Waiblingen

Sanierung des Landratsamts: Ein Wettbewerb um den Alten Postplatz

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Wird die Parkgarage (Bildmitte) bald überbaut? © Habermann / ZVW
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Das Parkhaus ist außen heruntergekommen ... © Habermann / ZVW
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... und innen düster und unwirtlich. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Sanierung des Landratsamtes am Alten Postplatz soll „kein Stückwerk“ werden. Statt Garage, Altbau und am Schluss den Pagodenbau Zug um Zug herzurichten, ist eine neue Idee ins Spiel gekommen: Die neue Parkgarage könnte überbaut werden und die Raumnot der Kreisverwaltung lösen – oder die der Polizei. Ein städtebaulicher Wettbewerb soll eine Lösung aus einem Guss bringen.

Im Oktober 2016 hatte der Kreistag die Weichen auf eine Zwei-Standort-Lösung für das Landratsamt in Waiblingen gestellt. Ein Gutachten hatte diese als die wirtschaftlich sinnvollste Lösung ermittelt.

Neubau auf dem Postareal in weite Zukunft gerückt

Doch der zweite Standort, ein Neubau auf dem Postareal in der Mayennerstraße, ist weiter denn je in die Zukunft gerückt, zeigte sich bei einer Sitzung des Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschusses am Montag, bei der die Immobilienkonzeption auf der Tagesordnung stand. Die Deutsche Post hat den Mietvertrag mit der Kreisbaugesellschaft erwartungsgemäß bis 2023 verlängert. Der Blick konzentriert sich nun auf den Alten Postplatz.

Das Parkhaus ist heruntergekommen

Keine Frage ist, dass das Parkhaus zu heruntergekommen ist, abgerissen und neu gebaut werden muss. Keine Frage ist auch, dass die Gebäude der Kreisverwaltung dringend innen und außen saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Zum einen der Altbau aus den 1950er Jahren, ein architektonisches Schmuckstück der Moderne, zum anderen der nicht so gelungene Pagodenbau aus den 80er Jahren.

Hohe Sanierungskosten 

Die Sanierungskosten werden auf 17 beziehungsweise 24 Millionen Euro geschätzt. Geplant sind energieeffiziente Fassaden außen sowie Teambüros innen, die den Erkenntnissen der modernen Arbeitswissenschaften ebenso entsprechen wie eine künftige voll-digitale Sachbearbeitung ermöglichen.

Neue Idee: Bürohaus auf dem Parkdeck 

Neu ist gegenüber dem Kreistagsbeschluss vom Oktober 2016 die Idee, auf die künftige Parkgarage zwischen Polizei und Pagodenbau ein Bürohaus zu setzen. Das Parkdeck stelle „zweifelsohne eine wertvolle innerstädtische Nachverdichtungsmöglichkeit dar“, heißt es in den Kreistagsunterlagen.

Dieses Gebäude könnte entweder als Erweiterung fürs Landratsamt dienen, so dass die Kreisverwaltung am Alten Postplatz konzentriert wäre. Oder der Polizei angedient werden, sollte sich der Zuschnitt der Polizeipräsidien im Land ändern und in Waiblingen eine Erweiterung der einstigen Polizeidirektion notwendig werden.

Landratsamt ist der Eingang zur Waiblinger Innenstadt 

Das Areal sei „aufgrund seiner Lage, Nutzung und Nachbarschaft ortsprägend“, heißt es in den Unterlagen. Das Landratsamt stelle den Eingang zur Waiblinger Innenstadt dar und markiere städtebaulich ein typisches Element des innerstädtischen Kerngebietes. Eine städtebauliche Gesamtplanung sei deshalb erstrebenswert. „Hierzu ist – schon allein aufgrund der finanziellen und baulichen Dimensionen – ein entsprechendes wettbewerbliches Verfahren durchzuführen.“ Für Planung und Vorbereitung des Verfahrens stehen im Kreisetat 2017 rund 320 000 Euro zur Verfügung.

Landrat und Oberbürgermeister spielen sich die Bälle zu 

Landrat Dr. Richard Sigel und der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky, zugleich Kreisrat der Freien Wähler, spielten sich nicht nur beim Architektenwettbewerb fürs Landratsamt die Bälle zu. Darüber hinaus macht der Kreistag im April den Weg frei für Wohnungsbau auf dem ehemaligen Krankenhausgelände, so dass der Waiblinger Gemeinderat den Bebauungsplan beschließen kann und im Sommer die Erschließungsarbeiten beginnen werden. Die einst eher aus der Not geborenen Pläne für das Sozialdezernat des Landratsamtes sind damit beerdigt.

Verzettelt sich der Landkreis mit zu vielen Baustellen?

Fraktionssprecher begrüßten im Ausschuss die Immobilienkonzeption. Einzig SPD-Kreisrat Jürgen Hestler und AfD/Unabhängige-Kreisrat Christian Throm äußerten Zweifel. Throm befürchtet, dass der Landkreis Rems-Murr mit den Kliniken und dem Landratsamt zu viele Baustellen hat und sich verzettelt. Hestler hakte nach, um welche der einst im Drees&Sommer-Gutachten bewerteten Varianten es sich eigentlich handelt. Nach wie vor um die Variante 4, sagte Landrat Richard Sigel und betonte, dass aber die Sanierungen am Alten Postplatz im Vordergrund stünden. Ein Neubau auf dem Postareal in der Mayennerstraße bleibe bis auf weiteres offen und stehe sowieso nicht vor 2023 auf der Tagesordnung. Motto: „Je weniger, desto besser.“

Ein Interims-Landratsamt muss her

Weil das Landratsamt nur abschnittsweise saniert werden kann, benötigt die Kreisverwaltung Ausweichquartiere für einen Teil der rund 900 Mitarbeiter. Überlegt wird, Flüchtlingsunterkünfte in Büros umzubauen. Konkret als Interims-Landratsamt angemietet werden kann zudem ein zunächst für die Flüchtlingsunterbringung ins Auge gefasstes Gebäude in Fellbach in der Ringstraße 26. Die Entscheidung wird im Kreistag gefasst.