Waiblingen

Schenken geht auch ohne Geld

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Weihnachtsgeschenk Symbol Geschenk Symbolbild Schleife Geschenkband Weihnachten
Symbolbild. © pixabay.com/CC0 Creative Commons
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Schmücken den Wunschbaum beim Adventsmarkt im Bethel in Welzheim (von links): Bethel-Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Bader (links) und Geschäftsführerin Ulrike Brenner (rechts).
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Es muss unterm Weihnachtsbaum nicht immer nur glänzen und funkeln: Selbstgemachtes erfreut das Herz des Beschenkten.
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Statt viel Geld auszugeben, eignet sich auch ein Gutschein für ein winterliches Picknick als Weihnachtsgeschenk.
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Lucky frisst Viola Schmidt wortwörtlich aus der Hand.

Waiblingen. Beim Schenken ohne Geld geht es vor allem darum: um Zeit. Zeit zu geben oder sich Zeit zu nehmen für jemanden oder Zeit zu investieren, um etwas zu basteln zum Beispiel. Im Rems-Murr-Kreis gibt es diesbezüglich einige beispielhafte Aktionen. Im Folgenden kommen aber auch Menschen mit ganz eigenen Vorschlägen zum Thema „Schenken ohne Geld“ zu Wort.

Wunschbäume

Jemand im Pflegeheim einen Wunsch erfüllen? Wer schon immer mal dran gedacht hat, der kann sich beim Adventsmarkt auf dem Parkplatzgelände der geriatrischen Einrichtung Bethel in Welzheim noch an diesem Samstag, 9. Dezember, einen Wunsch vom Baum pflücken und erfüllen.

Zwar hat sich mit der Einführung von Betreuungskräften im Pflegeheim die psychosoziale Versorgung der Bewohner im Bethel deutlich verbessert, aber es bleiben doch oft Wünsche offen, vor allem nach einem Menschen, der Zeit mit einem verbringt.

„Gerade in der Weihnachtszeit wird einem das oft schmerzlich vor Augen geführt, dass Angehörige fehlen oder weit weg wohnen“, erzählt Gudrun Kaiser, Abteilungsleiterin der Sozialen Betreuung. Deshalb nahmen sie und ihre Kolleginnen die Idee des Wunschbaums wieder auf, die schon vor Jahren ein Erfolg in Welzheim war. Doch dieses Jahr gibt es keine Wunschbäumchen in den Läden, sondern einen Weihnachtsbaum auf dem Adventsmarkt.

Menschen gesucht, die Zeit mit den Leuten verbringen

Auf den Wunschzetteln stehen Wünsche wie: „Ein Gottesdienstbesuch in der Kirche“, „Begleitung beim Besuch eines Konzertes“, „einen Mitspieler für Gesellschaftsspiele“, „jemand, der mir aus Arztromanen vorliest“, „jemand, der mich mit seinem Hund besucht“, „jemand, der mit mir auf den Friedhof geht“, „jemand, der mein Zimmer weihnachtlich schmückt“ oder einfach „eine ziemlich beste Freundin, die mich öfters besucht“.

Häufig sind es die Frauen, denen etwas einfällt, wie sie sich beschäftigen könnten. Männer verkneifen sich offenbar eher ihre Wünsche oder versuchen, mit sich selbst zurecht zu kommen.

„Deshalb legen wir Wert darauf, dass auch Männer bei der Wunschbaumaktion nicht zu kurz kommen und auch in den Genuss von ehrenamtlichem Leistungen kommen“, so Gudrun Kaiser.

Spezielle Projekte für die Männer

Spezielle „Männerprojekte“ sollen im nächsten Jahr vermehrt angeboten werden. Ein Männerstammtisch 14-tägig am Donnerstagabend existiert schon. Vielleicht mag sich da einmal ein Freiwilliger dazu gesellen? Zudem sind Männerfilmabende und Männerausflüge geplant, die sehr davon profitieren würden, wenn Männer von außen zu den Männern im Bethel kommen würden.

