Waiblingen

Seit Monaten sucht Waiblingen für die Ortschaft Hohenacker einen neuen Ortsvorsteher - gibt es nun endlich geeignete Kandidaten?

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Wer übernimmt künftig den Posten des Ortsvorstehers im Rathaus von Hohenacker? © Ralph Steinemann

Monatelang schon wird ein neuer Ortsvorsteher für Hohenacker gesucht. Fatih Ozan, der den Posten vor fünfeinhalb Jahren übernahm, hat das Amt wie andere zuvor als Karriere-Sprungbrett nutzen können – und ist nun seit Sommer Waiblinger Stadtkämmerer.

Er trat damit die Nachfolge von Rainer Hähnle an, der sich nach zuletzt 16 Jahren als Kämmerer in den Ruhestand verabschiedete. Wegen Krankheit konnte Fatih Ozan erst zum 1. August 2020 und nicht schon Anfang Mai die Stelle übernehmen.

Derweil blieb der Posten des Ortsvorstehers von Hohenacker trotz Ausschreibung vakant – weshalb der Hegnacher Ortsvorsteher Markus Motschenbacher nun übergangsweise aushilft. Die Stelle wurde von der Stadt Waiblingen zum dritten Mal ausgeschrieben – und mittlerweile liegen nach Angaben von Oberbürgermeister Andreas Hesky neue Bewerbungen vor.

Weitere Bewerbungen möglich

Die Bewerbungsfrist dafür lief bereits am 9. Oktober 2020 ab. Laut Hesky handelt es sich aber um keine Ausschlussfrist. Sprich: Wenn sich jetzt nach Ablauf der Frist noch jemand meldet, dann kann diese Person im Bewerbungsverfahren noch berücksichtigt werden. Schließlich ist das Amt des Ortsvorstehers – anders etwa als das Amt eines Oberbürgermeisters oder Baubürgermeisters – keine Wahlbeamtenstelle. Zuvor wurde das Amt nach Heskys Angaben bereits zweimal im Frühjahr ausgeschrieben.

Eine Frage der Qualifikation der Bewerber und ihrer Ansprüche

„Auf die beiden bisherigen Ausschreibungen der Stelle sind zwar Bewerbungen eingegangen, die aber nicht zu einer erfolgreichen Besetzung führten", stellt Hesky klar. Da es sich um Personalien handelt, könne er keine detailliertere Information geben – außer dem Hinweis, dass dies oft an der Qualifikation der Bewerbenden oder an den geforderten Rahmenbedingungen der Bewerbenden lag, auf die nicht eingegangen werden konnte.

„Ein Zeichen von Fachkräftemangel“

Dass die Probleme bei der Besetzung der Stelle etwas mit Corona zu tun haben, glaubt Hesky nicht. „Das hat nichts mit Corona zu tun. Habe ich auch noch nie gesagt… es ist ein Zeichen von Fachkräftemangel. Und Ortsvorsteher zu sein, muss man wollen“, betont Hesky. Das Amt des Ortsvorstehers beinhalte die Leitung von Sitzungen und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verpflichtungen. Es sei ein verantwortungsvoller Posten, der auch Gestaltungsspielraum bietet. „Aber das muss einem auch liegen.“

Ortsvorsteher: Ein Sprungbrett für die Karriere

Die Ortsvorsteherstellen in Waiblingen sind nach Heskys Angaben im Vergleich mit anderen Ortsvorsteherstellen gut dotiert und bieten ein Sprungbrett für die weitere Karriere. Er denkt hier an Rebecca Schwaderer, die Vorgängerin von Fatih Ozan in Hohenacker, die am 18. Januar 2015 zur Bürgermeisterin der Gemeinde Möglingen im Landkreis Ludwigsburg (rund 10 000 Einwohner) gewählt wurde. Oder an den früheren Hegnacher Ortsvorsteher Matthias Winter, der im Januar 2014 Bürgermeister der Gemeinde Römerstein wurde (Kreis Reutlingen, rund 4000 Einwohner).

