Waiblingen

Reise stornieren wegen neuer Corona-Regeln? Reisebüro akzeptiert das nicht

Reisebüro
Jochen Ziesel vom Columbus-Reisebüro in der Bahnhofstraße 7 in Waiblingen muss seine Kunden seit langem intensiv über die Corona-Lage in Urlaubsländern aufklären. © ZVW/Gabriel Habermann

Während Reiseveranstalter 2020 bei einer Stornierung von Urlaubsreisen durch Kunden noch kulanter waren, sieht es in dieser Saison anders aus. Darauf macht Jochen Ziesel aufmerksam, Inhaber des Columbus-Reisebüros in der Bahnhofstraße 7 in Waiblingen. Dafür hat er durchaus Verständnis. „Sonst überlebt das keiner wirtschaftlich.“

Wer als noch nicht vollständig Geimpfter etwa am 12. Juli mittags seine Griechenlandreise buchte und ein paar Tage später abfliegt, muss akzeptieren, dass das EU-Land an jenem 12. Juli abends verkündete, dass sich nur noch Geimpfte in Innenräumen von Restaurants aufhalten dürfen. Auch die plötzliche Einführung einer Maskenpflicht am Strand ist laut Jochen Ziesel kein Stornierungsgrund, den Reisegesellschaften anerkennen würden.

Mit den etwas teureren Flex-Tarifen können Kunden auch kurzfristig kostenfrei stornieren

Was den Kunden im Moment ein wenig Sicherheit gibt, sind die sogenannten Flex-Tarife. Wer für seinen Pauschalurlaub mehr zahlt, darf diesen ohne Angabe von Gründen auch relativ kurzfristig ohne Stornierungsgebühren umbuchen oder ganz absagen. Aber wenn diese Fristen abgelaufen sind, dann reichen Änderungen von Corona-Regeln am Urlaubsort als Stornierungsgrund eben oft nicht aus.

Allgemein hat der Beratungsbedarf in der Branche wegen Corona stark zugenommen. Pro Kunde investiert Jochen Ziesel nach eigenen Angaben 30 bis 45 Minuten, um sie über die Lage aufzuklären. In den vergangenen Wochen wurden bei ihm vor allem Flugreisen nach Spanien und Griechenland gebucht. Dazu kämen einige Reisen nach Italien oder Kroatien, allerdings nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto.

Zurückhaltung üben seine Kunden noch bei Urlaubszielen außerhalb von Europa. „Bei den Fernreisen tut sich sowieso nichts.“ Dass sich dies vor dem Winter ändert, glaubt Jochen Ziesel nicht. Das bei deutschen Fernreisenden beliebte Thailand erlaubt etwa eine Einreise derzeit nur mit Visum, Test und Quarantäne. Die einzige Ausnahme von der Quarantänepflicht gilt für Phuket, allerdings auch erst seit dem 1. Juli.

Steigende Inzidenzzahlen in Spanien und Griechenland

Das bei den Deutschen beliebte Urlaubsland Spanien gilt allerdings wegen steigender Inzidenzzahlen schon wieder als Corona-Risikogebiet. Auch in Griechenland ist die Zahl der Infizierten zuletzt stark gestiegen. Trotz allem, sagt Jochen Ziesel vom Waiblinger Columbus-Reisebüro, hätten die Leute große Lust, in den Urlaub zu fahren. Die ständigen Änderungen verunsichern indes die Kunden – und das wiederum spürt Jochen Ziesel. „Wir haben immer die doppelte Arbeit.“

Nur 40 bis 50 Prozent des Umsatzes wie im Jahr 2019

Das einzig Gute an der aktuellen Lage ist für Reisebüro-Inhaber wie ihn, dass die Kundschaft den Wert eines Reisebüros mehr zu schätzen weiß. So berichtet Jochen Ziesel, dass verstärkt Menschen zu ihm kommen, die vorher immer übers Internet gebucht hätten. Das bedeutet aber nicht, dass das Geschäft schon auf dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie ist. Wenn Jochen Ziesel den Umsatz von 2021 betrachtet, dann liegt dieser bei 40 bis 50 Prozent vom Umsatz des Jahres 2019. Darum gibt es in seinem Reisebüro auch nach wie vor Kurzarbeit. Immerhin, sagt Jochen Ziesel, laufe die Saison 2021 besser als die Saison 2020.

„Es bleibt immer ein Lotteriespiel“

Allgemein wünscht sich Jochen Ziesel, dass die Politik bei ihren Maßnahmen stärker auf die Zahl jener Menschen achtet, die wegen Corona wirklich in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Aufgrund des starken Fortschritts bei den Impfungen ist es aus seiner Sicht falsch, alles nur von der Zahl der nachgewiesenen Infektionen abhängig zu machen. Die Garantie, dass sich auch bei einer sehr spontan gebuchten Urlaubsreise nichts mehr kurzfristig ändert, kann Jochen Ziesel seinen Kunden wegen Corona nicht geben. „Es bleibt immer ein Lotteriespiel.“

Während Reiseveranstalter 2020 bei einer Stornierung von Urlaubsreisen durch Kunden noch kulanter waren, sieht es in dieser Saison anders aus. Darauf macht Jochen Ziesel aufmerksam, Inhaber des Columbus-Reisebüros in der Bahnhofstraße 7 in Waiblingen. Dafür hat er durchaus Verständnis. „Sonst überlebt das keiner wirtschaftlich.“

Wer als noch nicht vollständig Geimpfter etwa am 12. Juli mittags seine Griechenlandreise buchte und ein paar Tage später abfliegt, muss akzeptieren, dass das

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