In Schorndorf gibt es in der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist wird es auch einen Wunschbaum geben. Unter dem Motto „Schenken und beschenkt werden“ sollen auch in diesem Advent Menschen unterstützt werden, denen es am Nötigsten fehlt. Das sind Kinder aus dem Kindergarten St. Markus, Menschen, die über den Sozialpsychiatrischen Dienst betreut werden, und Flüchtlingsfamilien, die vom Arbeitskreis Asyl begleitet werden. In der Vorweihnachtszeit wird bis Mittwoch, 20. Dezember, ein Baum mit den Wünschen im Eingangsbereich der Heilig-Geist-Kirche aufgestellt. Die Wünsche werden als Sach- oder Geldspende aufgeführt. Wer einen Wunsch erfüllen möchte, kann eine Wunschkarte in den bereitgestellten Briefkasten einwerfen. Nähere Informationen zur weiteren Organisation werden an einer Pinnwand aufgeführt. Für Schenkende und Beschenkte wird Anonymität garantiert.


Selber machen

Juliane (15) aus Korb schreibt: Geschenke gehören zu Weihnachten wie die Kerzen zum Christbaum. Aber Schenken ist nicht immer so einfach wie Beschenktwerden. Denn kreativ soll es sein, persönlich und wenn möglich auch noch besonders. Aber Leistungsdruck und Stress in Schule, Uni oder Ausbildung sei Dank, artet Schenken meist zu einer zwingenden, unangenehmen Pflicht aus.

Wer sich dieser entziehen, aber trotzdem nicht auf ein freudiges Leuchten in den Augen der kleinen Schwester, ein stolzes Strahlen im Gesicht der Mutter oder ein anerkennendes Schulterklopfen der Großeltern verzichten will, muss sich etwas einfallen lassen. Eine Antwort auf diese Frage heißt kurz und knapp: Selber machen, also kreativ sein und eigene Ideen umsetzen.

Geschenke, die von Herzen kommen

Die Oma freut sich zum Beispiel über eine selbstgemachte Marmelade, für die Tante sind die Lieblingskekse genau das Richtige, und Eltern und Geschwister werden durch beschriftete Fotos an alte Zeiten erinnert. Unter dem Weihnachtsbaum muss es also nicht glänzen und funkeln. Etwas Eigenes, in dem Herzblut und Liebe stecken, ist viel mehr wert. So kommt man zurück zum Schenken um des Schenkens willen. Es kommt bei den Beschenkten nicht das Gefühl auf, sich revanchieren zu müssen. Denn Freude über das Geschenk ist Lohn genug.


Zeit & Gutscheine

Dem Redakteurskollege Martin Winterling kommt beim Thema „Schenken ohne Geld“ folgendes in den Sinn:

Zum Beispiel Zeit mit dem Beschenkten zu verbringen, der normalerweise seinen Angehörigen pflegt und von dieser schweren Aufgabe aufgerieben wird. Während ein Geschwister zum Beispiel mit der Mutter/Großmutter ins Kino oder Theater geht, einen Ausflug unternimmt oder ein Wellnesstag verbringt, kümmert sich der Bruder oder die Schwester um den zu pflegenden Angehörigen.

Zeit samt Naturalien: Ein winterliches Picknick mit heißem Glühwein, roten Würsten und fetter Sahnetorte nach einer gemeinsamen Schnee- oder eher einer Schneematschwanderung.

Gutscheine von Kindern, wie zum Beispiel das Zimmer aufzuräumen, den Keller auszumisten oder zehnmal den Rasen zu mähen, werden seltenst eingelöst und sind somit für den Schenkenden umsonst.


