Waiblingen

Schäden bei der Obsternte sind enorm

Obsternte 2017_0
Da suchten auch die Bienen umsonst: Viele Obstblüten sind im April erfroren. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Schäden der Obsternte in diesem Jahr sind enorm. Es gibt häufig bis zu 100 Prozent Ertragsverluste. Am meisten sind Obst-Frühsorten betroffen: Hier ist so gut wie alles erfroren. Gewohnte Mengen an Remstäler Obst sind im Handel nicht zu haben. Preissteigerungen sind zwar nicht programmiert, aber wahrscheinlich. „Der Verbraucher entscheidet, ob ihm regionale Ware mehr wert ist“, sagt die Kreis-Obstbau-Fachberaterin Ursula Coppola.

„In den Nächten vom 19. bis 21. April war es so kalt wie schon lange nicht mehr“, sagt Ursula Coppola. „Minusgrade bis zu 5 Grad Celsius haben Blüten und junge Früchte bei Obstbäumen und Beerensträuchern, aber auch bei den Erdbeeren erfrieren lassen.“

Oft gab es einfach keinen Schutz für Bäume und Sträucher. „Eine Heizung und warme ,Kleidung’ wären hilfreich gewesen.“ Nur in geschützten Bereichen, überdacht oder im Folienhaus, haben Blüten überlebt und konnten zu Früchten heranwachsen. Kleine Sträucher, wie zum Beispiel Erdbeeren, konnten mit Folie oder Vlies warm gehalten werden.

Kernobst und Steinobst sind stark betroffen

Die meisten Obstbäume tragen aufgrund der Frostschäden vom April nun wenige bis gar keine Früchte. „Bei Kernobst (Äpfel und Birnen) ist jetzt zur Erntezeit fast nichts vorhanden, die Bäume sind leer. Beim Steinobst (Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen) war und ist die Situation ähnlich.“

Die Blütezeit der Obstbäume ist im Frühjahr, wenn da nun viele Blüten erfrieren, kommen gar keine oder nur sehr wenige nach, und das braucht Zeit. „Dagegen können Erdbeeren- und Beerensträucher – wie Himbeeren, Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren – den ganzen Sommer lang immer neue Blüten und Früchte bilden.“ Da aber auch dieses Frühjahr viele der ersten Blüten erfroren sind, mussten die Obstbauern warten, bis sich neue gebildet haben, weshalb sich auch die Beeren-Ernte stark verzögerte und dann auch nur sehr gering ausfiel.

Weniger Remstäler Obst durch den Ernteausfall

Durch den Kälteeinbruch kommt diesen Sommer auf jeden Fall weniger Remstäler Obst auf den Markt und in den Handel. Früchte, die sich trotz der Kälte bilden konnten, machen bisweilen leider optisch nicht so viel her, sie haben Frostschäden oder eine Berostung. Obwohl unansehnlich, können aber zum Beispiel Äpfel immer noch gut schmecken, so Coppola.

Auch bei den Kirschen, Erdbeeren und Himbeeren fällt die Ernte spärlich aus. Wer seine Kirschen nicht im geschützten Anbau hatte, tendiert zu einer Nullernte. Auch bei den Himbeeren mussten die Obstbauern auf die nachfolgenden Blüten warten, da die ersten alle erfroren sind. Dafür gab es aber bei dieser Ernte relativ zufriedenstellende Sommer-Himbeeren. „Die jetzt etwas später einsetzende Ernte bei den Herbst-Himbeeren muss sich noch beweisen.“

Preissteigerung möglich

Auch die Erdbeeren kamen heuer mit der späteren Ernte und waren erst da in gewohnter Menge vorhanden. „Die Ernte wurde eher durch die Witterung – abwechselnd Regen, mal Hitze – eingeschränkt.“ Aber trotzdem sei die Ernte besser ausgefallen, als vorausgesagt. „Dank Wasser und Sonne schmeckten die Beeren wie immer gut.“

Es könnte sein, dass jetzt durch den quantitativen Mangel der Preis steigt, eine Preissteigerung sei aber nicht programmiert. „Der Verbraucher entscheidet, ob ihm regionale Ware mehr wert ist.“ Die Obstbauern würden sich über angepasste Preise sicher freuen. „Denn auch nach den Ernteverlusten entstehen weiter Kosten für den Anbau.“ Zudem müssen die Obstbäume gepflegt werden, ob mit oder ohne Obsterträge. „Es sind Dauerkulturen, die für Jahre bestehen und jedes Jahr dieselbe Pflege bekommen müssen“, sagte Coppola.

Schäden in Zahlen

Laut dem Geschäftsbereich Landwirtschaftsamt bedeutet die Schädigung in Zahlen ausgedrückt:

  • Kernobst (Apfel und Birne): 75 bis 100 Prozent Schädigung
  • Steinobst (Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche): 75 bis 100 Prozent Schädigung
  • Rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren: 50 bis 100 Prozent Schädigung
  • Sommer- und Herbsthimbeeren, Brombeeren: 30 bis 50 Prozent Schädigung
  • Erdbeeren- Frühsorten: 75 bis 100 Prozent Schädigung
  • Walnüsse gibt es keine, alle Blüten sind erfroren