Waiblingen

Realschüler packen die Zukunft an

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Realschüler, die sich für intelligente Energienutzung einsetzen: Von links Samantha Zosel, Julia Ramisch, Chris Weidmann und Leo Felden. © ZVW

Kernen-Rommelshausen. 2015 halfen sie beim Verlegen von 150 Fotovoltaik-Modulen auf dem Dach des künftigen Jugendhauses. Seither ertüfteln die Realschüler in einer Projektgruppe freiwillig das technische Equipment, um aus dem Juze ein Smart-Grid-Haus zu machen. Steht die Vernetzung von Modulen, Elektrogeräten und Akkus erst mal, lässt sich der Stromverbrauch vom Smartphone aus steuern. Die Zukunft lässt grüßen.

Video: Julia, Samantha, Leo und Chris bauen im Jugendhaus ein Smart-Grid-System.

Die jungen Leute begeistern sich für erneuerbare Energien und deren intelligente Nutzung. Seit Schuljahresbeginn stecken Julia Ramisch, Samantha Zosel, Chris Weidmann und Leo Felden mit zwei weiteren Realschülern jede Woche zwei bis drei Stunden Freizeit in das Smart-Grid-Versuchslabor im Jugendhaus. Sieben Haushalte könnte man mit der 37,5kWp-Fotovoltaikanlage mit Strom versorgen. Im langjährigen Jahresmittel erzeugt die Anlage 31 400 kWh an elektrischer Energie. Das reicht locker für die Lichtanlage im Jugendhaus und für Elektrogeräte wie Geschirrspülmaschine, Kaffeemaschine, Stereoanlage und Spielkonsole.

Die Mädels und Jungs haben Schaltpläne gezeichnet, Leitungen verlegt und Wechselrichter angeschlossen. Letztere dienen dazu, den Gleichstrom der Solaranlage in Wechselstrom zu wandeln und die Menge des produzierten Stroms durchzugeben. Der Energieüberschuss wird in gebrauchten Fahrradakkus zwischengespeichert und bei Bedarf dort abgerufen. Ziel des Projekts sei es, so erklären die Jugendlichen, durch die Vernetzung der Geräte, die den Strom produzieren und derer, die ihn verbrauchen bzw. speichern, die reichliche Energie der Fotovoltaikanlage effizient zu nutzen. Ein Smart-Grid-Haus ist ein vernetztes Haus. Per Kontrolle und Steuerung über den Computer oder das Smartphone lässt sich Strom sparen.

Julia will sich für erneuerbare Energien einsetzen

Julia, die bei Realschullehrer Rainer Idler, dem Projektleiter, Physik-Unterricht hat, legte in der Zehnten ihre fachinterne Prüfung (FiP) über Solarenergie ab. „Physik macht mir Spaß“, schwärmt sie und lächelt. Ihre tollen Schulnoten bestätigen das Talent für praktische Naturwissenschaften: 1,6 in Physik, 1,5 in Technik. Warum opfert das Mädchen jede Woche kostbare Freizeit für ihr Smart-Grid-Versuchslabor? „Ich will mich für erneuerbare Energien einsetzen, weil ich das gut finde“, versichert sie. Samantha steht neben ihr und nickt zustimmend. „Ich finde das hier interessant und ich mag das Fach Physik in der Schule. Unser Projekt hilft der Umwelt, und der effiziente Energieverbrauch kostet weniger Geld in einem Smart-Home. Wir können sogar Strom verkaufen.“

Das Jugendhaus soll Ende des Jahres bezugsfertig sein. Erst dann können die Schüler ihr System mit drei WLAN-Steckdosen komplett installieren und in Betrieb setzten. „Das Vernetzen ist noch nicht so weit, im Moment ist das System stillgelegt“, sagt Leo Felden aus der zehnten Klasse. „Es war mal an, aber es staubt da oben.“ Physiklehrer Rainer Idler, stolz auf die 2500 Euro Fördermittel der Baden-Württemberg Stiftung, ergänzt: „“Wir können mit Apps jedes Modul auf dem Dach ansteuern. Die Schüler bekommen Wartungsaufgaben. Und wenn das System in Betrieb ist, ist unser Ziel nicht, den Strom klassisch zu verkaufen. Wir wollen die Energie in alle Geräte reinführen, dort speichern und wieder nutzen. Nur was übrig ist, geht ins Netz.“

Ein anspruchsvolles System. Es gestattet nicht nur, jedes Modul und jedes Haushaltsgerät anzusteuern, bei Bedarf, wenn es zu viel Strom verbraucht, abzuschalten. Die Akkus von Pedelecs dienen auch als Zwischenspeicher. Auch eine E-Tankstelle kann per App mit Energie versorgt werden. „Jeder kann gucken, wie die Module Strom erzeugen. Jeder kann die Leistung einsehen, aber nur bestimmte Schüler können auch ausschalten“, erklärt Leos Klassenkamerad Chris Weidmann. Leo Felden reizt die Idee der erneuerbaren Energien. „Mit klassischen Brennstoffen geht es ja nicht weiter“, ist der Teenager überzeugt. „In Zukunft wird es so sein, dass es auch solche intelligenten Häuser gibt.“ Und gerade deshalb könnte das vernetzte Kernener Jugendhaus „anderen als Modell dienen, wie man mit seinen Energien gut umgeht“, findet Leo.

Maximaler Gewinn

Ziel des Smart-Grid-Systems ist es, die Energieversorgung so zu betreiben, „dass sich fürs Haus ein maximaler Gewinn ergibt.“

Die E-Tankstelle soll mobil werden und dann auch an der einen Kilometer entfernten Schule weitere E-Bikes mit regenerativer Energie versorgen.