Waiblingen

Renitenter Kneipengast vor Gericht

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Mit sanfter Stimme hat er sich „für die Unannehmlichkeiten“ entschuldigt, die seinetwegen entstanden sind. Und beteuert, wie er sich dafür schäme, vor dem Amtsgericht zu stehen. Kaum zu glauben, dass derselbe 28-jährige in einer Fellbacher Kneipe einer Frau an den Po gegriffen und den Türsteher als Fettsack und Wichser beleidigt haben soll. Wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch wurde er nun zu einer Geldstrafe verurteilt.

Freigesprochen wurde der Waiblinger vom Vorwurf der sexuellen Belästigung: die Zeugin konnte sich an den Vorfall kaum noch erinnern.

Vor Gericht war Danilo M. (Namen von der Redaktion) allerdings kein Unbekannter. „Ihr Auszug aus dem Bundeszentralregister liest sich wie ein Streifzug durch das Strafgesetzbuch“, bemerkte Richter Deutel angesichts der zahlreichen Vorstrafen des höflichen 28-Jährigen. Diebstahl, Fahren ohne Führerschein, Sachbeschädigung, gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung, Betrug: Bei Danilo M. ist im Laufe der Zeit einiges zusammengekommen. Auch Bewährungsstrafen, die er noch gar nicht ganz verbüßt hat.

Trotz Hausverbot dreimal zurück gekommen

Dazu kommt nun der Ärger im März dieses Jahres. Es war morgens gegen 5 Uhr in einer Fellbacher Kneipe. Danilo M. war mit einer Gruppe von Freunden zum Feiern gekommen, am Ende aber mit einem Hausverbot vor die Tür gesetzt worden. Vor Gericht stand er, weil er nach Auffassung des Staatsanwaltes eine junge Frau am Po begrapscht und den Türsteher, der ihn aufforderte, das Lokal zu verlassen, beschimpft und beleidigt hatte. Trotz Hausverbot sei er zurückgekommen und habe dreimal versucht, wieder ins Lokal reinzukommen. Am Ende wurde die Polizei gerufen.

Der Angeklagte beteuert: "Ich respektiere Frauen"

An all das kann sich Danilo M. nur noch wage erinnern. Ja, er sei auf die junge Frau zugegangen, weil er sie kennenlernen wollte: „Ich habe sie aber nicht am Po angefasst“, sagte er, er habe sie nicht kränken wollen. „Ich respektiere Frauen, ich habe selber eine kleine Schwester.“ Als er merkte, dass die Frau kein Interesse hatte, sei er an seinen Tisch zurückgegangen, dort aber plötzlich attackiert worden. „Ich habe einen Faustschlag ins Gesicht bekommen und bin auf den Boden geflogen.“ Das Veilchen sei noch zwei Wochen später zu sehen gewesen. Als ihn der Türsteher rausbeorderte, sei er empört gewesen: „Ich wusste gar nicht, was passiert ist. Aber der Türsteher hat nicht mit sich reden lassen.“ Dass er dreimal wiederkam und ins Lokal reinwollte, begründete Danilo M. mit seiner Jacke, die drinnen liegengeblieben sei. Bis heute hat er sie nicht abgeholt.

Der Türsteher ist Beleidigungen gewohnt

Was genau geschah an jenem frühen Morgen, konnte die Besitzerin der Kneipe nicht sagen. M. hatte sie indes noch lebendig in Erinnerung. Plötzlich sei er hinter der Theke gestanden, berichtete sie im Zeugenstand. Und aggressiv geworden, weil sie ihn da weghaben wollte. In ruhigen Worten schilderte der Türsteher seine Sicht der Dinge. „Da war ein Pulk, und er mitten drin. Einer sagte, er hat meine Freundin am Hintern angefasst.“ Daraufhin habe er M. zur Tür gebracht. Die Beleidigungen des angriffslustigen und betrunkenen Mannes nahm er sich wenig zu Herzen – an der Tür sei es Usus, bedroht und beleidigt zu werden, sagte er: „Ich bin das gewohnt. Ich mache das schon zu lange, als dass mich das noch berühren könnte.“

Frau kann sich "an gut wie nichts erinnern"

Längst erledigt war das Ganze auch für die Frau, die M. unsittlich angefasst haben soll. „Ich kann mich an so gut wie nichts erinnern“, sagte sie. Damals habe sie einiges getrunken. „Für mich hat sich das erledigt, das habe ich auch der Polizei gesagt.“ So blieben von der Anklage nur noch die Beleidigung und der Haufriedensbruch übrig. Angesichts M.s zahlreicher Vorstrafen („Sie schaffen es nicht, sich über einen gewissen Zeitraum straffrei zu verhalten“) plädierte der Staatsanwalt für vier Monate Gefängnis ohne Bewährung, die Verteidigerin nur auf eine Geldstrafe. Dem folgte der Richter. M. versprach, von nun an „ein ordentliches Leben“ zu führen. All das sei völlig unnötig gewesen, sagte er freundlich: „Ich respektiere die Menschen und gebe mir Mühe, mein Leben auf die Reihe zu kriegen.“