Waiblingen

Reihenweise Diebstähle aus teuren Autos

auto aufbruch
Die Polizei unterscheidet verschiedene Tätergruppen: Organisierte Banden, die gezielt nach teuren Autos suchen, und Diebe, die unverschlossene oder leicht zu öffnende Autos nach Geld und Wertsachen durchkramen. © Paolese / Fotolia

Waiblingen. Sie haben es besonders auf Lenkräder, Bordcomputer und Navis in hochwertigen BMW abgesehen. In der Nacht auf Samstag richteten Diebe in Korb und Großheppach einen Schaden von mindestens 70 000 Euro an. Ein Polizeihund nahm am Samstag die Fährte auf, doch die Suche lief ins Leere.

Die Polizei unterscheidet zwischen verschiedenen Tätergruppen. Bei jenen, die aus hochwertigen Autos, bevorzugt BMW und Mercedes, teures Zubehör stehlen, mit brachialer Gewalt Scheiben einschlagen und ganze Bedienelemente herausreißen, dürfte es sich um organisierte Banden handeln, sagt Polizeisprecher Ronald Krötz. Die Polizei geht von „überregional agierenden Straftätern“ aus. Vor einiger Zeit waren diese Art Täter in Urbach unterwegs, auch im Raum Aalen. In Korb hat die Polizei seit Anfang Oktober knapp 40 Diebstähle aus Fahrzeugen registriert. In diesen Fällen waren eher einzelne Täter am Werk. Vergangene Woche hat die Polizei einen 19-jährigen Algerier festgenommen, auf dessen Konto zumindest drei Diebstähle aus Autos gehen sollen (wir haben berichtet). Der mutmaßliche Dieb soll nachts den Ort durchstreift haben auf der Suche nach unverschlossenen Autos, die er dann nach Wertgegenständen und Geld durchsuchte. Er befindet sich mittlerweile in Haft. Ob ihm noch mehr als drei Diebstähle zur Last gelegt werden können, ist Gegenstand weiterer Ermittlungen.

In Obstwiesen verlor sich die Spur der Täter

Am Wochenende hatten es die Täter gezielt auf BMW abgesehen. Sie machten sich an einem BMW in Korb und an gleich sechs in Großheppach zu schaffen. Die Polizei reagierte mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Ein Suchhund nahm die Spur der Diebe auf. Auf einer zwei Kilometer langen Strecke konnte der Hund laut Polizei die Spur verfolgen. Der Hund führte die Beamten bis auf Obstwiesen, wo er dann allerdings die Spur verlor.

Die Täter haben erheblichen Schaden angerichtet, so Ronald Krötz. Sie reißen Kabel heraus oder trennen sie ab, um an das wertvolle Zubehör zu gelangen. All diese Schäden wieder zu reparieren, das dauert und kostet. Wegen des hohen Schadens entschied die Polizei sich am Wochenende für den Einsatz des Suchhundes.

Organisierte Banden suchen ihre Einsatzgebiete gezielt aus. Beliebt sind Orte, die nahe an Bundesstraßen oder Autobahnen liegen. Auftraggeber, Hehler, Diebe und Fahrer teilen sich die Jobs auf, während Ausspäher Wohngebiete durchstreifen und nach wertvollen Fahrzeugen suchen, informiert die Polizei in einer Infoschrift. Diebe seien technisch so gut ausgerüstet, „dass sie serienmäßige Sicherungseinrichtungen in vielen Fällen überwinden können“.

Tipp: Keine Wertsachen im Auto lassen

Sie müssen im Zweifel nicht mal Gewalt anwenden, um ins Innere eines Fahrzeugs zu gelangen. Die Funkfernbedienung, mittels derer man das Auto auch aus einigen Metern Entfernung verschließen kann, lässt sich leicht unterbrechen. Der Besitzer glaubt, sein Auto sei sicher verschlossen, geht seiner Wege – und wenn er zurückkommt, ist das Auto weg oder ausgebeint. Eine Zeit lang standen auch schlüssellose Schließsysteme im Fokus. Autos mit dieser Technik lassen sich per Knopfdruck starten, öffnen und schließen. Wer das Gegenstück zu diesem Schließsystem arglos in der Hosentasche trägt oder zu Hause nahe der Hauswand ablegt – der muss damit rechnen, dass ein Krimineller das Signal abfängt. Kein Witz, sondern ein ernst gemeinter Vorschlag in mehreren Publikationen: den Schlüssel zu Hause in Alufolie einwickeln, in einem Mäppchen mit spezieller Sicherheitsfolie aufbewahren oder in ein Metallkästchen stecken, damit das Funksignal unterbrochen ist.

Offenbar wird der uralte Tipp, keine Wertsachen im Auto zu lassen, oft genug einfach nicht beherzigt. Die polizeiliche Kriminalprävention des Bundes und der Länder nimmt es offenbar mit Humor, denn sie überschreibt ihre Präventionstipps mit den Worten: Vorsicht: Asphalt-Klauboys!

Zahlen

Im Jahr 2015 zählte die Polizei 857 Fälle von besonders schwerem Diebstahl aus Autos. Das entspricht einem Plus von 7,8 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Die Zahlen beziehen sich auf das Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Aalen. Dazu zählen der Rems-Murr-Kreis, der Ostalbkreis und Schwäbisch Hall.