Waiblingen

Schlechte Chancen für Mieter

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Symbolbild. © Alexander Roth
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Diplom-Ingenieur Siegfried Rudnik, Experte für Normen und Fachbuchautor beim VDE-Verlag.

Waiblingen Die meisten Fahrer von Elektroautos laden ihr Fahrzeug zu Hause. Dabei sind Mieter gegenüber Hausbesitzern klar im Nachteil, wie Diplom-Ingenieur Siegfried Rudnik, Experte für Normen und Fachbuchautor beim VDE-Verlag (Verband der Elektrotechnik), erläutert.

Kann ich von meiner Mietwohnung aus ein Elektrofahrzeug laden?

Leider nein. Die Verbindungsleitung zum Fahrzeug, das in der Regel auf der Straße steht, müsste über kommunalem Raum verlegt werden. In Wohnungen stehen nur Schuko-Steckdosen zur Verfügung, die nur einen Ladestrom von 10 Ampere zulassen. Außerdem muss der Steckdosenstromkreis separat vom Verteilerkasten verlegt sein und zusätzlich mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung geschützt sein.

Wo kann ich als Mieter einer Wohnung mein Elektrofahrzeug laden?

In der Regel kann nur an öffentlichen Ladestationen geladen werden. Doch eine Garantie, dass die von mir gewünschte Ladestation frei ist, gibt es nicht. Denkbar sind reservierte Ladeplätze für Dauerparker in Parkhäusern.

Kann ich in der Tiefgarage meiner Eigentumswohnung einen Ladeanschluss installieren lassen?

Eher nicht. Die bestehenden Tiefgaragen haben in der Regel keinen Ladeanschluss für Elektrofahrzeuge. Möchte ein Wohnungseigentümer von seinem Stromzähler einen Ladeanschluss errichten lassen, braucht er von der Eigentümerversammlung die Zustimmung für seine Elektroinstallation. Ein Wohnhaus mit acht Wohnungseinheiten hat in der Regel Sicherungen im Hausanschlusskasten mit einem Bemessungsstrom von 80 Ampere. Würden alle acht Einstellplätze nur mit einem kleinen 16-Ampere-Anschluss ausgestattet, reicht der Summenstrom im Dauerbetrieb von bis zu zwölf Stunden für das Laden der E-Fahrzeuge aus. Für die Wohnungen könnte dann nicht genügend Strom zur Verfügung gestellt werden.

Was ist zu beachten, wenn bei einem Einfamilienhaus ein Ladeanschluss eingerichtet werden soll?

Damit ein E-Fahrzeug, etwa mit einer Batteriekapazität von 27,2 Kilowattstunden, innerhalb einer kurzen Ladezeit von drei Stunden geladen werden kann, ist eine Ladeleistung von 11 kW erforderlich. Um diese Ladeleistung zu erreichen, benötigt man einen eigenständigen Drehstromanschluss von 3 x 16 Ampere. In der Regel haben Einfamilienhäuser für den gesamten Wohnbereich eine Stromstärke von 3 x 24 Ampere als Zählervorsicherung. Es ist deshalb vorher zu prüfen, ob die „Reststrommenge“ für die elektrischen Verbraucher im Haushalt noch genügend Energie zur Verfügung stellen kann.

Was sagt der Stromversorger dazu?

Will man die Stromstärke der Sicherungen im Hausanschlusskasten erhöhen, etwa für eine Ladeleistung von 22 Kilowatt, muss ein Änderungsvertrag mit dem öffentlichen Stromversorger abgeschlossen werden.

Wie kann ich garantiert sauberen Strom tanken? Kann ich meinen Strombedarf mit einer eigenen Fotovoltaik-Anlage decken?

Natürlich kann mit einer Fotovoltaikanlage geladen werden. Um jedoch ein Elektrofahrzeug mit 1 x 16 Ampere laden zu können, wird eine Fotovoltaikanlage mit rund 25 Modulen (etwa 40 Quadratmeter) benötigt, die mit Wechselrichter und Einbau zwischen 10 000 und 15 000 Euro kostet. Eine solche Anlage lohnt sich eigentlich nur, wenn das E-Auto tagsüber an der fotovoltaikversorgten Ladestation angeschlossen ist – und das zwölf Stunden lang. Eigentlich kann so eine Ladestation nur von Nachtschichtlern oder Rentnern genutzt werden. Im Herbst und Frühling ist die Ladeleistung niedriger. Im Winter kann mit schneebedeckten Modulen in der Regel mit einer Fotovoltaikanlage nicht geladen werden.

Kann ich jedes Auto an der Schuko-Steckdose laden?

Die in Haushalten üblichen Schuko-Steckdosen dürfen im Dauerbetrieb nur mit maximal 1 x 10 Ampere belastet werden. An solchen Steckdosen können somit nur kleine Elektrofahrzeuge geladen werden wie etwa Smart und Twizy. Ist ein Ladestrom von 1 x 16 Ampere notwendig, muss eine CEE-Steckdose, auch als Camping-Steckdose bezeichnet, installiert werden. Solche Steckdosen und auch die dazu passenden Stecker sind blau eingefärbt.

Wie wird der Ladestrom eingestellt?

Bei Elektrofahrzeugen mit geringer Reichweite wird der Schuko-Stecker über eine Schuko-Steckdose geladen. Der Ladestrom wird von solchen Elektrofahrzeugen automatisch auf 10 Ampere begrenzt. Bei einem Ladestrom von 16 Ampere und höher ist eine „In-Kabel-Kontrollbox“ (ICCB) erforderlich. Diese wird in der Leitung von der Steckdose zum Elektrofahrzeug zwischengeschaltet und signalisiert dem E-Auto, wie hoch der Ladestrom sein darf. Die maximale Ladestromeinstellung erfolgt in der Regel automatisch, bei manchen Geräten durch Schütteln. Die Ladeautomatik des Elektrofahrzeugs lässt dann nur einen so hohen Ladestrom zu, wie die Stromquelle zur Verfügung stellen kann.

Was bringt eine Wallbox?

Für Ladeleistungen von 11 Kilowatt (3 x 16 Ampere) oder 22 Kilowatt (3 x 32 Ampere) ist eine fest installierte Ladestation, eben die Wallbox, notwendig. Sie enthält normalerweise die erforderlichen Schutzeinrichtungen und auch die Kommunikationseinrichtungen zum Elektrofahrzeug. Die Kommunikation zwischen der Ladestation und dem Elektrofahrzeug erfolgt über zwei kleine Pilotkontakte im Steckertyp 2.

Sind besondere elektrische Schutzvorkehrungen notwendig?

Jeder Ladeanschluss, egal ob an einer Schuko- bzw. Camping-Steckdose oder an einer Ladestation, muss mit einer Überstrom-Schutzeinrichtung zum Schutz bei Überstrom geschützt werden. Zum Schutz gegen den elektrischen Schlag ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vom Typ B (allstromsensitiv) vorzusehen. Der Ladestromkreis muss unabhängig von allen anderen Endstromkreisen der Gebäudeinstallation errichtet werden.