Waiblingen

Radschnellweg Waiblingen-Ludwigsburg: Route über Neckarstraße in Hegnach unrealistisch?

Hegnachcheck
Rund 18.000 Fahrzeuge sind nach Behördenangaben am Tag auf der Neckarstraße in Hegnach unterwegs (Archivfoto). © ZVW/Gaby Schneider

Für den geplanten Radschnellweg vom Waiblinger Bahnhof bis nach Ludwigsburg wäre eine Strecke direkt über die Neckarstraße in Hegnach am kürzesten – doch Landratsamt und Stadtverwaltung favorisieren eine andere Trasse. Diese führt westlich um Hegnach herum, vorbei am Sportplatz Richtung Remseck. Der Radschnellweg könnte zusammen mit einer möglichen Südtangente errichtet werden, die Hegnach vom Autoverkehr entlasten soll. Der Aufwand wäre laut Baubürgermeister Dieter Schienmann geringer, wenn beides zusammen gebaut wird.

Neckarstraße durch Hegnach ist vom Verkehr stark belastet

Dass die West-Route um Hegnach für den Radschnellweg von den Behörden bevorzugt wird, begründete Stefan Hein, der Verkehrsdezernent des Rems-Murr-Kreises, am Dienstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Planung, Technik und Umwelt (PTU) vor allem mit den allgemeinen Vorgaben. Der Weg muss mindestens vier Meter breit sein – und das wäre in der durch Autoverkehr hoch belasteten Neckarstraße ein Problem. „Wir haben die anderen Varianten durchaus geprüft“, sagte Hein.

Verworfen wurde etwa auch eine Trasse östlich von Hegnach, da die Radfahrer dort die stark frequentierten Zufahrten nach Kleinhegnach kreuzen würden. Von den Stadträten gab es indes quer durch die Fraktionen Kritik an Stadt und Landratsamt.

Kritik an West-Trasse um Hegnach 

Stadträtin Iris Förster (Grünt/Tierschutzpartei) sagte, dass es sie mehr als unglücklich mache, wenn die Strecke des Radschnellwegs mit der Südtangente für den Autoverkehr in einem Zusammenhang genannt wird. Ihr „Favorit des Herzens“ wäre die Streckenführung über die Neckarstraße. Sie regte an, zumindest zu überlegen, ob die Route des Radschnellwegs nicht schon wieder früher Richtung Neckarstraße führen könnte. Urs Abelein (SPD) betonte, dass sich Radler nicht im Zickzack-Kurs um einen Ort herumleiten lassen würden. Diese Strecke sei schließlich deutlich länger als die Route über die Neckarstraße. „Man kann den Leuten nicht verbieten, durch den Ort zu fahren.“

Stadtrat Urs Abelein: Pro Velo und ADFC müssen in die Planung einbezogen werden

Urs Abelein regte zudem an, dass in die Planung auch Gruppen wie Pro Velo und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) einbezogen werden – am besten im Rahmen eines runden Tischs. „Das finde ich sehr, sehr wichtig.“ Schließlich seien das jene Leute, die näher an den späteren Nutzern des Radschnellwegs dran seien. Diese würden nämlich Strecken bevorzugen, bei denen man am schnellsten von A nach B käme. Und genau das wäre bei einem Radschnellweg über die Neckarstraße der Fall.

Verkehrsdezernent Stefan Hein gab daraufhin zu, dass man nicht verhindern könne, dass Radfahrer trotz eines Radschnellwegs um den Ort herum weiter auf der Neckarstraße fahren. „Der Radfahrer ist wie Wasser – der sucht sich seinen Weg.“

Gemeinderat von Waiblingen entscheidet am 16. Dezember über das Thema Radschnellweg

Stadtrat Michael Stumpp (CDU/FW) sah bei der geplanten Trassenführung westlich von Hegnach auch Probleme mit dem Sportplatz. Fraktionschef Peter Abele betonte, dass er gespannt sei, was eigentlich der Hegnacher Ortschaftsrat zu all dem sage. Dieser soll sich in seiner Sitzung am 3. Dezember mit dem Thema befassen, ehe am 16. Dezember der Gemeinderat entscheidet.

Auch Stadtrat Alfonso Fazio (Alternative Liste) sprach sich dafür aus, das Votum aus Hegnach abzuwarten – und als Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt erst mal keinen Empfehlungsbeschluss zu fassen. So kam es dann letztlich auch. Der langjährige CDU-Stadtrat Hans-Ingo von Pollern kritisierte, dass es eigentlich richtig gewesen wäre, alles erst vom Ortschaftsrat beraten zu lassen, ehe sich andere Gremien damit befassen. „Das ist ein ehernes Prinzip in Waiblingen.“

Im besten Fall könnte es 2025 losgehen

Selbst wenn die Waiblinger Stadträte im Dezember geschlossen für die West-Trasse des Radschnellwegs stimmen würden, heißt das nicht, dass dieser bald kommt. Das wurde auf Nachfrage von Stadträtin Iris Förster klar. Verkehrsdezernent Stefan Hein verwies darauf, dass er zwar sagen könne, wie lange eine Planung dauere – aber ob die betroffenen Landwirte alle ihre Grundstücke freiwillig verkaufen, das entzieht sich seiner Kenntnis. Wenn die Eigentümer alle mitziehen, könne man 2025 bauen. Anders sieht es aus, wenn ein Planfeststellungsverfahren nötig wird – denn nur darüber könnten die Landwirte zum Verkauf gezwungen werden. „Minimum mal drei Jahre“ dauere solch ein Verfahren.

Für den geplanten Radschnellweg vom Waiblinger Bahnhof bis nach Ludwigsburg wäre eine Strecke direkt über die Neckarstraße in Hegnach am kürzesten – doch Landratsamt und Stadtverwaltung favorisieren eine andere Trasse. Diese führt westlich um Hegnach herum, vorbei am Sportplatz Richtung Remseck. Der Radschnellweg könnte zusammen mit einer möglichen Südtangente errichtet werden, die Hegnach vom Autoverkehr entlasten soll. Der Aufwand wäre laut Baubürgermeister Dieter Schienmann geringer, wenn

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