Waiblingen

Salier-Sporthalle muss saniert werden

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Die Fassade wirkt modern. © Habermann/ZVW
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Hochbauamtsleiter Michael Gunser und Baubürgermeister Dieter Schienmann (rechts) begutachten die Halle.
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Runde Sache: Die Duschen. © Gabriel Habermann

Waiblingen. Sehenswerte Architektur des weltberühmten Büros Günter Behnisch ziert das Salier-Schulzentrum auf der Korber Höhe. Weniger schön: Bei der Sporthalle handelt es sich nach dem Gymnasium um den nächsten Sanierungsfall. Der finanzielle Aufwand liegt nach ersten Schätzungen bei rund vier Millionen Euro.

Zwei Jahre bevor er mit dem Bau des Münchner Olympiastadions Weltruhm erlangte, errichtete Günter Behnisch die heutige Salier-Sporthalle zwei. Ganz im Gegensatz zu der legendären Sportstätte, in der Ulrike Meyfarth Gold im Hochsprung holte und später Gerd Müller die Nationalmannschaft zum WM-Titel schoss, ist sie nach Aussage des Hausmeisters bis heute jeden Tag rappelvoll und bis 22 Uhr ausgelastet. Morgens toben die Schüler, abends trainieren Aikido-Kämpfer und Zumba-Tänzerinnen sowie Faustballer und Fechter. Skifahrer treffen sich zur Skigymnastik, die Bürgeraktion zum Sportabzeichentraining und Flachland-Alpinisten zum Aufstieg an der Kletterwand. Wochenends tragen Volleyballer und Tischtennisspieler Wettkämpfe aus.

Dämmung, Brandschutz und Akustik verbesserungsbedürftig

Energetisch entspricht die Halle, die wegen ihrer modern wirkenden Fassade oft irrtümlich für die neuere gehalten wird, längst nicht mehr den Standards. Einfach verglaste Fenster und von innen nach außen durchgängige Stahlträger als Kältebrücken wirken sich negativ auf die Bilanz aus. Dringende Abhilfe wurde 2014 durch eine Erneuerung des Dachs geschaffen. Brandschutz wird wie bei fast allen Sanierungen ein Thema sein, wobei sich Baubürgermeister Dieter Schienmann und Hochbauamtsleiter Michael Gunser schwertun, die vom Architekten gewollte Offenheit des Gebäudes durch Türen und Brandschutzabschnitte aufzugeben.

Als Alternative hoffen sie auf ein ausgeklügeltes Netz von Brandmeldern und eventuell zusätzliche Fluchtwege ins Freie. Während des Schulsports unüberhörbar: Bei der Akustik besteht Nachbesserungsbedarf. Ähnlich wie beim Brandschutz gilt es dabei, die Eingriffe ins architektonische Gesamtkonzept so gering wie möglich zu halten.

Zweieinhalb Hallen in einer

Eine Originalität des Behnisch-Baus besteht darin, dass es sich eigentlich um zweieinhalb Hallen in einer handelt. Neben der großen Turnhalle mit 660 Quadratmetern Fläche befindet sich auf der Südseite eine etwa halb so große zweite sowie ein Gymnastikraum, der zugleich als Kletterhalle dient. Wie Umkleiden und Sanitärräume werden alle Hallenbereiche von einer gemeinsamen, hohen Metalldecke überspannt. Die trennenden Wände reichen bei weitem nicht bis zur Decke – nach oben ist alles luftig, licht und lärmintensiv. Dieses ungewöhnliche Konzept in Zusammenhang mit Stahlträgern und Systemlampen sowie einem minimalistischen Materialeinsatz unterstreicht die an Industriebauten erinnernde Gesamtanmutung.

Vielleicht originellster Aspekt sind die auf Retro-Art futuristischen Rund-Duschen - im Sinne der siebziger Jahre ganz auf Zweckmäßigkeit konzipiert. Weitere Aufgabe für die Sanierung wird es sein, neue Lösungen für Details wie den Übergang von der Tribüne in die Halle zu finden. Wer von den Sitzplätzen in den Innenraum möchte, muss ums Geländer herum und an einer Wandleiter nach unten kraxeln. Für Sportler eine interessante Angelegenheit – die Kletterer üben dennoch, mit Seilen und Karabinern gesichert, an der besagten Steilwand.

Sanierungskosten in Millionenhöhe

Im Zuge der Beantragung von Zuschüssen des Bundes hat der städtische Fachbereich Hochbau die Kosten geschätzt, die sich zwischen 3,8 und 4,5 Millionen Euro bewegen sollen. Eine stolze Summe, die dafür sorgte, dass im Gemeinderat die Option Abriss und Neubau zumindest einmal erwähnt wurde. Für die Stadtverwaltung allerdings kommt das nicht in Betracht. „Der Zustand rechtfertigt keinen Abbruch“, sagt Baubürgermeister Dieter Schienmann, „es handelt sich um ein sanierungswürdiges Gebäude.“ Im Gemeinderat äußerte denn auch Sabine Wörner ihre Haltung als SPD-Stadträtin und Architektin: Einen Behnisch-Bau reiße man nicht einfach ab.


Finanzspritze erhofft

Die Salier-Sporthalle zwei bildet ein Ensemble mit der Salier-Realschule und dem Salier-Gymnasium, dessen Sanierung im ersten Bauabschnitt 2017 abgeschlossen wurde. Die Sanierung der Sporthalle ist für die Jahre 2021 (Planung) und 2022 sowie 2023 (Bau) vorgesehen.

Im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ hat der Bund Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro für den Zeitraum 2019 bis 2023 bereitgestellt. Gedacht sind die Mittel für Sanierungsprojekte mit besonderer regionaler und überregionaler Bedeutung.

Voraussetzung eines Zuschusses ist, dass die Stadt mitfinanziert. Der Bund würde 45 Prozent übernehmen. Mit einer Entscheidung über den Antrag ist nicht vor Sommer zu rechnen. Für den Fall einer Zusage wird die Stadt laut Beschluss des Gemeinderats die Eigenmittel von rund zwei Millionen im Haushaltsplan bereitstellen.