Waiblingen

Sanierungsarbeiten: Die Yburg wird stabiler, nicht schöner

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Yburgsanierung
Mit der Drohne über der Yburg. © Büttner/ ZVW
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Yburgsanierung
Thomas Bauer, Bernd Peckhaus und Albert Kieferle vor einer Wand, deren Fugen noch freiliegen. © Buettner / ZVW

Kernen-Stetten. Wenn Spaziergänger nach monatelanger Restauratorenarbeit die Sandsteinmauern der Yburg zum ersten Mal wieder sehen und dann meckern sollten, weil sie keine Veränderung erkennen, wäre Bernd Peckhaus zufrieden: „Ich will kein Tripsdrill draus machen , sondern den Ist-Zustand erhalten“, sagt er. Schadensprozesse aufhalten und verlangsamen, darum geht es an der Yburg. Bis Mai sollte der Sanierungsmarathon beendet sein.

Video: Ein Rundflug über die YBurg in Stetten.

Verwitterung und Salzeintrag im Sandsteingemäuer hatten der denkmalgeschützten Stettener Yburg so sehr zugesetzt, dass das Gebäude wegen drohenden Steinschlags für den Publikumsverkehr gesperrt werden musste. „Es bestand akute Gefahr, dass sich Sandsteinschalen oder Putz- bzw. Mörtelteile von der Fassade lösen und herabstürzen könnten“, erinnert sich der stellvertretende Bauamtschef Thomas Bauer.

Leitender Restaurator erklärt die Schadensursache 

Albert Kieferle, der leitende Restaurator, erklärte vor Ort die Schadensursache sehr anschaulich: „Wir hatten Ablösungen der Steinoberflächen. Unter der Oberfläche gab es Mürbeprozesse, so dass sich unter der Decke eine blätterteigartige Schicht bildete. Gleichzeitig verdichtete sich die Oberfläche der Sandsteine, was dazu führte, dass sich das Volumen vergrößerte und sich zwangsläufig die Deckschicht aufwölbte.“ Die Oberflächen drohten abzuplatzen.

Schalen und Risse wurden verfüllt

In monatelanger Präzisionsarbeit hat Restaurator Bernd Peckhaus die meisten Schalen und Risse mit resistentem mineralischem Flüssigmaterial, das auf Quarz basiert, wieder verfüllt. Es handelt sich um sogenannte „inerte“ Füllmasse, die unter normalen Bedingungen gegen Luft und Wasser sehr widerstandsfähig ist. „Wir haben Steinmehle zugegeben, um sie an die Charakteristika des Sandsteins anzugleichen“, erklärt Albert Kieferle. „Es sind also Mischungen, die sich an den vorhandenen Sandstein anpassen.“ Die Steine auszutauschen, war insbesondere bei normalen Bruch- oder Sandsteinen, wie sie vor allem im Obergeschoss verwendet wurden, nicht vorgesehen. Eine Ausnahme bilden die steinmetzmäßig bearbeiteten Gliederungen wie Gesimse, Gewände und Bögen.

Mauerwerk hat unter Witterungseinflüssen gelitten 

Allesamt Arbeiten, die der Stabilisierung des unter Witterungseinflüssen aufgesprungenen Mauerwerks dienen. Hinzu kommt das Salz, das im feuchten Gestein aufsteigt und es massiv schädigt. „Wir versuchten, mit Entkalkungskompressen einen Teil zu reduzieren und herauszukriegen“, erläutert Albert Kieferle. Eine „horrend teure Salzextraktion“ sei das. Würde man hier nicht eingreifen, zerbröselten die Quader, die aller Wahrscheinlichkeit aus einem Steinbruch unterhalb der Sieben Linden stammen, in ganz feinen Sand.

Zwei Sanierungsabschnitte 

Nachdem im ersten Sanierungsabschnitt die Verkehrssicherheit an den Hauptzugangsseiten im Norden und Westen sowie der Zugang zu den Gewölbekellern wiederhergestellt worden war, ging es im zweiten darum, die restlichen Fassadenflächen (Süd- und Ostseite, Wandflächen innerhalb der Burg) zu sichern und zu restaurieren.

Feuchter Fleck an Nordseite fällt noch auf 

Die Sanierungsmasse der Entkalkungskompressen ist an der Ostseite derzeit gut sichtbar. „Da kommt später ein Opferputz hin, so dass er sich in das Erscheinungsbild der Mauer einfügt“, sagt Restaurator Kieferle. An der äußeren Nordseite sei es der feuchte Fleck, der noch unschön auffalle. Dort wurden die ausgeräumten Fugen mit Mörtel bereits wieder geschlossen.

Ein Laie wird es später nicht mehr erkennen 

In den nächsten Wochen steht für Bernd Peckhaus das akkurate Auffüllen der restlichen Fugen an. Ein Laie wird das später nicht mehr erkennen. Eine Fitzelaufgabe, die Erfahrung und eine ruhige Hand voraussetzt. Auch an der Süd-Ostecke der Yburg, wo das Mauerwerk nach innen wandert, muss der Restaurator tätig werden. Dann steht zum guten Schluss die Befestigung an. Zum Abtrocknen brauche es hier ein eng definiertes Temperaturfenster, das im Mai und Juni vorherrsche, sagt Albert Kieferle. So dürfe die Bindemasse nicht betaut werden. Es kann Frühsommer werden, bis die Baustelle Yburg endgültig schließt.

Wenige Erkenntnisse

Zur Baugeschichte der Yburg haben die Untersuchungen im Zuge der Sanierungen wenig zutage gefördert. „Es ist nacktes Mauerwerk, das nicht mehr sehr viel sagt“, so Restaurator Kieferle. „Wir haben keine Hölzer, mit denen wir datieren könnten.“ Bei den Ofenresten, die im Schürfgraben gefunden wurden, sei die Frage, woher sie stammen. Auffällig sind die leeren Vierecke in engem Raster an der Außenwand, eventuell für Hölzer.