Waiblingen

Schwaben-Ausstellung im Landesmuseum

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Christoph Sonntag in echt und als Starter-Figur zur großen Schwaben-Ausstellung in Stuttgart. © Palmizi / ZVW
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Keine Ideenblase: Fliegenfänger aus Waiblingen. © Palmizi / ZVW
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Kärcher-Saubermacher neben dem Kittelschurz. © Palmizi / ZVW

Stuttgart/Waiblingen. Kein Schwabe geht mehr zum Lachen in den Keller. Dass wir aber viel über uns selbst zu lachen haben, das lehrt einen die große, aktuelle Schwaben-Schau „zwischen Mythos und Marke“ im Landesmuseum. Blicken wir mal rein, was speziell der Remstäler an sich selbst entdeckt. Vorab klar: Er ist halt ein Pfundskerle, vor allem als Bästler und Schaffer. Manchmal humorbegabt.

Video: Christoph Sonntag in der Schwaben-Ausstellung.

Christoph Sonntag, unsere Fachkraft aus Waiblingen für Selbstbespiegelung nach Till Eulenspiegel-Art, wollte es nicht glauben, konnte es nicht. Bis die Zeitung ihn vor Ort schleppte.

Gut, Sonntag hatte da noch was im Hinterkopf. Irgendwann mal riefen die Macher der Schwaben-Ausstellung bei seinem Büro an, ob sie ein Bild von ihm verwenden dürfen. Da muss er wohl Zustimmung gegrummelt haben. Jetzt aber, hoch in den dritten Stock im Alten Schloss, die Aufzugtüre öffnet sich. Und, schau an, er sieht: sich. In Überlebensgröße. Im Verein mit, allemal eine Ehre, den historischen Humorgrößen Häberle und Pfleiderer. Sonntag, unserem Mann des Wortes, fehlen kurz die selbigen. Dann nimmt er die Sache fürs Foto in die Hand. Frechheit siegt, sagt sich ja auch der Schwabe. Ein Rednerpult, das da verloren rumsteht, das lässt sich doch umkippen. Getan, dann draufgestanden. Und schon war er in Augenhöhe mit himself. Fertig für die Pose für die Fotografin.

Auch MC Bruddaal ist dabei

Es geht grad so weiter. Und dem Remstäler muss da das Herz aufgehen. Nebendran werden auf einer Leinwand Szenen gezeigt. Von Häberle und Pfleiderer. Dann: Hannes und der Bürgermeister kommen lang und vor allem breit, wie sie halt sind, ins Bild. Und eine kurze Sequenz zeigt doch glatt eine neue zungenfertige Humorkraft aus Rems-Landen, unseren MC Bruddaal, alias Henrik Brislow aus Schorndorf. Er gibt ein Maultaschenlied uns allen zum Fraße. Da verbrennt man sich doch gern die Gosch, an so einer heißen Maultaschensupp.

