Waiblingen

Schlamm in der Rems legt Turbine still - ist Wasserkraft für Waiblingen wichtig?

Remsmühle
Wasser fließt auch weiter die Rems an der Vogelmühle herunter - aber die Turbine des Wasserkraftwerks dreht sich nicht immer. © ALEXANDRA PALMIZI

An der Brücke über die Rems zwischen Hegnach und Hohenacker liegt die Vogelmühle. Seit 150 Jahren wird hier die Wasserkraft genutzt, 1948 wurde eine Turbine eingebaut. Theoretisch könnte hier der jährliche Strombedarf von mehreren Dutzend Waiblinger Haushalten abgedeckt werden. Doch zuletzt stand die Turbine oft still.

Ursache ist nicht etwa, dass zu wenig Wasser in der Rems fließt, sondern, dass sich im Mühlkanal und am Rechen jede Menge Schlamm abgelagert hat. „Um den Kanal auszubaggern, wurde bereits letztes Jahr eine externe Firma beauftragt, die aber erst in Kürze mit der Arbeit beginnen wird“, teilen die Stadtwerke Waiblingen auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Wir rechnen damit, dass im Juli 2022 die Umsetzung erfolgt.“

Zwar schwanken auch die Wasserpegel der Rems je nach Jahreszeiten sehr stark, erklären die Stadtwerke. Die Trockenheit der vergangenen Jahre macht sich hier aber offenbar bislang nicht bemerkbar. „Wir können nicht feststellen, dass sich dies in den letzten Jahren verändert hat“, so Michael Sigel, der die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke leitet. Allerdings habe man unabhängig davon „einen geringeren Wasserdurchsatz in den Turbinen seit Umbau der Fischaufstiege - so geschehen an der Häckermühle und Vogelmühle - feststellen“ können.

Fischaufstiege reduzieren Leistung um sechs bis acht Prozent

„Die Wassermengen, die über Lockströmung und größere Querschnitte mit Ruhebecken über die Fischaufstiege abfließen, fehlen natürlich in den Turbinen.“ Das führe zu Leistungseinbußen von sechs bis acht Prozent.

Eher als der Wasserpegel beeinflussen auch Schäden an den Anlagen oder am Wehr die Stromerzeugung. „Hier sind meistens längere Stillstandszeiten gegeben, da die meisten Ersatzteile hier Einzelanfertigungen sind und wir für die Reparaturen auch auf externe Dienstleister angewiesen sind“, so Sigel.

Bei der Vogelmühle, auch Remsmühle genannt, ist das aktuelle Problem für die Stromproduktion aber eben der Schlamm. Würde die Turbine normal laufen, könnte sie mit ihrer Leistung von 30 Kilowatt im Jahr rund 100.000 Kilowattstunden erzeugen, so die Stadtwerke. Das würde für etwa 30 Zwei-Personen-Haushalte reichen, bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwas über 3000 Kilowattstunden, den das Statistische Bundesamt vergangenes Jahr für das Jahr 2019 ausgegeben hat.

Stadtwerke haben noch drei weitere Wasserkraftanlagen

Die Stadtwerke betreiben in Waiblingen vier Wasserkraftwerke: Neben der Vogelmühle sind das die Häckermühle (125 kW), Hahn‘sche Mühle (20 kW) und die Geheime Mühle (40 kW). Außerdem verfügt die Hegnacher Mühle über zwei Turbinen mit jeweils 46 kW Leistung, so die Stadtwerke. Diese wird privat betrieben, von Müllermeister Ulrich Stietz.

Bei ihm reicht der produzierte Strom nicht nur, um Getreide zu mahlen. „Es entsteht sogar ein nicht unbeträchtlicher Energieüberschuss, der ins Netz der Stadtwerke Waiblingen eingespeist wird“, sagte Stietz unserer Redaktion kürzlich.

13 Prozent des Waiblinger Strombedarfs kommen aus dezentralen Anlagen

Für die Versorgung aller Kunden in Waiblingen (Industrie/Gewerbe/Ämter und Privatkunden) werden jährlich circa 270 Millionen kWh über das Stromnetz der Stadtwerke abgegeben. Rund 13 Prozent des gesamten Stromverbrauchs wird laut dem Unternehmen vor Ort aus dezentralen Anlagen erzeugt. Neben Wasserkraft: Fotovoltaik, Biomasse und Klärgas sowie Blockheizkraftwerke.

Wasserkraft ist in Waiblingen nicht sehr bedeutend - Solar nimmt zu

Die Erzeugungsmenge aus Wasserkraft betrug vergangenes Jahr circa 550.000 kWh - ein sehr geringer Anteil am in Waiblingen produzierten Strom. Eine Erweiterung der Wasserkraftanlagen sei aber „aktuell aus technischen“ und „wirtschaftlichen“ Gründen sowie wegen geplanter Änderungen am EEG-Gesetz für kleine Wasserkraftanlagen nicht vorgesehen. Kleine Wasserkraftwerke könnten ab 2023 die Förderung verlieren - weil sie laut einem Entwurf des Klimaschutzministeriums in Berlin insgesamt nur wenig Strom liefern, aber ökologische Nachteile mit sich bringen. Mehrere Wirtschaftsverbände protestieren gegen den Plan.

Doch auch die Stadtwerke setzen auf andere Energiequellen als die Wasserkraft: „Die dezentrale Energieerzeugung wird zukünftig durch weiteren Zubau von Fotovoltaikanlagen stark zunehmen“, so Michael Sigel. Aktuell errichten die Stadtwerke in Waiblingen eine 2,8-Megawatt-Fotovoltaikanlage.

An der Brücke über die Rems zwischen Hegnach und Hohenacker liegt die Vogelmühle. Seit 150 Jahren wird hier die Wasserkraft genutzt, 1948 wurde eine Turbine eingebaut. Theoretisch könnte hier der jährliche Strombedarf von mehreren Dutzend Waiblinger Haushalten abgedeckt werden. Doch zuletzt stand die Turbine oft still.

Ursache ist nicht etwa, dass zu wenig Wasser in der Rems fließt, sondern, dass sich im Mühlkanal und am Rechen jede Menge Schlamm abgelagert hat. „Um den Kanal

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