Waiblingen

Remstaler Figurentheater: Wegen Corona müssen die Puppen im Koffer bleiben

Puppenspielerin Rosita Sperlich
Rosita Sperlich und ihre Lieblingspuppen: „Oma“ und „Seppl“. © Benjamin Büttner

Jeden Moment könnte das Telefon bei Rosita Sperlich klingeln und damit die nächste schlechte Nachricht eintrudeln. Die 69-Jährige ist Puppenspielerin – ein Beruf, der vor allem von einem Publikum lebt. Viele Auftritte des Remstaler Figurentheaters werden aber aufgrund der aktuellen Corona-Lage abgesagt.

„Ich versuche, meinen Humor und die Zuversicht nicht zu verlieren“, sagt Rosita Sperlich. Auch habe sie gemeinsam mit ihrem Mann Helmut einige Auftritte abgesagt, „weil ich unter diesen Umständen die Verantwortung nicht tragen möchte“.

So müssen die Handpuppen, welche das Herzstück des Figurentheaters bilden, wieder im Koffer verstaut werden. Auch der neue Samtstoff, den die Sperlichs für ihre kleine Theaterbühne gekauft haben, bleibt verpackt im Lager zurück.

Statt Reklame zu machen, das Auto zu packen und an Veranstaltungsorte zu fahren, heißt es nun für die Puppenspieler: abwarten, sich in Geduld üben und hoffen, dass sich die Situation so schnell wie möglich ändert. „Es ist so, wie es ist“, sagt Rosita Sperlich.

Sieben Puppen mussten verkauft werden

Um sich finanziell über Wasser halten zu können, verkaufte das Figurentheater sieben Handpuppen. „Das hat schon wehgetan“, sagt die 69-Jährige. Immerhin begleiten die handgefertigten Figuren des Puppenschnitzers Till de Kock das Ehepaar schon das halbe Leben lang. „46 Jahre – solange wir auch verheiratet sind. Zu der Zeit damals waren Figuren des Künstlers der ganze Stolz eines Puppenspielers.“ Übrig bleiben 15 Figuren, darunter das Kasperle, die Prinzessin und der Räuber.

Die 69-Jährige bildet die neunte Generation einer Puppenspielerfamilie, ihr Mann entstammt ebenfalls einer Zirkus- und Puppenspielerfamilie. Der gemeinsame Sohn führt die Tradition mit seiner Ehefrau dann in der zehnten Generation weiter.

Tradition wird weitergeführt

Das Puppenspielen sei eine Berufung, „das kann man nicht lernen“. Mit den übrig gebliebenen Handpuppen können die fünf selbst geschriebenen Stücke aufgeführt werden, die in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie heißen „Der Zauberkristall“, „Der Fahrraddieb“ oder „Das Schlossgespenst“ und seien äußerst beliebt bei den jungen wie älteren Zuschauern, so Sperlich.

Doch durch die Pandemie können die Stücke nicht aufgeführt werden. In den vergangenen Jahren spielte das Remstaler Figurentheater in Kooperation mit der Sparkasse an Schulen oder auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt.

Pandemiebedingt harren die Sperlichs aktuell in ihrem Wohnwagen an der Hartwaldhalle in Hegnach aus. Der Platz ist eigentlich ihr Winterquartier, doch seit Mai 2021 ihr Domizil. Der Ortsvorsteher mache dies möglich, so Sperlich. Immerhin, eine Sorge weniger. Doch wenn Auftritte nicht stattfinden können, fehlen auch die Einnahmen. So sind die Sperlichs auf staatliche Hilfe angewiesen.

„Das reicht aber vorne und hinten nicht.“ Einen weiteren Antrag haben sie aktuell eingereicht, „es dauert aber sehr lange, bis man was bekommt“. Unterstützung erfahren sie durch Spenden aus den umliegenden Pfarrgemeinden. Manchmal werde auch schon ein Vorschuss der Gage vorgestreckt. Die Auftritte werden dann nachgeholt, wenn es die Lage erlaubt.

Familie hat keine Ersparnisse

„Wir sind es gewohnt, mit wenig auszukommen.“ Ersparnisse haben die Sperlichs so gut wie keine, an die Altersvorsorge sei nicht zu denken. „Solange ich noch die Arme hochbekomme und meine Stimme mitmacht, werde ich spielen“, sagt die 69-Jährige. Besonders vermisst sie die Interaktion mit den Menschen bei den Auftritten. Die Kinder dürfen dann immer ein Foto mit den Figuren machen und die Puppen betrachten. Das sei seit der Corona-Pandemie nicht mehr möglich.

Man begrüße und verabschiede das Publikum auch nur aus der Ferne, sagt Rosita Sperlich. Wenngleich die Grundlage für den Lebensunterhalt wegbricht, zeigt sie Verständnis für die Maßnahmen in der aktuellen pandemischen Lage. Man müsse nun auf das Wohl seiner Mitmenschen achten, aber auch nicht die Hoffnung verlieren. Die 69-jährige Puppenspielerin bleibt zuversichtlich: „Vielleicht können wir im Januar spielen.“

Jeden Moment könnte das Telefon bei Rosita Sperlich klingeln und damit die nächste schlechte Nachricht eintrudeln. Die 69-Jährige ist Puppenspielerin – ein Beruf, der vor allem von einem Publikum lebt. Viele Auftritte des Remstaler Figurentheaters werden aber aufgrund der aktuellen Corona-Lage abgesagt.

„Ich versuche, meinen Humor und die Zuversicht nicht zu verlieren“, sagt Rosita Sperlich. Auch habe sie gemeinsam mit ihrem Mann Helmut einige Auftritte abgesagt, „weil ich unter

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