Waiblingen

Rathaus in Waiblingen-Neustadt: Beginn der Grabungen steht jetzt fest

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Die Ortschaftsverwaltung ist längst aus dem Rathaus Neustadt ausgezogen. Eigentlich sollte im Herbst der Abriss beginnen – doch wegen der Grabungen des Landesamts für Denkmalpflege ist es fraglich, ob der ursprüngliche Zeitplan eingehalten werden kann. © ZVW/Gaby Schneider

Die Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege werden mit ihren Grabungen auf dem Vorplatz vor dem Rathaus Neustadt bald beginnen. Das teilt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Ob sich damit der Beginn des Abrisses des Alten Rathauses und damit letztlich auch der Neubau des Pflegeheims verzögert, bleibt abzuwarten.

Untersucht wird, wie sehr archäologische Spuren erhalten geblieben sind

Ortsvorsteherin Daniela Tiemann berichtete erst kürzlich, dass das Landesamt für Denkmalpflege Mitte bis Ende Juli 2022 mit seinen Arbeiten loslegt. Nun steht der exakte Termin fest: Das sogenannte Prospektionsteam des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (RP) wird am Montag, 18. Juli, mit der Sondage auf dem Vorplatz des Rathauses beginnen.

Unter einer Prospektion verstehen Archäologen die Erkundung eines bestimmten Areals, bei der nichts zerstört werden darf. „Ziel dieser Maßnahme ist es, zu eruieren, inwiefern sich an dieser Stelle archäologische Befundsubstanz erhalten hat und ob eine weiterführende Untersuchung vor Baubeginn notwendig sein wird“, betont Lisa Schmidt, Pressereferentin im RP Stuttgart.

Bagger werden eingesetzt

Geplant sind zwei Sondageschnitte: Mit dem Bagger werden laut dem Regierungspräsidium Streifen von circa zwei Metern Breite freigezogen. Das bedeutet, dass moderne Auflagen und Oberboden entfernt werden, bis entweder die befundführenden Schichten oder der geologische Untergrund freiliegt. „Sollten Befunde angetroffen werden, so werden diese fachgerecht dokumentiert“, erläutert Lisa Schmidt.

Hauptgrund für die Untersuchung sind zwei Keltern, die sich dort befanden, wo heute der Vorplatz des Rathauses von Neustadt liegt. Dies betonte bereits jüngst Ortsvorsteherin Daniela Tiemann. Abgerissen wurden die Keltern 1968/1969, im Zuge des Rathaus-Neubaus durch die damals noch eigenständige Gemeinde Neustadt. Laut dem Regierungspräsidium werden die Untersuchungen des Landesamts für Denkmalpflege hauptsächlich aufgrund der bekannten Verortung zweier Keltern an dieser Stelle gemacht, von welchen zumindest eine mindestens bis 1568/69 zurückzudatieren sein dürfte. „Sollte jedoch noch weitere Befundsubstanz mit Denkmalwertigkeit bei den Sondagen angetroffen werden, so gehört es zum Verfahren, dass auch diese untersucht und dokumentiert wird“, stellt Pressereferentin Lisa Schmidt klar.

Herbert Kopp aus Neustadt macht sich Sorgen

Nun gibt es in Neustadt auch Bürger, denen das Vorhaben Sorgen bereitet. Herbert Kopp, ehemaliger Vorsitzender des Vereins „Neustädter Erinnerungen“ und lokalhistorisch bewandert, hat seine Zweifel. Er schrieb unserer Redaktion, dass das erwähnte Forstlagerbuch von 1568 eine Kelter erwähnt, von ihrem Standort sei aber nichts urkundlich bekannt. „Die 1968 zuletzt abgebrochenen Keltern und das alte Rathaus standen nicht auf dem heutigen Rathausfundament, das Areal ist also schon einmal umgepflügt worden.“ Herbert Kopp fürchtet also, dass im Boden nicht mehr viel zu finden ist. 

Er erinnert in dem Zusammenhang an den Historiker Dr. Joachim Peterke, der einst im Auftrag der Stadt Waiblingen die Chronik „Neustadt – die ungewöhnliche Geschichte eines schwäbischen Dorfes“ erstellt hat. Dieser hat sich dazu ausgiebig mit den Spuren der Besiedlung der Region um Neustadt befasst. Joachim Peterke schloss, betont Herbert Kopp, eine Bebauung vor 1568 um das jetzige Rathaus konsequent aus. Die Staufer und dann die Württemberger hätten im 13. Jahrhundert die strategisch außergewöhnliche Spornlage des Orts genutzt und ihre Siedlung mit einer Ringmauer begrenzt.

Aus der Sicht von Herbert Kopp käme es der Sache zugute, wenn das Landesamt für Denkmalpflege das Grabungsvorhaben inhaltlich und zeitlich erklärt respektive begründet, da es andernfalls die Bürger von Neustadt als Rechtfertigung wiederholt nicht eingehaltener Terminzusagen und Terminschiebungen für die Brache Balaton, das Pflegeheim und den Rathaus-Abriss wahrnehmen würden.

Überreste einer Kelter aus dem 16. Jahrhundert

Aus Sicht des Regierungspräsidiums Stuttgart kann recht schlüssig argumentiert werden, dass auf dem Untersuchungsareal in ungestörten Bodenbereichen die Überreste einer Kelter aus dem 16. Jahrhundert angetroffen werden können. Hier geht es im Speziellen um Spuren von Fundamenten, Produktionseinrichtungen und Produktionsabfällen. „Ein älterer Ursprung dieser Kelter ist ebenfalls nicht auszuschließen, aber auch wir erwarten keine ältere Datierung als das 13. Jahrhundert“, so Lisa Schmidt.

Der Zeitpunkt der archäologischen Sondagen konnte nach ihren Angaben dank frühzeitiger Absprachen mit der Ortschaftsverwaltung von Neustadt so eingetaktet werden, dass er sich in den Planungsablauf einfügt. Ob nach der Sondage weitere Untersuchungen inklusive Rettungsgrabung notwendig werden und welchen zeitlichen und räumlichen Umfang diese haben werden, kann erst nach dem Freilegen der etwaigen Befunde festgestellt werden.

Die Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege werden mit ihren Grabungen auf dem Vorplatz vor dem Rathaus Neustadt bald beginnen. Das teilt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Ob sich damit der Beginn des Abrisses des Alten Rathauses und damit letztlich auch der Neubau des Pflegeheims verzögert, bleibt abzuwarten.

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Untersucht wird, wie sehr archäologische Spuren erhalten geblieben sind

Ortsvorsteherin Daniela Tiemann berichtete erst

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