Waiblingen

Restaurant fast ohne Fleisch? SPD scheitert in Waiblingen mit Vegetarier-Antrag

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Die Zukunft des Restaurants im Alten Rathaus ist weiter ungewiss. © Gaby Schneider

Gibt es ein Recht auf Zwiebelrostbraten? Die Mehrheit im Gemeinderat sagt: Ja. Weder im Bürgerzentrum noch im Alten Rathaus wird die Stadt Waiblingen künftige Pächter darauf verpflichten, ausschließlich oder zumindest überwiegend vegetarische Gerichte anzubieten. Mit ihrem Vorstoß ist die SPD gescheitert, erntete aber durchaus auch Unterstützung und Zustimmung. Eine Diskussion hat sie auf alle Fälle angestoßen – die im Gremium mit ungewöhnlich viel Polemik gewürzt war.

Nutztierhaltung verstärke den Klimawandel, sagte SPD-Chef Roland Wied zur Begründung. Die Massentierhaltung sei die größte Methanquelle überhaupt und die größte Verursacherin des Stickoxidausstoßes. Man wolle zwar niemandem vorschreiben, was er kochen soll oder was er essen dürfe – „aber eine Diskussion anstoßen, das wollen wir schon“. Dass der Antrag in Anbetracht der Lebenswirklichkeit keine Mehrheit finden würde, hat die Sozialdemokraten denn auch nicht überrascht.

"Der Markplatz ist umzingelt von Restaurants"

Das freilich bot Angriffspunkte für Polemik der Gegner: „Ich bin froh, dass die SPD ihren Antrag selbst als weltfremd bezeichnet“, ätzte CDU-Chef Peter Abele. Eben darum verstehe er nicht, warum sie ihn aufrechterhalte. Die Christdemokraten wollten künftigen Betreibern kein Geschäftsmodell vorschreiben und den Gästen die Auswahl ihrer Speisen. Noch dazu sei für das Alte Rathaus eine andere, nicht-gastronomische Nutzung denkbar. „Der Marktplatz ist von Restaurants umzingelt“, bekräftigte Fraktionskollege Ingo von Pollern, „ins Alte Rathaus gehört eine Galerie mit regionalen Künstlern rein.“

Julia Papadopoulos von der Tierschutzpartei unterstützte den Antrag und verwies als weiteres Argument auf das Tierwohl. In den meisten Restaurants würden zu 80 bis 90 Prozent Fleischgerichte angeboten - „da ist die Wahl oft schon getroffen“.

Julia Goll spricht von "Rote-Bete-Sozialismus"

Gegenwind kam auch aus den Reihen der ALi-Fraktion: Ob Fleischgerichte dann auch beim Italiener und anderen Restaurants verboten würden, fragte Dagmar Metzger rhetorisch – und gab einen Namenswitz in eigener Sache zum Besten: „Nicht nur weil ich Metzger heiße, esse ich gerne Fleisch.“

Dagmar Julia Goll (FDP) hingegen bekräftigte ihren Vorwurf des „Rote-Bete-Sozialismus“ und forderte unisono mit Siegfried Bubeck (FW/DFB),die Sozialdemokraten mögen doch bitteschön offen ein vegetarisches Restaurant fordern statt „überwiegend fleischlose Gerichte“. Hermann Schöllkopf (CDU) äußerte in der langen Debatte Zweifel am ökologischen Sinn und Geschmack von Gerichten wie „veganem Rührei“. Wolfgang Bechtle brandmarkte Ausführungen zum Methan-Ausstoß von Rindern gar als „absoluten Schwachsinn“, so dass SPD-Rat Urs Abelein den Kollegen fehlende Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema vorwarf. Dies gebe im Hinblick auf die vielen Pläne, die Klimaschutzziele zu erreichen, sehr zu denken.

Pächter für Remsstuben im Bürgerzentrum gefunden

Von der ursprünglichen Fassung ihres Antrags rückte die SPD zuletzt ab, nahm das Bürgerzentrum heraus und bezog ihn nur noch aufs Alte Rathaus. Zudem sollten nicht „überwiegend fleischlose Gerichte“ auf der Karte stehen, sondern Betreiber vegetarischer oder veganer Restaurants bevorzugt werden. Dennoch wurde der Antrag am Ende mit 17 Nein- und 11 Ja-Stimmen abgelehnt.

Dass das Bürgerzentrum aus dem Antrag fiel, hat auch noch einen anderen Hintergrund: Ein neuer Pächter für das dortige Restaurant Remsstuben wird nicht mehr gegesucht, sondern ist bereits gefunden. Demnächst wird er der Öffentlichkeit vorgestellt. In ihrer Ablehnung des SPD-Antrags macht die Stadtverwaltung klar, was sie vom neuen Pächter der Remsstuben, die von Michael Herbst als gutbürgerliches Lokal mit schwäbisch-deutscher Küche geführt wurde, erwartet: Kontinuität im Sinne aller Gesellschafts- und Altersgruppen. Und Ideen für vegetarische und vegane Gerichte.

Gibt es ein Recht auf Zwiebelrostbraten? Die Mehrheit im Gemeinderat sagt: Ja. Weder im Bürgerzentrum noch im Alten Rathaus wird die Stadt Waiblingen künftige Pächter darauf verpflichten, ausschließlich oder zumindest überwiegend vegetarische Gerichte anzubieten. Mit ihrem Vorstoß ist die SPD gescheitert, erntete aber durchaus auch Unterstützung und Zustimmung. Eine Diskussion hat sie auf alle Fälle angestoßen – die im Gremium mit ungewöhnlich viel Polemik gewürzt war.

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