Waiblingen

Schulschließungen wegen Omikron: Bereiten sich die Lehrer bereits darauf vor?

Schulklasse
Jedes ukrainische Kind, das zur Schule gehen will, soll das auch tun können. © ZVW/Gaby Schneider

Nachdem Lehrergewerkschaften mehrfach erneute Schulschließungen ins Spiel brachten, wächst bei einigen Eltern die Sorge, die Vorbereitungen dafür könnten bereits laufen - und sogar im Interesse mancher Lehrer sein. Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule und geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen, kann beruhigen.

Lehrerverbände forderten Schulschließungen

Es hatte einen Beigeschmack: Ausgerechnet die Lehrerverbände forderten kurz vor Weihnachten als Erstes, erneuten Distanzunterricht „nicht auszuschließen“, und blieben bei dieser Haltung auch während der jüngsten Kultusministerkonferenz im Januar. Argument war dabei unter anderem der Gesundheitsschutz der Lehrkräfte. Offenbar weniger der für die Kinder. Denn zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen, darunter Depressionen, Angst- und Essstörungen, bei Kindern durch die pandemiebedingten wochenlangen Schulschließungen stark zugenommen hat. Von den entstandenen Bildungslücken ganz zu schweigen.

Nun hat die seit Montag (10.1.2022) geltende Corona-Verordnung Schule des Landes Baden-Württemberg den Schulleitungen wörtlich „flexible Reaktionsmöglichkeiten“ eingeräumt. Mit Zustimmung der zuständigen Schulaufsichtsbehörde sei der Übergang zum Fernunterricht oder Hybridunterricht möglich. „Ich habe schon Sorge, dass manche Schulen je nach Engagement auf eine Schulschließung hinarbeiten könnten“, berichtet eine zweifache Mutter aus Weinstadt. „Es gibt sicher sehr engagierte Lehrer, aber vielleicht ist es für manche auch einfach bequem oder sicherer, ins Home-Schooling zurückzukehren. Dabei müsste das nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr ein Tabu bleiben.“ Vor allem die fehlende Verlässlichkeit und die Angst vor Willkür belasteten sie. Sie stelle sich die Frage, nach welchen Kriterien eine Klasse oder Schule geschlossen werden könne und ob es überhaupt objektive Kriterien gibt.

Rybak: "Wir alle wollen unsere Kinder in der Schule haben"

Doch ist diese Sorge berechtigt? Dürfen Schulen wirklich mehr oder minder machen, was sie wollen?

„Ich persönlich glaube nicht, dass es wieder zu Schulschließungen kommt“, sagt Axel Rybak, geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen. „Außerdem – und da spreche ich für alle mir bekannten Schulen in Waiblingen - würden wir wirklich alle Mittel ausschöpfen und unsere gesamte Energie investieren, um die Schulen offen zu halten.“ Und: „Wir waren mit den Aussagen der Gewerkschaft alles andere als glücklich.“ Er kenne keinen Kollegen und keine Kollegin, der oder die lieber online unterrichten würde als in Präsenz. Auch nicht aus Angst vor einer möglichen Corona-Infektion.  Rybak: „Wir alle wollen unsere Kinder hier in der Schule haben.“

„Wir haben immer noch mit den sozialen Folgen des letzten Lockdowns zu kämpfen“, so Rybak. Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, soziale Schwierigkeiten hätten unter den Schülern deutlich zugenommen. Die Zahl und das jünger werdende Alter der betroffenen Schüler seien erschreckend.

Welche Leitlinien gelten, um eine Klasse oder gar Schule in den Fernunterricht zu schicken?

Zunächst einmal gebe es eine klare Vorgabe, erklärt Rybak. Eine Klasse müsse wie bisher in den Fernunterricht gehen, wenn 20 Prozent der Schüler binnen zehn Tagen mittels PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet würden. Kürzlich genesene oder doppelt geimpfte Schüler seien von dieser Zählung ausgenommen. „Das kam bei uns bislang so gut wie nie vor“, so Rybak. Der in der neuen Landesverordnung festgeschriebene Handlungsspielraum beziehe sich ausschließlich auf die Ressourcenknappheit, also die Verfügbarkeit der Lehrer - nicht auf das Infektionsgeschehen unter den Schülern. „Wenn zu viele Lehrer zeitgleich krank werden oder anderweitig ausfallen und sich kein Ersatz findet, ist es den Schulleitungen erlaubt, Fernunterricht für einzelne Klassen oder Schulen zu veranlassen.“

Lehreraustausch unter den Waiblinger Schulen

Damit das möglichst nicht passiert, hätten die Waiblinger Schulleitungen bereits Notfallpläne erarbeitet und auf die Anordnung des Schulamtes hin feste Partnerschaften aus mehreren Schulen gebildet, um Lehrer in Abwesenheit gegenseitig zu ersetzen. Das Stauferschulzentrum bilde beispielsweise eine Notfall-Partnerschaft, ebenso wie das Salier-Schulzentrum. "Zudem haben wir uns am Mittwoch in einer Videokonferenz verständigt, dass wir uns im Falle eines Falles alle kurzschließen und eine 'Waiblinger Lösung' finden", berichtet Rybak. Man nehme somit alle Waiblinger Schulen in eine "Verantwortungs-Gemeinschaft", nicht nur jeweils zwei oder drei, wie es das Schulamt in Backnang fordere. Man sei handlungssicher und könne auf zahlreiche Praxiserfahrungen aus dem vergangenen Corona-Jahr zurückgreifen.

„Glücklicherweise hatten wir nach den Weihnachtsferien kaum Corona-Fälle unter den Schülern, da blieb es erstaunlich ruhig“, berichtet Rybak. Drei Lehrkräfte seien positiv getestet worden, alle waren zum Zeitpunkt der Infektion geimpft gewesen, in einem Fall sogar geboostert. „Wir wissen, dass Omikron sehr offensichtlich sehr ansteckend ist. Trotzdem denke ich nicht, dass eine große Schule wie die unsere schließen muss“, sagt Rybak. Allenfalls kleinere Grundschulen – „falls beispielsweise von fünf Lehrkräften plötzlich drei ausfallen“ – könnten betroffen sein. 

Nachdem Lehrergewerkschaften mehrfach erneute Schulschließungen ins Spiel brachten, wächst bei einigen Eltern die Sorge, die Vorbereitungen dafür könnten bereits laufen - und sogar im Interesse mancher Lehrer sein. Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule und geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen, kann beruhigen.

Lehrerverbände forderten Schulschließungen

Es hatte einen Beigeschmack: Ausgerechnet die Lehrerverbände forderten kurz vor Weihnachten als Erstes,

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