Waiblingen

Rückruf defekter Atemschutzmasken: Auch Waiblinger Ärzte sind betroffen

Ärztin mit Maske
Ohne Maske wäre es für die Ärztin gefährlich. (Symbolbild) © burakguralp - stock.adobe.com

Ohne medizinische Schutzmasken geht derzeit gar nichts. Im Umgang mit Corona-Kranken sind sie für Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Altenpfleger absolut unverzichtbar, damit sich diese nicht selbst anstecken. Nun aber hat eine Rückrufaktion der Kassenärztlichen Vereinigung die Ärzte aufgeschreckt. Im Umlauf sind fehlerhafte FFP2-Masken, die umgehend entsorgt werden müssen. Beinahe nicht zu glauben dabei: Offenbar hat das Bundesministerium für Gesundheit selbst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) solche Masken zur Verfügung gestellt.

Aufgeschreckt wurde die Kassenärztliche Vereinigung durch eine Meldung des Schnellwarnsystems der EU-Kommission für Verbraucherschutz (Rapex). Die Behörde hatte vor mehreren importierten Atemschutzmasken mit mangelhafter Filterwirkung gewarnt und aufgrund der davon ausgehenden Gesundheitsgefahr den Rückruf angeordnet. „Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat nach Angabe verschiedener Kassenärztlicher Vereinigungen Schutzmasken chinesischer Hersteller für Arztpraxen ausgeliefert, die einer Qualitätsprüfung nicht standhalten beziehungsweise vor der Lieferung nicht ausreichend geprüft worden sind“, heißt es auf der Rapex-Homepage. Nach einer ersten Warnung habe Rapex unzählige Rückmeldungen von Ärzten und anderen medizinischen Einrichtungen erhalten. „Scheinbar“, heißt es auf der Seite weiter, „werden teilweise FFP2-Masken ohne entsprechende Zertifizierung nach Deutschland geliefert. Auch wurde von vielen dieser Produkte gemeldet, dass die Atemluft seitlich ein- und austritt. Der angegebene Schutz ist dann nicht gewährleistet. Einige klagen über Hautirritationen beim Tragen.“

Die fehlerhaften Masken müssen entsorgt werden

Wie viele dieser fehlerhaften Masken im Umlauf sind, weiß vermutlich niemand – angekommen sind sie aber auch in Baden-Württemberg. „Auch die KVBW hat vom Bund solche Atemschutzmasken zur Weitergabe an die Arztpraxen erhalten“, informierte die Kassenärztliche Vereinigung ihre Mitglieder in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. „Daher bitten wir Sie zu prüfen, ob Ihnen derartige Masken zur Verfügung gestellt wurden, und falls ja, diese umgehend zu entsorgen.“

Zu den Betroffenen gehört auch die Gemeinschaftspraxis Schulte & Schäfer in Waiblingen. Nach dem Schreiben der KV wurden die Bestände in der Praxis überprüft. „100 Masken können wir in die Tonne treten“, sagt Dr. Daniel Schäfer, der stellvertretende Sprecher der Waiblinger Ärzteschaft. Wo die Masken bezogen wurden, sei nicht ganz nachzuvollziehen, da die Praxis von der KV, aber auch vielen anderen Stellen Masken bezogen habe.

Viele Glücksritter sind unterwegs 

Damit Masken für den medizinischen Bedarf überhaupt zugelassen werden, müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. „Das ist kein Spiel“, betont Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart. Die Masken würden zum allergrößten Teil in Ostasien hergestellt. Und dann von vielen Anbietern auf den Markt geworfen: Derzeit gebe es viele Glücksritter, unseriöse Leute, die irgendwas verkaufen wollten. Gegen Vorkasse würden Produkte angeboten, deren Qualität und Herkunft schwer überprüft werden könne. „Im Augenblick“, sagt Sonntag, „herrscht Wildwest.“ Die Kassenärztliche Vereinigung habe deshalb von Anfang an auf Qualitätsprüfungen und Lieferkonditionen geachtet. „Wir haben auch fehlerhafte Masken zurückgeschickt, so dass wir die Masken mit gutem Gewissen an unsere Mitglieder austeilen konnten.“

Die Masken des Ministeriums wurden nicht geprüft

Jedoch: Die Masken, die vom Bund kamen, hat die Kassenärztliche Vereinigung nicht geprüft. „Bei Atemschutzmasken, die die Kassenärztliche Vereinigung Baden- Württemberg vom Bund erhalten hat, wurde bisher angenommen, dass diese auch vom Bund geprüft werden, da der Bund für die Konformität der Produkte verantwortlich ist und das Risiko der Produkthaftung trägt“, erklärt die KV in ihrem Schreiben an die Ärzte. Gegenüber der Kassenärztlichen Bundesvereinigung habe das verantwortliche Bundesministerium für Gesundheit festgestellt, dass der Bund seit 7. April alle FFP2-Masken „grundsätzlich“ prüfen lasse. Fazit der Kassenärzte im Land: „Die KVBW wird ab sofort – ohne zusätzliche eigene Prüfung – nur noch Ware des Bundes ausliefern, die uns nach diesem Datum zugegangen ist.“

Eine schadhafte Maske ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen

Das größte Problem auf dem undurchsichtigen Markt der Masken: Ob sie einwandfrei oder fehlerhaft und durchlässig sind, ist für die Arztpraxen nicht zu erkennen. Rapex rät deshalb dringend dazu, Schutzmasken nicht über das Internet zu bestellen, sondern nur nachweisbar zertifizierte Masken im Fachhandel zu kaufen. Vor dem Kauf im Internet warnt auch die Kassenärztliche Vereinigung, und das ist auch das Fazit von Dr. Daniel Schäfer. „Wir versuchen künftig, über Apotheken an Masken zu kommen, bei denen Zertifizierungen vorliegen“, sagt der stellvertretende Sprecher der Waiblinger Ärzteschaft. Selber einkaufen bei Ebay oder Amazon, das gehe nicht. „Wir verlassen uns darauf, dass die KV in Zukunft nur noch geprüfte Masken verschickt.“ Schlimm wäre es nach Meinung seines Neustädter Kollegen Dr. Hans Kraus vor allem, wenn solche schadhaften Masken in die Krankenhäuser geraten seien. Ob sich aber aufgrund der fehlerhaften Atemschutzmasken irgendjemand mit dem Virus angesteckt hat – das lässt sich wohl nicht mehr klären. „Wenn ein Arzt an Covid-19 erkrankt ist, kann man danach nicht mehr nachvollziehen, ob er eine solche Maske getragen hat“, sagt der KV-Sprecher Kai Sonntag.

Vom Bundesgesundheitsministerium haben wir dazu keine Auskunft bekommen. Unsere mündlichen und schriftlichen Anfragen blieben unbeantwortet.

Ohne medizinische Schutzmasken geht derzeit gar nichts. Im Umgang mit Corona-Kranken sind sie für Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Altenpfleger absolut unverzichtbar, damit sich diese nicht selbst anstecken. Nun aber hat eine Rückrufaktion der Kassenärztlichen Vereinigung die Ärzte aufgeschreckt. Im Umlauf sind fehlerhafte FFP2-Masken, die umgehend entsorgt werden müssen. Beinahe nicht zu glauben dabei: Offenbar hat das Bundesministerium für Gesundheit selbst der Kassenärztlichen

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