Waiblingen

Radfahren ist Lebensqualität

bc06e904-9597-4ec7-afea-69d6edfa33e6.jpg_0
Monika und Werner Westerkamp sind begeisterte Radfahrer. © Schneider / ZVW

Waiblingen-Hohenacker. Ein Leben ohne Fahrrad wäre für Monika und Werner Westerkamp undenkbar. Mit dem Fahrrad fährt er täglich von Hohencker nach Stuttgart ins Büro und abends zurück, mit dem Rad erledigt sie die Familieneinkäufe, gemeinsam radeln sie am Wochenende. Und in den Ferien geht’s auf dem Velo über die Alpen. „Es gibt Leute, die nennen uns fahrradverrückt“, weiß Monika Westerkamp. „Fahrradfahren ist Lebensqualität“, sagt ihr Mann Werner.

Mit dem Fahrrad waren Monika (53) und Werner Westerkamp (52) schon als Kinder unterwegs. Für Kinder auf dem Land bei Bielefeld sei das Rad unersetzlich gewesen, erzählt er. „Eine Möglichkeit, von A nach B zu kommen“, war es auch für seine Frau Monika. Um zu ihrer Freundin zu kommen, schreckten sie noch nicht einmal zwölf Kilometer, von denen vier durch den Wald führten: „Für mich war klar, da radle ich hin.“

Viele Jahre später haben die beiden schon längst ein Auto, doch das Fahrradfahren ist für sie noch immer die bessere Alternative. „Ich bin schneller, ich muss keinen Parkplatz suchen und es ist umweltfreundlicher“, zählt Monika Westerkamp auf. Steigungen sind für sie kein Hindernis, schon gar nicht, wenn sie so harmlos sind wie die zwischen Hohenacker und Waiblingen. Ihr Mann steigt Tag für Tag frühmorgens auf das Fahrrad und radelt bei fast jedem Wetter 21 Kilometer in die Stuttgarter Stadtmitte. Im Büro geht er unter die Dusche und zieht sich um, bevor sein Arbeitstag beginnt. Morgens eine Stunde, abends eine zurück: Ideal zum Abschalten, findet er. Zur Arbeit mit dem Rad, das ist für seine Frau Monika als Frau im Außendienst zwar nicht möglich. Eine begeisterte Fahrradfahrerin ist aber auch sie. Zu Kurzstrecken nimmt sie schon aus ökologischen Gründen grundsätzlich das Rad. Großeinkäufe erledigt sie meist in Winnenden – eine Strecke, die sie über Schwaikheim am Zipfelbach entlang besonders angenehm findet.

Am liebsten unterwegs: „Wir sind Nomaden“

Auch im Urlaub steigen die beiden nicht etwa ins Flugzeug – sondern aufs Rad. „Im Sommer machen wir gerne Radreisen“, erzählt Monika Westerkamp. Während andere am Strand liegen oder durch Städte touren, treten die beiden in die Pedale, fahren über Pässe und die Alpen. Die letzte Radreise führte sie über das Inntal nach St. Moritz über mehrere Pässe an den Gardasee. Dabei ist ihr Ziel keineswegs, möglichst viele Kilometer zu machen: „Wir genießen das Radfahren“, erzählt sie. Zumal die Landschaft in den Bergen sensationell sei, ergänzt ihr Mann: „Man schaut, kann Pausen machen und hat ein Erfolgserlebnis, wenn man auf dem Gipfel ist. Das ist unsere Art, Urlaub zu machen.“ Immer unterwegs, die Straße unter sich, die Aussicht spektakulär – das Gesamtkonzept sei in Ordnung: „Wir sind Nomaden. Für uns ist Radfahren Lebensqualität.“

Ferien mit dem Fahrrad sind bei Westerkamps Familientradition: Auch als ihre drei Kinder klein waren, packten sie die Radtaschen und strampelten über die Berge. „Das war unsere Familiensache“, sagen sie unisono. Ihre Tochter war gerade mal vier, als sie ihre erste 40-Kilometer-Tour bestritt. und elf, als sie zum ersten Mal über die Alpen radelte. Zur Arbeit geradelt ist Werner Westerkamp während die Kinder noch klein waren allerdings nicht: „Da wollte ich zügig zu Hause sein, Vokabeln abfragen, das Abendessen richten. Damals habe ich das Rad nicht so stark in den Alltag integriert.“ Heute kommen für Monika Westerkamp knapp 4000 Kilometer auf dem Rad im Jahr zusammen, bei ihrem Mann sind es sogar 10 000 Kilometer. Das Radfahren habe durchaus auch Suchtcharakter: „Wenn ich nicht Rad fahre oder jogge, fehlt mir was“, sagt sie. Vor allem nach den ausgedehnten Radreisen in den Sommerferien müsse sich ihr Körper umstellen: „Abends wird man einfach nicht müde.“

Sechs Kilometer an Krücken spaziert

Dann gibt es aber auch Zeiten, in denen einem der Körper einen Strich durch die Rechnung macht – oder man mit dem Rad mal auf der Straße landet. „Einmal im Jahr erwischt es mich immer“, sagt Werner Westerkamp – „vor allem bei Glatteis“. Sechs Wochen habe er auch stillsitzen müssen, nachdem er sich beim Wandern das Sprunggelenk gebrochen habe. Da habe schon was gefehlt. Von wegen stillsitzen, korrigiert ihn seine Frau trocken: „Wir sind fünf, sechs Kilometer spazieren gegangen – du mit Krücken.“ Im Alltag und in den Ferien benutzen die beiden solide Tourenräder. Monika Westerkamp fährt ein Herrenfahrrad, weil das aufgrund des Rahmens solider auf der Straße liege. Auf gute Bremsen, eine hochwertige Schaltung und helle Beleuchtung legen sie Wert. Einsteigern empfehlen sie, nicht allein loszulegen, sondern lieber in der Gruppe zu fahren: „In einer Einsteigergruppe kann man gemütlich Strecke fahren“, sagt die Hohenackerin. Das Training auf dem Hometrainer empfehlen sie nicht, nicht mal im Winter: „Dann schon lieber in der Gruppe im Fitness-Studio aufs Spinning-Bike“, findet Werner Westerkamp. E-Bikes könnten ein Einstieg sein, wobei sie Elektro-Fahrräder auch für sich selbst in Zukunft nicht ausschließen. Doch noch genießen sie es, ohne Hilfsmotor zu fahren: „Ich persönlich mag es, mich zu verausgaben“, sagt sie.

Ausgleich, Entspannung: maximal anders als der Büroalltag

Genau das ist es, was sie am Radfahren liebt: „Ich brauche Bewegung und meine Zeit ist knapp. So kann ich es den Alltag mit dem Angenehmen koppeln.“ Ausgleich, Entspannung und das Erleben der Natur ist das Radfahren für ihren Mann: Lebensqualität eben. Und dass es „maximal anders“ ist als sein Alltag im Büro.“


Tag des Fahrrads

Seit 20 Jahren findet am 3. Juni der Europäische Tag des Fahrrades statt. Eingeführt wurde er aufgrund des zunehmenden Autoverkehrs auf den Straßen. Ziel ist es, für das Fahrrad als das umweltfreundlichste, gesündeste und sozial verträglichste Fortbewegungsmittel zu werben.