Waiblingen

Reiche Frauen greifen öfter zur Flasche

Komasaufen
Laut Alkoholatlas konsumieren Männer mehr Spirituosen als Frauen, wobei beide eher in jüngeren Jahren dazu greifen. Beim Konsum von Mixgetränken bestehen nur geringe Geschlechtsunterschiede; sowohl Männer als auch Frauen trinken diese vorwiegend in jüngerem Alter – junge Männer allerdings in größeren Mengen als junge Frauen. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Wer mehr Geld hat, trinkt mehr, und am wenigsten verbreitet ist das Rauschtrinken unter jungen Arbeitslosen: Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Krebsforschungszentrum. Dessen erster Alkoholatlas liefert weitere überraschende Erkenntnisse.

Einen „deutlichen Zusammenhang“ zwischen Sozialstatus und Alkoholkonsum haben die Forscher ausgemacht, wie aus dem Alkoholatlas 2017 hervorgeht: In höheren sozialen Schichten ist Alkoholkonsum weiter verbreitet als in niedrigeren. Gut situierte Frauen trinken deutlich mehr als weniger verwöhnte Geschlechtsgenossinnen. Laut den Forschern trinkt rund die Hälfte der Frauen mit hohem Sozialstatus mindestens wöchentlich Alkohol, und ein Fünftel konsumiert sogar wöchentlich riskante Mengen, das heißt, durchschnittlich mehr als zehn Gramm Reinalkohol pro Tag. Dagegen konsumiert „nur“ ein Viertel der Frauen mit niedrigem Sozialstatus mindestens wöchentlich Alkohol. Rund ein Zehntel der Frauen dieser Gruppe nimmt riskante Mengen zu sich. Der Alkoholkonsum von Frauen mit mittlerem Sozialstatus liegt dazwischen.

Wer mehr Geld hat, trinkt mehr

Nicht ganz so groß ist der Unterschied bei den Männern, die Grundtendenz ist allerdings dieselbe: Wer mehr Geld hat, trinkt mehr. Laut Alkoholatlas trinken rund 70 Prozent der Männer mit hohem Sozialstatus mindestens einmal in der Woche Alkohol. Dasselbe tun rund 60 Prozent der Männer mit mittlerem Sozialstatus und nur rund 50 Prozent der Männer mit niedrigem Sozialstatus. Der riskante Alkoholkonsum (wöchentlicher Konsum mit durchschnittlich mehr als 20 Gramm Reinalkohol pro Tag) unterscheidet sich bei den Männern unterschiedlicher sozialer Herkunft allerdings nicht wesentlich.

Komasaufen unter Jugendlichen nicht mehr so weit verbreitet

Die gute Nachricht: Über alle Gruppen hinweg ist der Alkoholkonsum über die Jahre zurückgegangen. Besonders das Komasaufen ist unter Jugendlichen längst nicht mehr so weit verbreitet wie noch vor Jahren – kommt aber noch vor. Laut Alkoholatlas wurde 2015 am häufigsten bei Jungen und Mädchen aus dem Saarland eine akute Alkoholvergiftung diagnostiziert. Bei den unter 15-Jährigen, die wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden mussten, waren die Mädchen – deutschlandweit – in der Überzahl.

Deutschland geht mit Mindestalter vergleichsweise locker um

Bezogen auf Erwachsene ist die Zahl der Diagnosen bei Krankenhausaufenthalten, die ausschließlich auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind, in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, wie es im Alkoholatlas weiter heißt. Fast zwei Drittel der Diagnosen bei Männern lauteten auf psychische Störungen und Verhaltensstörungen, hervorgerufen durch Alkohol. Es folgten Erkrankungen des Verdauungssystems, Krebs, neurologische sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit einem geringen Anteil übertragbare Krankheiten wie Tuberkulose und HIV.

Die Weltgesundheitsorganisation sieht es als wirksame Maßnahme an, wenn ein Land das Mindestalter für den Kauf und Konsum von alkoholischen Getränken nach oben setzt. Deutschland geht damit vergleichsweise locker um: Bereits 16-Jährige dürfen Bier und Wein kaufen. Nur für Branntwein und branntweinhaltige Getränke gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Andere europäische Länder handhaben das viel strenger. Vor kurzem ist zudem das nächtliche Alkoholverkaufsverbot in Baden-Württemberg gefallen. Zuvor hatten beispielsweise Tankstellen in der Zeit zwischen 22 Uhr und 5 Uhr keinen Alkohol verkaufen dürfen.