Waiblingen

Schüler sollen lernen, rechte Parolen zu hinterfragen

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Große Pause: Schulleiter Peter Schey eröffnet die Ausstellung zu Rechtsextremismus. © Striebich / ZVW
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Initiator: Lehrer Matthias Czypull.

Waiblingen. Wer Rechtsextremen nicht auf den Leim gehen will, sollte gut informiert sein, findet Peter Schey, Schulleiter des Salier-Gymnasiums. An seiner Schule klären nun Stellwände der Friedrich-Ebert-Stiftung über das Thema auf. Zehntklässler werden Mitschüler durch die Ausstellung führen, die bis 18. Dezember zu sehen sein wird.

„Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ ist der Klassiker unter den rechten Stammtischparolen. Diese und noch ein einige andere („Damals bei Hitler hätte ...“) sind auf einer der Stellwände zu lesen, die seit einigen Tagen im Salier-Gymnasium aufgebaut sind. Dazu gibt’s Infos zum Hintergrund, Argumentationshilfen für die Schüler. Die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung soll den Jugendlichen ins Bewusstsein rufen, was sie an der Demokratie haben. Und wie rechtsextremes Denken und Handeln Werten wie Meinungsfreiheit und Gleichheit entgegenstehen.

Als „Quotentürke“ beschimpft

Auf den Infotafeln wird gezeigt, dass Rechtsextremismus kein Randthema ist, sondern bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Der Tenor: Nicht jeder, der extrem rechte Einstellungen vertritt, wird zum Gewalttäter – doch auch Worte können weh tun. „Ich habe bei einer Zeitschrift gearbeitet und wurde immer als Quotentürke beschimpft. Und natürlich sollte es immer nur ein Scherz sein“, heißt es da. Weiter unten werden Beispiele für Gewalttaten gezeigt, unter anderem eine Schlagzeile des Zeitungsverlags Waiblingen aus dem Jahr 2011: „Rechte jagen in Winterbach Ausländer – Hütte angezündet“.

Mit „Rechte Aktivitäten in Baden-Württemberg“ ist eine weitere Tafel überschrieben. Auf einer Karte des Landes sind rechtsextreme Gewalttaten mit Todesfolge, aktive Stützpunkte des NPD-Nachwuchses, Konzerte, Bands, Musikvertriebe, Aufmärsche und mehr eingezeichnet – mit dem Hinweis auf Unvollständigkeit.

Zehntklässler Simon (15), der sich zum „Schüler-Guide“ hat ausbilden lassen und in den kommenden Wochen Mitschüler der Klassenstufen 8 bis 12 zwischen den Stellwänden hindurch führen wird, war vor allem überrascht über die breiten Aktivitäten Rechtsextremer im Internet. „Da wird über viele Seiten kleinerer Büros Werbung für die Parteien gemacht“, erklärt er. Grundkenntnisse über Rechtsextremismus seien bei den Schülern bereits vorhanden, ergänzt Tizian (15), ebenfalls „Schüler-Guide“. Doch die tiefere Beschäftigung mit dem Thema findet er hilfreich.

Schüler informieren Schüler

Initiiert hat die Ausstellung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Salier-Gymnasium der Gemeinschaftskundelehrer Matthias Czypull. Der 29-Jährige hat mit der Wanderausstellung bereits an seiner vorherigen Schule in Göppingen gute Erfahrungen gemacht und sie nun nach Waiblingen geholt. Dass sechs Zehntklässler ihren Mitschülern tiefergehende Informationen liefern – sie werden für die Führungen stundenweise vom Unterricht freigestellt – findet er gut: „Das hat noch mal eine ganz andere Wirkung, als wenn sie das von mir hören.“ Eines der Ziele der Ausstellung ist laut Matthias Czypull, dass die Schüler lernen, rechte Parolen zu hinterfragen, gerade in einer Zeit von Fake-News und Verschwörungstheorien: „Was hat Hand und Fuß?“

Schulleiter Peter Schey rief seine Schüler bei der Eröffnung der Veranstaltung am Dienstagvormittag dazu auf, das Angebot wahrzunehmen. „Demokratie braucht Toleranz“, so der Schulleiter. Die deutsche Geschichte habe gezeigt, was Extremismus – „übrigens auch von links“ – anrichten könne. Peter Schey: „Damit kann man sich nicht früh genug beschäftigen“.

Die Ausstellung in den Fluren des Hauptgebäudes des Salier-Gymnasiums ist bis 18. Dezember öffentlich zugänglich: täglich von 14 bis 16 Uhr. Die Schule bittet lediglich darum, leise zu sein – um den Nachmittagsunterricht nicht zu stören.

Erstellt wurde die Ausstellung im Fritz-Erler-Forum, so heißt das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Stuttgart. Bei der Eröffnung am Dienstag wirkte Sarah Hepp von der SPD-nahen Stiftung mit.