Waiblingen

Schnee im April: Besorgte Bauern

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Unten im Tal blüht’s weiß, oben auf dem Berg auch. Da sieht man’s nur nicht, denn da liegt der Aprilschnee. © Ramona Adolf

Waiblingen. Der Spargel hat’s noch recht kuschelig, aber die Erdbeere friert. Das zum April passende Sauwetter ist nicht ganz das, was sich Wein-, Obst- und Spargelbauern in dieser Jahreszeit wünschen. Aber es könnte noch schlimmer kommen. Drum: Daumen drücken, dass die Wolkendecke hält.

„Ums Eck isch noch nix“, sagt Martin Körner, Obstbauer aus Backnang-Strümpfelbach und Mitglied im neuen Vorstand des Kreisbauernverbands. Aber so richtig gut schlafen kann er trotzdem augenblicklich nicht. Das Wetter! Ein richtiger April. Es ist kalt, es regnet dauernd, und jetzt kommen auch noch Schnee und Graupel dazu. Es sei, sagt Körner „ein bissle lästig“. Denn gerade blühen Kirschen, Äpfel, Birnen und die Quitten starten. Die Kirschen, sagt Körner, seien eigentlich „in trockenen Tüchern“. Aber Apfel und Birne warten noch auf die fleißigen Bestäubungs-Helferlein. Die Bienen seien ja, sagt Körner, schon längst aktiv, seien auch schon fleißig gewesen, aber bei so einem Wetter wollen nicht mal die Wildbienen fliegen.

Körner hofft, wie alle anderen Obst- und Beerenbauern auch, dass das Wetter wenigstens so bleibt, wie es ist. Nass, aber temperaturmäßig moderat. Besser wären natürlich Sonnenschein und sanfte Wärme. Doch katastrophal wäre, wenn der Himmel strahlt und die Temperaturen in der Nacht unter null gehen. Bis minus zwei Grad können Apfel und Birne in der Blüte noch verkraften, dann wird’s gefährlich. Und wenn Apfel und Birne schon minus zwei Grad fühlen, dann ist’s am Boden, wo die Erdbeeren wachsen sollen, noch viel, viel kälter. Drum, sagt Körner, seien die Erdbeeren-Bauern auch gerade voll im Stress: Abdeckung drauf, um Schnee und Kälte abzuhalten, Abdeckung runter, um die paar Sonnenstrahlen einzufangen.

Abdecken können die Wengerter nicht. Die Ellwangers vom Winterbacher Weingut beobachten das Thermometer mit Argusaugen. Der Schnee mache nichts, aber wenn die Temperaturen unter null rutschen, dann erfrieren die frischen Triebe. Es sei schon „Spitz auf Knopf“, aber noch hoffen sie. Ganz entspannt ist dagegen noch Karin Bauerle. Ihr Spargel vom Schmidener Feld ist bestens geschützt. Denn er wächst ja unter der Erde. Einzig der grüne Spargel könnte sich bei Bodenfrost an den Spitzen Erfrierungen holen. Deshalb ist er mit Folie abgedeckt. Karin Bauerle betrachtet das Wetter quasi als Erholungspause. „Heute brauchen wir nicht raus“, sagt sie. Wenn’s dann wieder besser wird, muss sie wieder auf die Felder.

Und wenn’s jetzt doch noch richtig kalt wird? Tja – im Hamburger Alten Land nutzen die Obstbauern bei solchen Gelegenheiten einen Trick der Natur: Eis schützt nämlich vor Kälte. Deshalb besprühen sie die blühenden Bäume zum Schutz vor der Kälte mit Wasser. Dank der kristallenen Hülle passiert dann der Blüte und den frischen Trieben nichts. Aber hier im Rems-Murr-Kreis, sagt Martin Körner, kann sich das keiner leisten. Keiner hat so viel Wasser zur Verfügung.

Bauernregeln: April

Wenn der April stößt rau ins Horn, so steht es gut um Heu und Korn.

Aprilschnee bringt Gras und Klee.

Schnee im April – gut düngen will.

Ist der April zu schön, kann im Mai der Schnee noch wehn.

Bringt der April viel Regen, so deutet der auf Segen.

April kalt und nass füllt Scheuer und Fass.

Bleibt der April recht sonnig und warm, macht er den Bauern auch nicht arm.

Hat Sankt Peter (27. April) das Wetter schön, kannst du Kohl und Erbsen sä’n.

Friert’s am Tag von Sankt Vital (28. April), friert es wohl noch fünfzehn Mal.

Regen auf Walpurgisnacht (30. April auf 1. Mai) hat stets ein gutes Jahr gebracht.