Waiblingen

Scherben-Angriff auf Ladendetektiv?

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Eine 50-jährige Weinstädterin steht wegen räuberischen Diebstahls vor Gericht. Dass sie Unterwäsche bei H&M in Waiblingen geklaut hat, gibt die Angeklagte zu. Den Ladendetektiv danach mit einer zerschlagenen Bierflasche bedroht zu haben, leugnet sie. Das Problem: Der Detektiv erscheint als Zeuge nicht vor Gericht.

Es war ein Montagvormittag im Mai 2016, als die 50-jährige Angeklagte aus Weinstadt bei der H&M-Filiale am Alten Postplatz versuchte, Unterwäsche im Wert von rund 25 Euro zu stehlen. Doch die arbeitslose Angeklagte wurde vom Ladendetektiv beobachtet, wie sie das Diebesgut in ihrer Handtasche verschwinden lassen wollte. Als der Detektiv versuchte, sie zu stellen, entfernte sich die Diebin aus dem Geschäft in Richtung Marktplatz. In der Anklageschrift ist zu lesen, dass der Ladendetektiv ihr folgte. Daraufhin soll die 50-Jährige, die stark alkoholisiert war, eine Bierflasche zerschlagen und damit gedroht haben, den Detektiv mit einer Glasscherbe aufzuschlitzen. Dabei soll sie geschrien, Schnittbewegungen gemacht und ihn mehrfach beleidigt haben. Erst als Polizeibeamte einschritten, konnte die Situation entschärft werden.

Die Angeklagte hatte zwei Promille

Vor Gericht leugnet die Angeklagte nicht, den Diebstahl begangen zu haben: „Das war ein Fehler“, gibt die Weinstädterin offen zu. In ihrer Version der Geschichte habe ein Freund, der ebenfalls vor Ort war und bei der Gerichtsverhandlung als Zeuge geladen ist, sie allerdings zum Diebstahl angestiftet. Dass eine Flasche zu Bruch ging, daran erinnert sich die Angeklagte ebenfalls, doch damit habe sie nie gedroht. „Ich würde nie einen Menschen verletzen wollen, so was mache ich nicht“, betont die angeklagte Frau mehrfach. Der 58-jährige Freund der Angeklagten war auch stark alkoholisiert und wurde im Zuge des Tumults ebenfalls festgenommen. Er bestreitet, die Diebin zum Klau der Unterwäsche angestiftet zu haben. „Wir haben zusammen einen getrunken, sie wollte dann shoppen gehen und ich habe draußen gewartet“, so der Zeuge. Als seine Freundin dann aus dem Laden kam, habe er den ihr folgenden Ladendetektiv zunächst für einen aufdringlichen Passanten gehalten. „Ich wollte sie vor ihm beschützen, das war alles so ein großes Durcheinander“, erzählt der 58-Jährige, der schlussendlich von einem Polizeibeamten niedergerungen werden musste.

Drei Polizisten als Tatzeugen

Drei Polizisten bezeugen die Tat. Einer von ihnen war zufällig am Alten Postplatz in Zivil unterwegs gewesen. Das Problem: Keiner der geladenen Zeugen hat gesehen, dass der Detektiv von der Angeklagten mit der Bierflasche direkt bedroht wurde. Alle sprechen nur davon, „das Klirren von brechendem Glas und lautes Geschrei“ gehört zu haben. Der wichtigste Zeuge, der Ladendetektiv, erscheint nicht zur Hauptverhandlung. Deshalb steht das Gericht nun vor der Entscheidung: Handelt es sich um Diebstahl oder einen räuberischen Diebstahl? Letzterer liegt vor, wenn man sich gegenüber dem Entdecker des Diebstahls gewalttätig oder bedrohlich verhält, um das Diebesgut zu behalten. Der räuberische Diebstahl wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. In minder schweren Fällen kann Gefängnis von sechs Monaten bis zu fünf Jahren verhängt werden.

Verhandlung wird vertagt

Um zu klären, um welchen Sachverhalt es sich im vorliegenden Fall handelt, möchte die Staatsanwaltschaft nicht drauf verzichten, die Aussage des Ladendetektivs zu hören. Deshalb wird die Verhandlung unterbrochen und am Montag, 11. September, fortgesetzt. „Ich habe die Flasche nur auf den Boden geschmissen, mehr nicht“, beteuert die Angeklagte nochmals. Zu welchem Schluss das Gericht kommt, bleibt nun abzuwarten.