Waiblingen

Retten 207 E-Autos das Klima? Zahl der Neuzulassungen bereitet KfZ-Innung Kopfzerbrechen

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet für den Mai 380,2 Prozent Zuwachs bei den E-Autos bundesweit. Torsten Treiber, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, ist enttäuscht: „Das sind nicht mal 27.000 neue Elektro-Pkw. Die paar E-Autos retten weder das Klima noch Arbeitsplätze in den Autohäusern.“ Erstens, „weil davon im Rems-Murr-Kreis gerade mal 207 neu zugelassen wurden“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Zweitens, „weil E-Autos generell weniger Bedarf an Wartung in der Werkstatt haben“, sagt Reiner Äckerle, der Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung und als Autohausgeschäftsführer in Korb unmittelbar mit dem Thema befasst. Drittens, weil Klimaschutz per E-Auto ganz andere Zahlen notwendig machen würde, da sind sich alle drei einig: „Dann würde es allerdings für die Werkstätten noch enger, aber es gibt natürlich nichts, was sich nicht durch entsprechende Personalplanung lösen ließe.“

1106 neue Pkw wurden im Mai im Rems-Murr-Kreis zugelassen. 207 Elektro-Pkw, 149 Plugin-Hybride, 117 Vollhybride, 225 Diesel und 408 Autos mit Benzinmotoren oder anderen Treibstoffarten: „Flüssiggas- und Erdgasmotoren haben immer noch ein paar Fans“, sagt Reiner Äckerle. Dazu kommen noch 3011 gebrauchte Pkw: Diesel sind davon 685, bleiben 2326 andere.

Wenn Obermeister Torsten Treiber die aktuelle Entwicklung beschreibt, greift er lieber zu den Gesamtzahlen: „Wir haben im Rems-Murr-Kreis bis jetzt in diesem Jahr etwas über 5800 Neuzulassungen. Das sind über 3000 weniger als 2019, als es keinen Corona-Lockdown gab.“ In Umsatzverlusten ausgedrückt: „Es fehlen allein im Handel über 100 Millionen Euro Umsatz, dass da manche Betriebe ins Wackeln kommen, wird keinen wundern.“ Und wackelig kann’s auch für die werden, die sich auf das Werkstattgeschäft beschränken: "70 bis 80 Prozent Auslastung ist der aktuelle Durchschnittswert,“ sagt Torsten Treiber.

 Strukturwandel in der Werkstatt

„Der Strukturwandel in der Werkstatt hat längst begonnen, was er bringt, erleben wir gerade“, sagt Christian Reher. „Um gezielt das Kraftfahrzeuggewerbe bei der Transformation der Automobilwirtschaft zu unterstützen, fördert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus den Aufbau einer Zukunftswerkstatt 4.0“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut beim Start dieses Projektes in Esslingen: „In Baden-Württemberg sind rund 80.000 Menschen mit der Vermarktung und Instandhaltung von Fahrzeugen beschäftigt. … „Der Technologiewandel wirkt sich auf die gesamte automobilwirtschaftliche Wertschöpfungskette aus. … Sinkende Umsatzgrößen im Werkstattbereich durch die Elektromobilität, aber auch neue Wertschöpfungspotenziale durch das Connected Car sind Beispiele für den hohen Veränderungsdruck“, sagt die Ministerin. Autohäuser und Werkstätten seien häufig engen Grenzen hinsichtlich der Erprobung neuer Technologien und Diensten ausgesetzt. „Genau hier setzt die Zukunftswerkstatt 4.0 beim Institut für Automobilwirtschaft (ifa) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) an“, sagt die Ministerin.

Eigentlich sind mit März, April und Mai die umsatzstärksten Monate schon vorbei

12.000 der angesprochenen 80.000 Menschen im Land sind in den rund 700 Betrieben der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, davon 170 im Rems-Murr-Kreis, beschäftigt. „Für die hängt viel davon ab, wie der Juni und eventuell noch der Juli laufen“, sagt Torsten Treiber. „Eigentlich sind mit März, April und Mai die umsatzstärksten Monate schon vorbei.“ Interne Umfragen bestätigten diese Skepsis: „Es rechnen lediglich 27 Prozent der befragten Autohäuser mit einer Belebung des gewerblichen Neuwagengeschäfts. Etwas mehr Impulse (35 Prozent) erwarten sie vom Privatkundengeschäft. Anders sieht es hingegen beim Gebrauchtwagenverkauf aus. Hier gehen 54 Prozent der befragten Autohäuser von einer Geschäftsbelebung aus.“

„Mit einer Belebung der Diskussion in Sachen klimaneutrale Treibstoffe“ rechnet Christian Reher: „Die Abstimmung mit Zündschlüssel und Starterknopf läuft ja längst: 2794-mal wurde im Rems-Murr-Kreis bisher das Elektroauto gewählt, rund 264.000-mal besitzen die Menschen ein Auto, das Treibstoff braucht - da schafft es das E-Auto mit einem Prozent nicht mal über die 5-Prozent-Hürde.“

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet für den Mai 380,2 Prozent Zuwachs bei den E-Autos bundesweit. Torsten Treiber, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, ist enttäuscht: „Das sind nicht mal 27.000 neue Elektro-Pkw. Die paar E-Autos retten weder das Klima noch Arbeitsplätze in den Autohäusern.“ Erstens, „weil davon im Rems-Murr-Kreis gerade mal 207 neu zugelassen wurden“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Zweitens, „weil E-Autos generell weniger Bedarf an Wartung in der

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