiftung Weltethos, Kooperationspartner ist das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Das Projekt wird durch die Robert Bosch Stiftung gefördert. Das "Worldlab" ist in drei Seminare eingeteilt: Im Begegnungs-Workshop lernten sich die Jugendlichen der zwei Klassen kennen. „Dabei haben sich die Schüler in kleinen Vorträgen Bereiche vorgestellt, für die sie sich begeistern oder in denen sie sich kompetent fühlen“, sagt Michael Grollinger. Das seien Speisen aus anderen Kulturen gewesen, aber auch andere Schulsysteme oder Architektur. Dadurch sei ein inhaltlicher Austausch entstanden.

Ein gemeinsames Kunstprojekt begleitet die Workshops von „Worldlab“

Außerhalb der Workshops arbeiteten die Jugendlichen an einem gemeinsamen Projekt, das durch die Schule betreut wurde. Das „Worldlab“-Programm gab dabei den Rahmen vor und stellte verschiedene Themen für das Schulprojekt zur Auswahl: Ökologie und Umwelt, Nachhaltiges Wirtschaften, Soziale Wirkung oder Kunst.

Für die Schüler der Gewerblichen Schule wurde ein Kunstprojekt gewählt: In Vierer-Gruppen sollten sich die Jugendlichen ein Oberthema aussuchen und zu diesem Thema ein kreisförmiges Bild malen. Dabei hat jeder Schüler ein Viertel des Kreises gestaltet - ohne zu wissen, wie die Viertel der anderen Schüler aussehen.

Das vollendete Werk wurde nun in der abschließenden Einheit der Workshop-Reihe enthüllt: ein farbenfrohes Bild aus mehreren Kreisen, das die Schüler in Gruppen erstellt hatten. Eine strahlende Sonne, ein Kreis aus bunten Steinchen, mystische Farbverläufe oder eine kuriose Gans, die laut der Schüler ein Meme, also ein Internet-Phänomen ist, zieren nun den Flur der Gewerblichen Schule.

„Bei einigen Schülern hat die Themen-Wahl gut funktioniert, bei anderen war die Abstimmung weniger erfolgreich“, sagt Michael Grollinger.

Doch genau darum gehe es: „Die Schüler lernen, dass Menschen die Dinge unterschiedlich interpretieren.“ Neben dem gemeinschaftlichen Schaffen eines Kunstwerkes aus verschiedenen kleinen Teilen gehe es eben auch darum, die Sichtweisen der anderen zu respektieren und kennenzulernen.

Diese Idee verfolgt auch der Werte-Vertrag, der auf einem großen Plakat im Klassenzimmer ausgehängt ist. Diesen haben die Jugendlichen im zweiten Seminar, dem Werte-Seminar, entworfen und unterschrieben. Zuvor konnten sie sich aus zahlreichen Werten gemeinsam fünf aussuchen, die ihnen für dieses Projekt am wichtigsten sind: Offenheit, Zuverlässigkeit, Respekt, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft.

Die Werte wurden auf Projekt-Karten von Worldlab pantomimisch abgebildet und in verschiedene Sprachen übersetzt. „Es war spannend, zu sehen, wie verschieden die Schüler die Werte teilweise interpretierten“, sagt Michael Grollinger. Das liege vor allem an kulturellen und auch sprachlichen Unterschieden: Die exakte Übersetzung eines Wortes habe in einer anderen Sprache nicht genau dieselbe Bedeutung wie im Deutschen. „Es ging darum, herauszufinden: Was haben wir gemeinsam?“, sagt der Englisch-Lehrer.

Der Austausch hat bewirkt, dass die Schüler sich besser kennen und verstehen

Und die Idee hinter dem Projekt zeigt Wirkung: Die Schüler seien nach Beobachtung des Lehrers immer weiter aufgetaut und aufeinander zugegangen. War die Stimmung zu Beginn des Seminars eher reserviert, so stünden die Jugendlichen der zwei Klassen, die sich vorher unbekannt waren, mittlerweile auch in den Pausen zusammen.

Alles in allem sind die Lehrkräfte zufrieden. Ohne die Unterstützung durch die Projektleiter Harun Erdogan und Angelika Stix, die mit dem „Worldlab“-Projekt an die Schulen kommen, hätten die Lehrkräfte das Seminar nicht leisten können, sagt Michael Grollinger. „Die Schüler reagieren anders auf Personen, die nicht zum Lehrpersonal gehören und unvorbelastet sind.“ Vor allem bei der Vermittlung von Werten sei es hilfreich gewesen, dass der Austausch nicht über das Lehrpersonal stattgefunden habe.

Michael Grollinger kann sich vorstellen, das Projekt zu wiederholen. Die betreuenden Lehrkräfte sind sich einig, dass es ebenfalls interessant wäre, Klassen, die gerade erst neu zusammengekommen sind, an dem Projekt teilhaben zu lassen.

Die einen haben den Mittleren Bildungsabschluss im Bereich Holztechnik zum Ziel, die anderen den Hauptschulabschluss sowie den Spracherwerb Deutsch mit Niveau B1: Seit Februar haben Schüler, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten, gemeinsam am Projekt „Worldlab“ an der Gewerblichen Schule in Waiblingen gearbeitet. Inzwischen unterhalten sich einige der Schüler, die sich vorher nicht kannten, auch in der Pause, berichtet ein Lehrer.

Während die Holztechnik-Klasse fast

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