Waiblingen

Rastlose Rentner sorgen für Frische

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Ilse und Albert Maier vor ihrem Laden in der Hegnacher Straße. © Palmizi / ZVW

Waiblingen-Hohenacker. Längst könnten Albert und Ilse Maier die Beine hochlegen und ihren Ruhestand genießen. Aber das kommt für das rastlose Rentnerpaar aus Hohenacker nicht in Frage. Unermüdlich versorgen sie die Kunden ihres Tante-Emma-Ladens mit frischem Salat, Gemüse und Obst – und spenden für einen sozialen Zweck.

Endlich Ruhestand, endlich ausschlafen? Nicht mit Albert Maier: Jeden Morgen um viertel nach fünf, wenn ganz Hohenacker noch schläft, macht er sich auf den Weg zum Großmarkt. Kein Problem für den 80-Jährigen: „Ich bin immer früh aufgestanden, ich gehe früh ins Bett und habe einen guten Schlaf.“ Kiste für Kiste stapelt er bei Dunkelheit in den Transporter, holt alles,, was die Familien vor Ort für die gesunde Ernährung brauchen: Kartoffeln und Kohlrabi, Trauben und Tomaten, Rettich und Radieschen, Blumenkohl und Bananen. Was nicht exotisch ist, stammt aus der näheren Umgebung, etwa aus Rommelshausen. Auf die Regionalität der Produkte legt Albert Maier Wert – und die Käufer wissen es zu schätzen.

Vier Wochen Urlaub im Sommer, ansonsten wird geschafft

Seit gut 15 Jahren betreibt das Paar den Laden in einer umgebauten Scheune an der Straße nach Hegnach. Damals ging Albert Maier, der bei Bosch in Waiblingen die Staplerfahrer unter sich hatte, in Rente. Im Nebenerwerb hatten beide viele Jahre eine kleine Landwirtschaft mit Äpfeln, Karotten, Salat, Kartoffeln und Himbeeren betrieben. Die anstrengende Feldarbeit gaben sie mit Rücksicht aufs fortgeschrittene Alter zwar auf, mit dem Verkauf jedoch legten sie erst so richtig los. Die Hände in den Schoß zu legen, wäre keine Alternative: „Nichts tun befriedigt mich nicht“, sagt er, im grauen Arbeitskittel im Laden stehend. „Das wäre kein Leben für mich.“

Erst seit er vergangenes Jahr eine Woche krank ausfiel, stellte er sich auf Rat der Kinder einen Stuhl hinein. Man spürt, sein Traum vom Ruhestand sieht genauso aus: aktiv, arbeitsam, unter Leuten. Für ältere Kunden setzt sich er sich auch noch einmal ins Auto und liefert Bestellungen ab 15 oder 20 Euro kostenlos ins Haus. Vormittags stehen oft beide im Laden, nach der Stoßzeit hat Ilse Maier „frei“, wie die 79-Jährige sagt. „Dann treffe ich mich mit meinen Freundinnen.“ Vier Wochen im Sommer gönnt sich das Paar Urlaub, ansonsten wird geschafft.

Einkaufen und Plaudern wie bei Tante Emma

Im Lädle gilt das Tante-Emma-Prinzip: Das Nötigste ist vorhanden, zumindest in kleinen Mengen, darunter auch Mehl von der Hegnacher Mühle, Eier und Nudeln. Zu den Vitaminen und Kohlenhydraten im Einkaufskorb kommt immer noch eine Portion persönlicher Ansprache hinzu. Der schmale Verkaufsraum, der ohne Werbeschnickschnack auskommt, wird von der Kundschaft auch gerne als Treffpunkt genutzt. Hier wird nicht gechattet und gepostet, diese Informationsbörse lebt handfest und real. So ist Ilse Maier stets auf dem Laufenden über das Geschehen im Flecken: „Ich weiß immer, wer im nächsten Jahr heiratet oder wer sich scheiden lässt.“

Die Kunden kommen aus Hohenacker und den benachbarten Ortschaften Hegnach, Neustadt und Bittenfeld. Ein zusätzlicher Schwung an Kundschaft wird täglich vom Feierabendverkehr angespült. Wer auf dem Heimweg durch Hohenacker muss, zweigt gerne für einen kleinen Zwischenstopp ab. Was nach Ladenschluss um sechs übrigbleibt, verstaut Albert Maier im Kühlraum, der sich wie das Lager im rückwärtigen Teil des Gebäudes befindet.

Von den Resten, die nicht mehr in die Regale kommen, dürfen sich außerdem Kinder bedienen – als Delikatessen für Meerschweinchen, Häsle und Co. Oft bringt auch die Nachbarschaft Ware zum Verkauf vorbei – Quitten, Walnüsse und andere Leckereien aus Hohenacker. Der Erlös geht an einen guten Zweck.


Spenden fürs Olgäle

Das Trinkgeld, das Maiers erhalten und für das sie ein Spendenkässlein aufgestellt haben, geht an die Kinderkrebsstation des Olgahospitals in Stuttgart.

Zweimal jährlich findet die Übergabe des Geldes statt, in der Summe ergeben sich zwischen 3400 und 3600 Euro im Jahr.