Wichtig für die Leitung der Sitzungen des Ortschaftsrats

Markus Motschenbacher übernahm nun zusätzlich zu seinem Posten in Hegnach die Aufgabe als Interimsortsvorsteher von Hohenacker. Das Thema sollte am 30. September im Ortschaftsrat von Hohenacker behandelt werden, die Sitzung wurde dann aber auf Mittwoch, 4. November, verschoben. Grund: Es hätte ansonsten nicht mehr Tagesordnungspunkte gegeben. Die Bestellung zum Interimsortsvorsteher hat nach Heskys Darstellung vor allem für die Leitung der Ortschaftsratssitzung Bedeutung. „Ansonsten läge die Sitzungsleitung beim ehrenamtlichen Stellvertreter. Da tun sich ehrenamtliche Ortschaftsräte manchmal schwerer, weil sie schließlich auch ihrer Fraktion verpflichtet sind.“

Wie lang muss Markus Motschenbacher die Vertretung stemmen?

Wie lange Markus Motschenbacher die Vertretung macht, ist nichts, was er selbst festlegen kann. „Das ist keine Entscheidung von Herrn Motschenbacher. Er ist kein – wie gesagt – Wahlbeamter. Er ist Beamter der Stadt Waiblingen. Die Übernahme von Vertretungstätigkeiten gehört an allen Arbeitsplätzen dazu“, betont OB Andreas Hesky. Die Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher vertreten sich nach Angaben des Oberbürgermeisters schließlich untereinander. „Das ist nicht das erste Mal. Frau Tiemann war im Mutterschutz und in Elternzeit und wurde intern vertreten. Nach dem Todesfall von Frau Wenninger hätte Herr Ozan die Vertretung in Bittenfeld übernehmen sollen. Wegen seines krankheitsbedingten Ausfalls ging das nicht ohne weiteres.“


„Wenn es möglich ist, wird die Stelle rasch besetzt“

Im Juli 2020, bei der Verabschiedung von Fatih Ozan in Hohenacker, wurde nach Heskys Angaben mit dem Ortschaftsrat von Hohenacker besprochen, dass die Stelle im Zeitraum September/Oktober 2020 zum dritten Mal neu ausgeschrieben wird. „Wenn es möglich ist, wird die Stelle rasch besetzt.“

Wenn jemand von außen kommt, der in einem Beamtenverhältnis ist, dauert es nach Heskys Erfahrung zumeist drei Monate, bis es zu einem Wechsel kommt – und zwar aufgrund der geltenden gesetzlichen Frist. Bei internen Bewerbungen von Mitarbeitern der Stadt Waiblingen könnte es natürlich schneller gehen.

Zwei Ortschaften generell von einem Ortsvorsteher leiten lassen?

Der Zeitaufwand, den eine Vertretung für einen Ortsvorsteher erfordert, kann laut Hesky nicht genau abgeschätzt werden. „Es kommen die Ortschaftsratssitzungen dazu und manche Präsenzzeit in Hohenacker. Das geht aber zumeist durch eine gute Einteilung.“ Dass ein Ortsvorsteher sich regulär hauptamtlich um zwei Ortschaften kümmert, ist nach Heskys Darstellung gar nicht möglich.

Dieser wäre dann nur noch zu 50 Prozent für jede Ortschaft verfügbar, wenn man den Ortsvorsteher in zwei Ortschaften einsetzt, bei gleichem Gehalt. Oder er müsste laut Hesky mehr als 100 Prozent arbeiten, was rechtlich nicht zulässig sei, selbst wenn man mehr bezahlen würde. Und vieles von dem, was in Ortschaften umgesetzt wird, hängt maßgeblich am Posten des Ortsvorstehers. 

Das Amt des Ortsvorstehers findet Andreas Hesky grundsätzlich weiterhin zeitgemäß – und eine Abschaffung kommt für ihn nicht infrage. „Da gibt es keinen Zweifel.“

Monatelang schon wird ein neuer Ortsvorsteher für Hohenacker gesucht. Fatih Ozan, der den Posten vor fünfeinhalb Jahren übernahm, hat das Amt wie andere zuvor als Karriere-Sprungbrett nutzen können – und ist nun seit Sommer Waiblinger Stadtkämmerer.

Er trat damit die Nachfolge von Rainer Hähnle an, der sich nach zuletzt 16 Jahren als Kämmerer in den Ruhestand verabschiedete. Wegen Krankheit konnte Fatih Ozan erst zum 1. August 2020 und nicht schon Anfang Mai die Stelle

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