Waiblingen

Riemanns Anleitung zum Denken

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Katja Riemann versetzt sich in Sofie hinein und stellt Fragen ans Leben und ans Denken. © privat

Waiblingen. Eine Lesung ist es gewiss, wenn jetzt Katja Riemann am Freitag ins Waiblinger Bürgerzentrum kommt und aus dem populären Philosophieerklärstück „Sofies Welt“ vorträgt. Man darf allemal annehmen, dass die hochdekorierte Schauspielerin nicht einfach vorträgt, sondern die Handelnden und Sprechenden auch plastisch macht. Aber da ist noch mehr. Es kommt zu Einspielern aller Art.

Katja Riemann macht sich im Gespräch zu ihrer neuen Produktion fast schon klein. Sie spricht von einem „Konzert“, dessen wir da Zeuge sein dürfen. Zunächst einmal, weil gemäß dem Programm ein DJ mitreist. Die Liste der gespielten Stücke reicht von Beethoven über Orff bis Pink Floyd und Michael Jacksons „Thriller“. Die Lichtshow tut ihren Teil, um einzutauchen in Seinszustände, die uns fragen lassen, wer wir jetzt schon wieder sind. Und dass uns aus Denkfallen nur das Selberdenken raushilft. Stimmen kommen aus dem Off dazu. Ein voll sinnlicher Abend also, ein synästhetischer dazu, ein Chor aus verschiedenen Darstellungsmitteln und damit für das Ohr und das Gehirn allemal ein Konzert. Solcherart gestimmt dürfen wir in die Veranstaltung gehen. Und in einen geistigen Dialog eintreten mit der Vortragenden. Wir schlüpfen dabei in die Seele von Sofie, die mehr und mehr ihren sicheren Platz in der Welt infrage stellt.

Wir sollen nicht gleich losschreien und auch nicht gleich anklagen

Die Mitteldeutsche Zeitung hat Katja Riemann jüngst befragt, welche Schlüsse sie denn aus Sofies Welt zieht. Sehr diesseitige. Und sehr aktuelle. Sie wünscht sich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der man „nicht gleich losschreit. Oder stante pede anklagt.“ Denken bedeutet für sie ein Kreieren, und das sei nun mal schwieriger, auch langwieriger und riskanter, als schon abgenutzte Denkschablonen immer wieder anzulegen. Auch als alles „Kreierte zu demolieren und zu beleidigen“. Schon sind wir in der Welt der Ich-Ich-Ich-Schreier, die so ziemlich das Gegenteil darstellen von selbstbewusst Selberdenkenden. Viele kommen ja aus ihrem Wut- und Hass-Modus gar nicht mehr raus. Man kann heute so einfach losschreiben, ohne sein Gesicht und seinen Namen herzeigen zu müssen.

Katja Riemann wünscht sich wieder Denkschulen wie im alten Griechenland, „Bildungsstätten, die uns dazu ausbilden, die Demokratie zu erringen, zu gestalten, zu begreifen und zu unterstützen“. Schon sind wir beim Begriff der „Offenen Gesellschaft“, auf der unsere Freiheit beruht. Übrigens auch jene, alles sagen zu dürfen. Und wer vorgibt, nicht alles sagen zu dürfen, der hat sich selbst schon entmündigt – es stimmt einfach nicht.

Von Sofie lernen, das heißt für diesen großen Namen des Films in Deutschland, wieder Kind sein zu können. Nämlich staunen und sich begeistern können. Man kann es lebenslanges Lernen nennen.

Schwierig?Eher schweigsam.

Immer wieder heißt es, die Riemann sei schwierig. Im Umgang. Man liest und hört auch wenig von ihr selbst. Im Gespräch gibt sie Gründe an. Man soll einfach nicht versuchen, von der Rolle auf die Rollenträgerin zu schließen. Sie übe einen Beruf aus. Und es sei eben nicht so, dass sie ihr Innerstes nach außen kehrt vor der Kamera und auf der Bühne. Man soll da nicht zu viel vermuten, sagt sie: „Es könnte ja enttäuschend sein. Es gibt genug Schauspieler oder sagen wir darstellende Künstler, die als Privatperson ganz langweilig sind, da sie eben genau die Darstellung, die Überhöhung des Lebens in die Kunst benötigen, um synchron mit sich zu sein oder expressiv. Oder lebendig.“ Ach so, ja. Irgendwelche bunten Blätter müssen bei ihr gar nicht erst vorstellig werden wollen. Eine Home-Story mit ihr gibt es nicht. Die Mitteldeutsche Zeitung hat’s probiert. Man kann sich die Riemann gut vorstellen, wenn sie meckernd lachend abblockt: „Hahahahaha, Sie sind bezaubernd“, lautete die Auskunft. Nix zu machen.

Katja Riemann ist zu haben als Hauptperson in der multimedialen Inszenierung „Sofies Welt“ jetzt am Freitag, 20. Januar, ab 20 Uhr im Waiblinger Bürgerzentrum. Kartentelefon: 0 71 51/50 01 83 21.