Waiblingen

„Rote-Bete-Radikalismus“ oder Klimavernunft? SPD Waiblingen verteidigt Veggie-Vorstoß

Vegetarisches Essen
Mehr vegetarische Alternativen in Waiblingen fordert die SPD. © ZVW/Gabriel Habermann

Auf den Antrag der SPD-Fraktion, in der städtischen Gastronomie im Alten Rathaus und dem Bürgerzentrum überwiegend fleischlose Gerichte anzubieten, folgte bereits Kritik aus den Reihen der CDU und der Freien Wähler. Dem schließen sich nun auch Hans-Ingo von Pollern, Stadtrat der CDU-Fraktion, sowie FDP-Fraktionsvorsitzende Julia Goll an. Letztere kritisierte den Antrag als „sozialdemokratischen Rote-Bete-Radikalismus“. Die SPD-Fraktion hingegen scheint ihrem Ziel, die Diskussion anzuregen, damit etwas näher gekommen zu sein. „Unser Antrag sollte Wellen schlagen“, sagt Fraktionsvorsitzender Roland Wied.

Von Pollern: „Der Antrag ist unbrauchbar“

An einen „verspäteten Aprilscherz“ habe er gedacht, als er den Antrag der SPD gelesen hatte. Hans-Ingo von Pollern kritisiert vor allem eines: „Haben wir kein Recht auf freie Ernährung und Entscheidung über unser Konsumverhalten?“ Der Stadtrat verdeutlicht, dass er von „weiteren Verboten“, die Ernährung betreffend, wenig hält.

Von Pollern schließt sich in seiner Kritik außerdem dem Argument des Waiblinger CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Abele an: Der Antrag bedeute einen Eingriff in die Berufsausübungs- und Gewerbefreiheit, die durch die Verfassung geschützt werde. Damit sei der Antrag „unbrauchbar“ und nicht durchdacht worden.

Als „undurchdacht“ sieht die SPD ihren Antrag nicht. „Wir haben innerhalb der Partei lange darüber diskutiert“, sagt Roland Wied. Ihnen sei klar gewesen, dass das Thema Wellen schlagen würde. Doch als Kommunalpolitiker sehe er seine Aufgabe eben auch darin. „Wenn wir politisch tätig sind, müssen wir Bewusstsein schaffen.“

Weiter bemängelt Hans-Ingo von Pollern die Wahl des Alten Rathauses als Ort für ein Restaurant mit fleischloser Küche. Er bevorzuge in den Räumlichkeiten ein Ambiente für regionale Kunstschaffende und würde von einer weiteren Gastronomie am Marktplatz absehen.

Julia Goll: „FDP wird Antrag ablehnen“

Zu einer hochwertigen Gastronomie gehöre auch, dass die Vorgesetzten in der Küche selbst entscheiden dürfen, was sie servieren wollen, sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Julia Goll. Sie spricht von einer „Veggie-Pflicht durch die Hintertür“, die unter der „Tarnkappe des Klimaschutzes“ laufe und von der FDP entsprechend abgelehnt würde.

Ihre Sorge gilt auch den Ausnahmefällen des fast fleischlosen Angebotes: „Wer entscheidet denn über die begründeten Ausnahmefälle? Und wie werden sie begründet?“, heißt es im Statement der FDP. Darüber hinaus appelliert sie an die kulturelle Bedeutung verschiedener Gerichte: „Das Alte Rathaus und die Remsstuben im Bürgerzentrum sollten kulinarische Höhepunkte bieten, gerne auch mit Stern, aber nicht mit Verbotstafeln.“

Roland Wied: „Wir zwingen niemanden“

SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Wied entgegnet, dass seiner Fraktion klar sei, dass der Antrag „weit weg von der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen“ sei. „Wir wollen die Leute nicht zwingen, kein Fleisch mehr zu essen“, sagt Wied und betont, selbst gerne „mal ein Steak“ zu verzehren.

Dennoch: Der Antrag sollte Wellen schlagen. „Wir wollten die Diskussion“, sagt der Vorsitzende und verweist darauf, dass es nicht genüge, individuell tätig zu werden, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen. Im „Kampf um die Erderwärmung“ sei das Wissen um den Einfluss der Fleischproduktion auf das Klima wichtig.

Obwohl ihm klar sei, dass der Antrag sich in dieser Form nicht mit der Realität vieler Menschen treffe, plädiert Roland Wied auf mehr vegetarische Auswahl in Waiblingen. „Veggie-Restaurants fehlen in der Stadt“, sagt Wied. Er glaube, dass dadurch nicht nur mehr Bewusstsein, sondern auch eine neue Zielgruppe erreicht werden könne.

Auf den Antrag der SPD-Fraktion, in der städtischen Gastronomie im Alten Rathaus und dem Bürgerzentrum überwiegend fleischlose Gerichte anzubieten, folgte bereits Kritik aus den Reihen der CDU und der Freien Wähler. Dem schließen sich nun auch Hans-Ingo von Pollern, Stadtrat der CDU-Fraktion, sowie FDP-Fraktionsvorsitzende Julia Goll an. Letztere kritisierte den Antrag als „sozialdemokratischen Rote-Bete-Radikalismus“. Die SPD-Fraktion hingegen scheint ihrem Ziel, die Diskussion anzuregen,

Das Wichtigste aus der Region
  • Abo jederzeit kündbar
  • Ein Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
  • Täglicher Newsletter aus der Redaktion