Unser Völkle, das wanderlustige

So also wird der Schwaben-Mythos eingeläutet. Mit gleich mal zwei Marken aus dem Reich zwischen Stuttgart und Ostalb. Dann schließt sich in der Schau eine Bildungsstrecke an. Wie sich unsereins völkerhistorisch herausgebildet hat aus dem Konglomerat von Sueben und Alemannen. Der Besucher kann sich dabei auch politisch locker machen. Alle Herkunftsbezeichnungen sind nun mal relativ zu sehen. Denn unser Völkle zeigte sich immer schon so wanderlustig, dass die geografischen Pfeile aus allen Ecken des Kontinents rühren. Den Überblick über die alten Schwaben-Zentren Ulm und Augsburg wird der Remstäler schnell überspringen, trotz der prächtigen Exponate aus den Händen von Silberschmieden und Holzschneidern. Durchaus genial auch, wie in einem großeren Kabinett die Kunst-Moderne aus dem Ländle abgehandelt wird mit Originalen von Baumeister, Hölzel und Schlemmer. Der Besucher sollte pflichtschuldig die Meisterdenker-Ecke bedenken mit einem Abstecher. Friedrich Hegel, der Stuttgarter Tiefenphilosoph, hat nicht nur Karl Marx gedanklich und begrifflich aufmunitioniert, man kann auch Spaß mit ihm haben. Sei’s mit der Erzählung, dass er am Lehr-Standort Berlin immer noch so schwäbelte, dass die Studentenschaft erst eine Fremdsprache lernen musste. Und Hegel, den Ober-Dialektiker, kann man jederzeit missbrauchen zu einem Wortspiel in Frageform. Es ist doch gewiss so, fragen wir Christoph Sonntag, dass speziell im schwäbischen Dialekt die Dialektik aufs Schönste aufscheint. Sonntag weiß, dass er jetzt liefern muss, und er pariert treffsicher, nachzuschauen im Video, das auf zvw.de zu sehen ist. Ja, so ist es: In der Aufforderung „Dädsch mer nedd“, sagt Sonntag, ist alles angelegt. Klingt ganz freundlich, dieser gutturale Laut macht die Gosch ja auch breit. Andererseits: Es ist halt doch ein Befehl.

Kehrwoch und Kittelschurz

Weiter geht’s im Schnelldurchlauf. Die „Tagesthemen“-Frau Caren Miosga hat bei ihrem Beitrag über die Stuttgarter Ausstellung uns Schwaben der Nation zum Gespött ausgeliefert. Darf uns nicht wundern. Zu sehen in der Glotze war ein Teller, ein zerbrochener, den irgendjemand aus schierer Klemmerei mit Draht wieder heile machen wollte. Damit sind wir im Kapitel über die Kehrwoch und den Kittelschurz. Blick nach oben zu einem Gerät neuerer Bauart im Gewande von Gelb und Schwarz. Der Hochdruckreiniger, der Kärcher, betitelt mit einer listigen Überschrift: „Kärcher, die Männerdomäne beim Putzen“. Die Ausstellungsmacher indes können nicht ganz sauber sein, sagt sich der Kärcherianer. Steht doch bei der Herkunftsbezeichnung eindeutig der Ort Waiblingen. Stihl ist nicht Kärcher, auch wenn die Waiblinger zudem nebenbei Hochdruckreiniger bauen lassen.

Dem Schwaben seine Spätzle

Der Kreis schließt sich fast, noch fünf Meter zum Ausgangspunkt, zur Verherrlichung von Christoph Sonntag. An diesem Stand boten die Ausstellungsmacher nochmals alles auf, was ins Klischee passt, das ja immer irgendwie trifft. Dem Italiener seine Nudel, dem Schwaben seine Spätzle.

Man glaubt es nicht, wer sich alles schon am halbmaschinellen Teig-in-den-Topf-Drücken versuchte. Der Blick geht zu dem Gerät, das sich in Mutters Schublade unter der Küchenplatte findet.

Der "Original Spätzles-Schwob"

Der Klassiker: ein hebelartiger Apparat mit langen Griffen. Aus Alu, wenig glänzend. Doch ein Hingucker. Und beim Hingucken sticht es ins Auge, na klar: der „Original Spätzles-Schwob“, gefertigt von der Robert Kull GmbH in Remhalden, nur echt mit den runden Löchern für den Teigauslass. Das Gerät ist nicht totzukriegen.

Die Kull GmbH gibt es zwar nicht mehr, aber eine Mitarbeiterin, eine schaffige natürlich, hat die Seelensache den Männern aus der Hand genommen und drückt von Schorndorf aus die patente Gerätschaft in den Markt.

Von da aus ist es nicht mehr weit zum Zungenbrecher aus der Sonntags-Gosch: „I han bei Spätzlesb’steck z’spät b’stellt.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung ist noch bis 23. April 2017 im Landesmuseum Stuttgart zu sehen.

Alle Infos finden Sie hier.