Waiblingen

Schwerer Diebstahl: Haftstrafe für Kofferdieb

amtsgericht1[1]_0
Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Es kommt nicht so häufig vor, dass ein Gericht die Forderung der Staatsanwaltschaft voll übernimmt, doch in diesem Fall hatte der Täter nach Ansicht des Richters kein gnädigeres Urteil verdient: Wegen fortgesetzten schweren Diebstahls muss der bereits zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilte Mohammed M. weitere fünf Monate hinter Gitter verbringen.

Im Urteilsspruch bescheinigte Richter Martin Luippold dem Angeklagten „schädliche Neigungen“ und „besondere Dreistigkeit“.

In der Verhandlung im Waiblinger Amtsgericht listete Luippold eine Vielzahl von Missetaten des Algeriers auf. Vor allem in Zügen und Bahnhöfen griff der junge Mann laut Strafregister skrupellos zu, riss sich das Gepäck von unachtsamen Reisenden unter den Nagel. Auch als Schwarzfahrer und Ladendieb war er unterwegs. Zuletzt kamen laut Staatsanwaltschaft zwei Fälle hinzu - im Juli 2017 soll der Angeklagte in der S-Bahn vom Hauptbahnhof Richtung Kirchheim einem schlafenden Reisenden einen Rucksack mit Kleidungsstücken und einem Geldbeutel mit 90 Euro gestohlen haben, wenige Wochen davor mit einem Komplizen ein Laptop, das im Hauptbahnhof auf einer Bank lag. Auf diese Weise wollte er Schulden begleichen. Auf die Schliche kamen die Ermittler ihm mit Hilfe von Videoaufnahmen. Auch mit Rauschgift kam Mohammed M. in Kontakt.

Ein Fall von Kleptomanie

Prozessbeteiligte sprachen von einer Kleptomanie, die nicht untypisch sei für Menschen, die in Europa zum ersten Mal in ihrem Leben Wohlstand und Reichtum erleben. Da greift so mancher eben unerlaubt zu - so auch der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mohammed M., der zum regelrechten Seriendieb wurde. Ob ihm die schon im Vorjahr vom Waiblinger Amtsgericht verhängte Strafe keine Lehre gewesen sei, wollte Richter Luippold wissen, und erhält als Antwort nur Schweigen.

Im Sommer 2015 hielt sich der Angeklagte nach eigenen Angaben mit einer Handballmannschaft seiner Schule in Serbien auf, wo er plötzlich den Entschluss fasste, in Europa zu bleiben.

Sport half ihm nicht weiter

Vor Gericht nannte er seine damalige Entscheidung falsch. „Jetzt bin ich im Gefängnis, habe nichts Positives gemacht“, bekannte er. Der Sport hat ihn jedenfalls nicht von der schiefen Bahn abbringen können - in Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte, spielte er unter anderem in Welzheim und in Kernen. Jetzt wünsche er sich, nach Frankreich zu reisen, wo eine Tante wohne.

Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich darin einig, bei Mohammed M. das Jugendstrafrecht anzuwenden, es sei, so die Staatsanwältin, von jugendtypischen Taten auszugehen. Ohnehin konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob er 1996 oder 1999 geboren wurde. Der Verteidiger wies darauf hin, dass sein Mandant immer seine Schuld zugegeben habe. Den Diebstahl des Laptops räumte der Angeklagte ein: „Ich entschuldige mich dafür.“ Aber den Rucksack in der S-Bahn, den habe er nicht geklaut.