Waiblingen

Rotznasen-Alarm: Tipps für Eltern

Familienforum Thema masern
Tipps für Eltern kranker Kinder. © Joscha Klüppel (Online Praktikant)

Waiblingen.
Rotznasen, Fieberbäckchen, Durchfall und Erbrechen:  Was es an Krankheiten zu holen gibt, räumen Kinder im Kindergarten oder in der Schule ab. Zehn Infekte macht ein Kleinkind im Durchschnitt pro Jahr durch. Ein schwacher Trost: „ Nur durch Krankheiten kann sich das Immunsystem in den ersten Lebensjahren aufbauen und trainieren“, sagt Dr. Annette Weimann, Waiblinger Kinderärztin und ehemalige Sprecherin des Berufsverbandes der Kinderärzte im Rems-Murr-Kreis:

Seit Anfang letzter Woche beobachtet sie einen sprunghaften Anstieg an grippalen Infekten. „Zudem habe ich im Gefühl, dass sich nach der letzten, massiven Welle an Magen-Darm-Infekten im Dezember, wieder eine neue anbahnt.“

Viele berufstätige Eltern stehen vor einem echten Dilemma: Schicken sie ihr Kind (zu) früh, also nicht vollständig auskuriert, in die Kita, kommt es häufig zu „Infektionsketten“, wie Weimann es nennt: Das Kind holt sich im Kontakt mit anderen Kindern sofort den nächsten Infekt und wird über Wochen scheinbar gar nicht mehr gesund. Zudem sind andere Eltern verägert, weil ständig ein verschnupftes Kind die anderen in der Kita ansteckt.

Bleibt das Kind hingegen mehrere Tage zu Hause, stehen gerade berufstätige Eltern vor Betreuungsproblemen. Daher sei es schlicht „nicht realistisch, ein Kind bei jedem Schnupfen zu Hause zu lassen“, so Weimann. Ihre Empfehlungen:

Wann und wie lange sollte ein krankes Kind zu Hause bleiben?

Ein Kind mit Fieber, Durchfall oder Erbrechen sollte generell zu Hause bleiben. Meistens ist mindestens ein Erholungstag zu Hause ohne Symptome angebracht. Gerade bei Magen-Darm-Infekten sind zwei Tage aber sicherer. Ein grippaler Infekt dauert in der Regel etwa zehn Tage. Die alte Großmutter-Regel "drei Tage kommt er, drei Tage bleibt er, drei Tage geht er" ist zutreffend. Das Kind sollte fit sein, wenn es wieder in den Kindergarten geht. Denn wir beobachten in unserer Praxis oft, dass sich Kinder, die noch etwas angeschlagen sind, sofort wieder anstecken. .

Ein grippaler Infekt ist im Zweifel nicht so dramatisch. Anders sieht es bei der echten Grippe, der Influenza, aus. Ist es realistisch, dass sich Kinder hierzulande anstecken?

Ja, das ist leider realistisch. Die echte Grippe ist eine sehr ernste Krankheit, die leider häufig unterschätzt wird. Vor allem weil sie auch zu einer Lungenentzündung oder einer Herzmuskelentzündung führen kann. Es gibt deutschlandweit 8000 bis 9000 Grippetote im Jahr, darunter sind vor allem Kinder und alte Leute. Daher: Gerade weil Kinder noch kein stabiles Immunsystem haben und sich beim Spielen in der Krippe oder in der Schule leichter anstecken können, ist besondere Vorsicht geboten.

Empfehlen Sie Eltern, deren Kinder in Betreuungseinrichtungen gehen, die Grippeimpfung?

Wenn ich gefragt werde, ja, dann empfehle ich die Grippeimpfung. Leider bietet sie keinen hundertprozentigen Schutz. Doch gerade wenn breit geimpft wird, kann sich der Grippevirus nicht so schnell verbreiten und mutieren. Dann ist der Schutz für alle höher. Die Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung für vorbelastete und chronisch kranke Kinder. Ich denke aber, wenn die ganze Familie eines chronisch kranken Kindes grippegeimpft ist, das Risiko einer Ansteckung noch geringer.

Eine Bindehautentzündung ist ebenfalls ein Klassiker unter den Kinderkrankheiten. Woran erkennt man sie und wann sollte man mit seinem Kind zum Arzt gehen?

Bei tränenden, geröteten und geschwollenen Augen kann man von einer Bindehautentzündung ausgehen. Sie dauert in der Regel etwa zehn Tage und klingt von selbst ab. Man kann beruhigende Augentropfen zur Linderung verabreichen. Wenn Eiter aus den Augen tritt, sollten Eltern zum Arzt gehen. Dann verordnet man Augentropfen mit Antibiotika.

Jedes Elternteil darf laut Gesetz für die Betreuung eines kranken Kindes zehn Tage pro Jahr frei nehmen. Dafür muss der Kinderarzt ein Attest ausstellen. Wie funktioniert das in der Praxis?

In der Regel funktioniert es gut. Wenn Eltern kranker Kinder wegen eines Attests für die Arbeit um einen Termin bitten, aber ansonsten nicht zum Kinderarzt gehen würden, sollten Sie das bereits am Telefon sagen. Das erleichtert die Arbeit enorm. Dann weiß der Arzt Bescheid und kann das Kind demensprechend begutachten. Ansonsten wird bei unnötigen Untersuchungen viel zu viel Zeit verschwendet. Und die fehlt dann an anderer Stelle.

Gesetz: Die berufliche Freistellung für die Betreuung kranker Kinder

Mütter oder Väter können sich pro Kind und Jahr zehn Tage lang von der Arbeit freistellen lassen, um den kranken Nachwuchs (bis zwölf Jahre) zu pflegen.

Voraussetzung: Ein Arzt stellt ein Attest aus und niemand sonst im Haushalt kann diese Aufgabe übernehmen. Alleinerziehenden stehen pro Kind insgesamt 20 Tage zu. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Krankheitstage. Bei mehr als zwei Kindern liegt die Obergrenze bei 25 Tagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden Freistellung.

Ein Attest, dass ein Kind nicht mehr ansteckend ist, verlangt das Gesetz nur bei wenigen Krankheiten. Dazu gehören Krätze, Läuse (bei mehrmaligem Auftreten innerhalb kurzer Zeit) sowie Durchfälle, die von EHEC-Bakterien ausgelöst werden.

Ein Elternratgeber des Robert-Koch-Instituts zum Thema Kita und Kinderkrankheiten >>