Waiblingen

„Riesenärger“ um das Friedhofsklo

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Den Zettel der Friedhofsverwaltung an der Klotür haben die Besucher mehrfach kommentiert. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Friedhofsbesucher in Nöten: Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, hat dort abends und wochenends ein Problem. Das Klohäuschen ist seit Wochen nur noch einige Stunden geöffnet, nachdem es zum wiederholten Mal von Unbekannten auf übelste Art verwüstet worden war.

Den Aushang der Stadtverwaltung haben Friedhofsbesucher inzwischen mit ihren Kommentaren verziert. „Kein Verständnis“ heißt es da knapp oder „Sollen wir uns hinter den Grabsteinen verstecken?“. Besonders Senioren leiden unter der weitgehenden Schließung, sagt zum Beispiel die Waiblingerin Gertrud Fück. Bisweilen hätten sich schon größere Gruppen von ratlosen Menschen vor der verschlossenen Tür versammelt, berichtet sie. Nach längerem Gärtnern am Grab in gebückter Haltung verspürten Ältere eben öfter mal einen Drang. „Zum Glück bin ich gut zu Fuß und komme dann rasch in die Innenstadt.“ Das schaffen nicht alle so leicht, weshalb, steht für Gertrud Fück außer Frage steht: Ein Friedhof von der Größe braucht eine geöffnete öffentliche Toilette.

Türen mit roher Gewalt eingeschlagen

„Es ist ein Riesen-Ärgernis“ , bestätigt Werner Boßler, Chef der Abteilung Grünflächen und Friedhöfe bei der Stadt. Was ihn ärgert, ist vor allem die wiederholte sinnlose Zerstörung und Verschmutzung durch Unbekannte. „Wir haben x-mal repariert.“ Offensichtlich hatte nicht nur jemand aus Versehen Schäden verursacht – die Türen wurden mit roher Gewalt eingeschlagen.

Jemand hat dort wohl auch übernachtet

Dem Anschein nach wurden im Schutz des stillen Örtchens auch Drogen konsumiert – und jemand scheint dort übernachtet zu haben. Zu allem Überfluss wurden die Klos auf so eklige Art und Weise verdreckt, dass es zum Himmel stank. Die Probleme gibt’s nach Boßlers Beobachtung schon länger, seit im benachbarten Haus der Friedhofsverwaltung niemand mehr wohnt, der täglich abschließt und sich kümmert. In den letzten Monaten aber habe sich die Entwicklung zugespitzt. Durch Kamera-Überwachung will die Stadtverwaltung den Übeltätern nun auf die Schliche kommen. Der Antrag für die Kameras läuft. Bis dahin bleiben die Klos werktags von 16 Uhr an geschlossen.

Überlegungen, Klopersonal einzusetzen

„Öffentliche Toiletten sind immer ein Problem“, sagt auch Hochbauamtsleiter Michael Gunser. Alle Standorte hätten schon mehrere Heimsuchungen erlebt – sei’s beim Rathaus oder beim Elsbeth-und-Hermann-Zeller-Platz. Ständige Reparaturen summieren sich zu einem nicht genau bezifferten Betrag, so dass die Stadt auch schon überlegt hat, alternativ Klopersonal einzusetzen. Wo ein gewisses Maß an Überwachung besteht, steigt bekanntlich die Hemmschwelle für Randalierer. Doch im Gegensatz etwa zu Kaufhäusern oder Autobahn-Raststätten sei die Frequenz der öffentlichen Bedürfnisanstalten zu gering, um die Kosten zu rechtfertigen. Die Stadt bemühe sich bei kleineren Schäden wie Graffiti, so schnell wie möglich zu reagieren, um keine Nachahmer zu ermuntern. Geringfügig besser als bei den kostenlosen Klos gestaltet sich die Situation am vollautomatischen, gebührenpflichtigen WC am Bahnhofsrondell. Was mitnichten heißt, dass dieses vor Sachbeschädigungen ganz gefeit wäre.

Ähnliche Zustände beim Hallenbad

Mindestens täglich werden die öffentlichen Örtchen gereinigt. „Bei Bedarf auch öfter“, so Thomas Bayer vom städtischen Gebäudemanagement. Der Austausch mit anderen Städten habe noch keine „Königslösung“ für die 00-Problematik gebracht. Ähnliche Zustände wie jetzt beim Friedhof gab es vor einigen Jahren beim Hallenbad, jedoch konnte damals eine Gruppe von Verursachern überführt werden. Dennoch versuchen Leute mit Bedürfnis öfters ins Hallenbad-Klo auszuweichen. Erleichterung soll 2019 der erneuerte Minigolfplatz schaffen. Die dort geplanten und vom Betreiber überwachten Toiletten sollen auch Spaziergängern offen stehen.


Streit um Poller auf Friedhofswegen

Für Aufregung auf dem Friedhof sorgten in den vergangenen Monaten außer der Toiletten auch von der Stadt in Zugangswege eingelassene Poller.

In der Vergangenheit habe die Stadt mehrfach an Gärtner und Steinmetze appelliert, bei der Anfahrt auf die Wege zu achten und keine Grünflächen mehr zu beschädigen, sagt Grünflächen-Abteilungsleiter Werner Boßler. Mit den Fahrzeugen wurden öfters grüne Ecken überfahren. Nachdem die Aufrufe nicht gefruchtet hatten, begann die Installation der echten Poller.

Nun wiederum regte sich Protest von Gärtnern und Steinmetzen, die nicht mehr wie gewünscht abfahren konnten. Bei einem Vor-Ort-Termin einigten sich die Beteiligten, zum Schutz der einschlägigen Ecken Steinblöcke anzubringen. Zumindest in dieser Hinsicht soll wieder Ruhe herrschen auf dem Waiblinger Friedhof.