Zeit mit Pferden

Etwas ganz besonderes verschenken drei junge Frauen aus dem Rems-Murr-Kreis in diesem Jahr zu Weihnachten: Zeit. Zeit mit ihren Pferden. In sozialen Netzwerken haben Janina Znidarsic, Tamara Hertel und Viola Schmidt unter der Überschrift „Verschenke Zeit mit meinem Pferd für ein Kind“ bedürftige Familien dazu aufgerufen, sich bei ihnen zu melden. „Wenn man sich den Luxus Pferd leisten kann, dann kann man auch ein bisschen was davon abgeben“, sagt Schmidt. Die 22-Jährige hat Glück gehabt: Ihre Eltern haben ihr als Kind Reitstunden finanziert. Schon mit sieben Jahren durfte sie anfangen zu reiten. Aber die Reiterin weiß natürlich, dass es viele Kinder gibt, denen diese Chance verwehrt bleibt, weil es am Geld hapert. „Und wenn ich jetzt mit einer Kleinigkeit einem Kind so viel geben kann, dann will ich das einfach machen.“ Deshalb wird ihr siebenjähriger Wallach Lucky zu Weihnachten gleich drei Kindern eine Freude bereiten: Zwei Kindern, deren Mutter alleinerziehend ist, und einem krebskranken Jungen, die dann putzen, flechten, reiten und spazieren gehen dürfen.

Tiefe Zufriedenheit und strahlende Kinderaugen

Auf die Idee mit dem Post gekommen ist Hertel durch ihre Stallkollegin Janina Znidarsic, deren neunjähriger Hannoveraner-Lusitano-Wallach Unfug zu Weihnachten ebenfalls bedürftigen Kindern Zeit schenken wird. Dass Unfug das seinem Namen zum Trotz hervorragend machen wird, davon ist seine Besitzerin überzeugt: „Er ist so sensibel und gutmütig“, schwärmt die 27-Jährige. 2016 hat sie ein Jahr in den USA verbracht und dort in einem Zentrum für therapeutisches Reiten gearbeitet. „Man kann sich nicht ausmalen, wie glücklich einen strahlende Kinderaugen machen können, oder wie die tiefe Zufriedenheit von Erwachsenen nach ihrer Reittherapie wie Balsam auf die eigene Seele wirkt“, beschreibt Znidarsic ihre Erfahrungen. Daher kann sie sich auch gut vorstellen, Zeit an Menschen mit Behinderung zu verschenken - Kinder wie Erwachsene.

Deutschlandweit wird Zeit mit dem Pferd verschenkt

Auch die 23-jährige Tamara Hertel macht mit ihrem Pferd bei der Aktion mit. Ihr „Pony“ Eddi, der eigentlich gar kein Pony ist, ist mit seinen 16 Jahren schon ein Routinier und die beiden kennen sich schon seit 13 Jahren. Deshalb weiß Hertel auch: „Eddi schreckt durch seine Größe von 1,75 Meter zwar auf den ersten Blick vielleicht ab, aber er ist wirklich ein sanfter Riese und den Umgang mit Kindern gewohnt.“

Die drei jungen Frauen sind nicht die einzigen mit derartigen Posts, es ist ein deutschlandweiter Trend, der sich gerade quer durch alle sozialen Netzwerke zieht. Unter Hashtags wie #SchenkeKindernZeitmitdeinemPferd inserieren Pferdebesitzer auf Facebook, Instagram oder in privaten Kleinanzeigen. Insbesondere sollen dabei Kinder bedacht werden, deren Eltern es sich nicht leisten können, Reitstunden oder Ferien auf dem Ponyhof zu finanzieren. Bereits im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Pferdebesitzer Zeit mit ihren Pferden verschenkt.


Zeit für Bücher

Oder wie wär’s damit: Sich selbst Zeit schenken und kostenlos ein Buch aussuchen: In öffentlichen Bücherregalen wie dem in Winnenden zwischen Rathaus und Volksbank kann man Bücher bekommen. „Manche sind nagelneu, manche alte Schinken“, sagt die Initiatorin Erika Wiedmann. Die ehemalige Buchhändlerin bei Hess in Waiblingen hat ein Team mit sechs weiteren Ehrenamtlichen um sich, die im täglichen Wechsel Ordnung schaffen. „Das Regal mit seinen mindestens 150 Büchern wird rege genutzt, man kann dort ein Schnäppchen machen oder eine Rarität finden“, sagt Erika Wiedmann – je nachdem, was Privatleute loswerden oder spenden möchten, um jemand anderem die Freude am guten Buch zu machen. „Jugendbücher fehlen immer, steht mal eins drin, ist es ganz schnell wieder weg“, hat Erika Wiedmann beobachtet.