Waiblingen

Rund 100 Airbnbs im Rems-Murr-Kreis

Airbnb_0
Madeleine Krenzlin vor ihrem Ferienhaus. © Ramona Adolf

Waiblingen. Rund 100 Unterkünfte im Rems-Murr-Kreis werden auf Airbnb über das Internet vermietet. Darunter gibt es einige Ferienwohnungen, sogar ein ganzes Hotel, doch vor allem sind es Gästezimmer, Einliegerwohnungen und ganze Häuser, die von den Eigentümern nur wenig oder gar nicht genutzt werden. Kritisch: Die Plattformen werden auch als knallhartes Geschäftsmodell genutzt.

„Es ist doof, wenn so ein Häuschen einfach leersteht“, findet Madeleine Krenzlin. Sie ist als privater Gastgeber auf Airbnb Teil der Sharing Economy geworden. Der Sammelbegriff steht für Geschäftsmodelle, wie Mitwohn- und Mitfahr-Plattformen, die es ermöglichen, ungenutzte Ressourcen mit anderen zu teilen.

Infografik: Die Sharing Economy | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Oberhalb von Winterbach auf einem Berg steht so eine nicht ständig genutzte Ressource. Das kleine Häuschen mit hübschem Grundstück und Hängematte im Garten hat Madeleine Krenzlin sich nach langer Suche zugelegt. Obwohl ihr ganzes Herzblut in dem eigenhändig renovierten Ferienhaus steckt, kann sie dieses nur ein- bis zweimal im Monat nutzen. Damit in der übrigen Zeit auch andere in den Genuss des gemütlichen Kamins und der herrlichen Aussicht kommen, kam die 34-Jährige auf die Idee, es mit Reisenden zu teilen und damit auch ein paar Euro für die eigene Urlaubskasse dazuzuverdienen. „Bei einem Ferienhäuschen ist das kein Problem, dauerhaft darf man hier nicht wohnen. Aber wenn Airbnb den Leuten den Wohnraum nimmt, bin ich absolut dagegen.“

Kontrollen im Rems-Murr-Kreis gibt es bislang keine

Auf Airbnb kann jeder, der freien Wohnraum übrig und die Genehmigung des Vermieters hat, Gastgeber werden. So machen es inzwischen rund 100 Menschen im Rems-Murr-Kreis. Kontrollen gibt es noch nicht. Ein paar Fotos, Infos und ein Preis, schon steht das Angebot auf der Plattform. Anders als auf Hotelbuchungsseiten gibt es auf Airbnb in den meisten Fällen erst eine unverbindliche Anfrage, eine direkte Buchung lassen nicht alle Anbieter zu. Für private Nutzer ist die Basis dieses Portals Vertrauen. Um das greifbarer zu machen, gibt es auf Airbnb verschiedene Werkzeuge: Bewertungen und Verifizierung. Das Wichtigste für viele ist aber die erste Nachricht.

Der Gast muss zur Unterkunft passen

„Da stellt sich meistens schon heraus, ob der Mensch dahinter zu mir und meiner Unterkunft passt“, glaubt Madeleine Krenzlin. Sie wählt ihre Gäste sorgfältig aus. „Wenn ich das Gefühl habe, es passt nicht, empfehle ich Gasthöfe oder Hotels in der Umgebung. Deshalb sehe ich mich nicht als Konkurrenz.“

Der Gast muss zur Unterkunft passen, finden auch andere Gastgeber wie Magaly Hess: „Ich will meine Zeit, mein Essen, meine Freude teilen. Meinen Gästen muss ich vertrauen können, sie sind in meinem Zuhause, da liegen Laptop, Geld und Kreditkarten herum.“ Sie teilt ihr verschachteltes Haus in der Winnender Altstadt gerne mit Menschen. Mit den drei vermieteten Zimmern finanziert sie derzeit Renovierungsarbeiten.

„Ich bin kein Hotel. Hier gibt es keine gebügelten Handtücher“

Den Reiz, der die Leute dazu bringt, bei ihr zu buchen, ist für Magaly Hess die persönliche Note: „In einem Hotel sagt der Rezeptionist nicht: Komm, wir gehen spazieren!“ Ihre Gäste wollen nicht an einem Übernachtungsort ankommen, sondern in einem Zuhause. Bei Madeleine Krenzlin ist das etwas anders, sie vermietet das ganze Häuschen: „Ich bin kein Hotel. Hier gibt es keine gebügelten Handtücher, man soll es hier einfach gemütlich haben. Bevor ich selbst Gastgeber wurde, habe ich ein paarmal in privaten Unterkünften übernachtet und fand es einfach schön!“

Airbnbs im Rems-Murr-Kreis laufen gut

Schlechte Erfahrungen mit Gästen hat Madeleine Krenzlin bislang nicht gemacht. Fast jeder ihrer Gäste hat bisher eine Bewertung abgegeben. Ihre Bewertungen sind sogar so gut, dass sie zum sogenannten Super-Host aufgestiegen ist, der besten Gastgeber-Kategorie. Um den Status nicht zu verlieren, muss sie zuverlässig sein. Wenn sie eine einmal gebuchte Übernachtung absagt, ist sie kein Super-Host mehr. Deshalb muss die Auswahl vorher getroffen werden. „Bei der Buchungsanfrage merke ich, wenn es nicht passt. Dann kann ich die Anfrage ablehnen und als Grund dafür ,Gast passt nicht zur Unterkunft’ angeben.“ Ob sie auch mal Gäste abgelehnt habe? „Einmal hatte ich echt ein komisches Gefühl. Das waren zwei Fotografen, die mit zwei Modellen hier übernachten wollten.“ Sie hätten angefragt, ob man auch Fotos im Haus und Garten machen könne. Seriös wirkte das Ganze nicht. „Ich habe befürchtet, dass mein schönes Häuschen zur Pornokulisse werden sollte!“ – Solche Anfragen scheinen aber eher die Ausnahme zu sein. Die Airbnbs im Rems-Murr-Kreis laufen gut: Magaly Hess vermietet ihre Zimmer bis zu achtmal im Monat, zum Teil auch für längere Aufenthalte. Sie verlangt dabei Preise ab 25 Euro pro Nacht und Person. Weniger Fremdenverkehr herrscht bei Madeleine Krenzlin, die das ganze Häuschen mit Garten nach aktuellem Stand für 63 Euro pro Nacht etwa zweimal im Monat vermietet.

Das Putzen ist viel Arbeit

„Das Vermieten ist auch immer mit viel Arbeit verbunden, vor allem, was das Putzen angeht. Wenn es mir zu viel wird, blockiere ich die Buchungen für eine Weile.“ Sie hat vor, das Haus in nächster Zeit wieder häufiger selbst zu nutzen. Wenn sie nicht in Winterbach, sondern auf Reisen ist, nutzt sie Airbnb auch selbst gerne. Als Konkurrenz zu Hotels sieht sie das nicht: „Das ist eine andere Art zu reisen.“


Airbnb - die Zahlen

Quelle: Screenshot Airbnb

Airbnb gibt es mittlerweile in über 65 000 Städten in über 190 Ländern. Mehr als 200 Millionen Gäste haben das Angebot bereits genutzt. Im Angebot sind unter anderem auch über 1 000 Schlösser, die man mieten kann.