Waiblingen

Region hält Nordostring für nötig

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Von der B14 über die Waiblinger Westumfahrung nach Kornwestheim würde der Nordostring verlaufen. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen/Backnang. Ein Ausbau des Autobahnzubringers L 1115 von Backnang nach Mundelsheim ersetzt den Nordostring nicht. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Verband Region Stuttgart in Auftrag gegeben hat. Es handele sich um zwei von einander unabhängige Projekte.

In dieser Bewertung sind sich die Region als Befürworter des Nordostringes und die Bürgerinitiative Arge Nord-Ost als dessen Gegner einig. Arge-Sprecher Joseph Michl sieht die L 1115 eher als eine regionale Anbindung des Remstals und Rems-Murr-Kreises an die A 81 in Mundelsheim. Hinter dem Nordostring hingegen stecke die Idee einer großräumigen Ost-Weg-Verbindung über die B 10 aus dem Rheintal und die B 29 durchs Remstal bis zur A7 an der bayrischen Grenze. Dafür aber fehlt bisher noch ein Glied: eine Straße von Kornwestheim nach Waiblingen, der seit Jahrzehnten umstrittene Nordostring.


Beim Nordostring, so Michl, handele es sich „um ein ganz anderes Kaliber“ als die L 1115. Er sei kein Teil eines Rings um Stuttgart herum, wie vielfach behauptet werde. Er würde die Landeshauptstadt keineswegs vom Verkehr entlasten und sei auch nicht die propagierte regionale Verbindung der Räume Ludwigsburg/Kornwestheim und Waiblingen/Fellbach. – In Remseck wird derzeit über einen Bürgerentscheid für eine zweite Neckarbrücke diskutiert. Sie soll die bestehende Neckarbrücke entlasten, die heute ein Nadelöhr zwischen den beiden Räumen bildet.

Tagesordnungspunkt im Ausschuss aus Zeitmangel vertagt

Im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung stand am Mittwoch der Punkt „Ausbau der L 1115 zwischen Backnang und Mundelsheim: Wirkungen auf den Nordostring“ auf der Tagesordnung – und wurde aus Zeitmangel vertagt. Das Ergebnis der Untersuchung zur volkswirtschaftlichen Bewertung der Neu- und Ausbauvorhaben an den Bundesfernstraßen in der Region liegt gleichwohl vor und ist eindeutig.

Die L 1115 war Ende 2018 in den Fokus gerückt, nachdem der Bund einer Aufstufung der Landes- zur Bundesstraße (B 29) grundsätzlich zugestimmt hat. Damit wird der mit Kosten in Höhe von 57 Millionen Euro bezifferte dreistreifige Ausbau der Straße wahrscheinlicher. Das Land Baden-Württemberg schob diesen mangels Geld vor sich her.

Wie wirkt sich L 1115-Ausbau auf drei- oder vierstreifigen Nordostring aus?

Die Region ließ untersuchen, ob und wie sich der Ausbau des Autobahnzubringers auf einen drei- oder vierstreifigen Nordostring auswirkt. Weder gebe es signifikante Auswirkungen auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Projekte noch auf den Verkehr. Ein dickes Fragezeichen setzt Arge-Sprecher Joseph Michl grundsätzlich hinter solche Kosten-Nutzen-Analysen. Ohne eine Manipulation unterstellen zu wollen, biete diese Art der Untersuchung viele Möglichkeiten, das spätere Ergebnis zu beeinflussen. „Sie können eine Sache nach oben punkten oder nach unten rechnen. Wie Sie wollen!“

Laut dieser Untersuchung ändert sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis nur geringfügig. Auch bei der Zusatzbelastung durch den Nordostring – induzierter und verlagerter Verkehr – sind die Abweichungen gering. So bringt ein dreistreifiger Nordostring ohne L 1115-Ausbau 8,6 Prozent mehr Verkehr und mit Ausbau 8,3 Prozent; ähnliche Ergebnisse gibt es bei einem vierstreifigen Nordostring: 18,7 gegenüber 17,6 Prozent mehr Verkehr.

Das Fazit des Verbandes Region Stuttgart lautet deshalb:

Weder die verkehrlichen Wirkungen noch die Nutzen-Kosten-Verhältnisse einer Verbindung Waiblingen/Fellbach-Ludwigsburg/Kornwestheim werden durch den geplanten Ausbau, der L 1115/B 29 wesentlich beeinflusst.

Es handelt sich somit um zwei voneinander unabhängige Projekte.

Der Bedarf für den Nordostring ist auch unter der Annahme einer ausgebauten L 1115/B 29 gegeben.

Die Einstufung des Nordostringes in die höchste Dringlichkeitsstufe des Regionalverkehrsplanes sei weiterhin gerechtfertigt und bedürfe keiner Änderung.


Nordostring

Der Nordostring ist seit den 1970er Jahren ein Dauerbrenner in der Verkehrspolitik im Kreis, Land und Bund. Bereits totgesagt, nachdem die grün-rote Landesregierung 2011 den kleinen Nordostring („Andriof-Brücke“) beerdigt hatte, tauchte der Nordostring 2016 im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) im Status „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ doch wieder auf. Während Stuttgart, Fellbach und Kornwestheim gegen den über ihre Gemarkungen laufenden Nordostring sind, findet der Nordostring große Unterstützung durch die Region Stuttgart und die Stadt Waiblingen.