Waiblingen

Seniorenresidenz schließt: Wohin mit den Bewohnern?

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Bis Ende Mai müssen die Bewohner aus dem Heim ausziehen. Neue Plätze für sie zu finden ist schwierig. © pixabay (CC0 Public Domain)

Waiblingen-Hohenacker. Für die Angehörigen kam das Aus ganz plötzlich. Am Ostersamstag flatterte der Brief ins Haus, wonach die Seniorenresidenz Maier in Hohenacker wegen Insolvenz dichtmacht. Bis spätestens 31. Mai müssen die Bewohner in anderen Pflegeheimen untergebracht werden. Seitdem laufen die Telefone heiß in den Heimen im Kreis. Doch freie Plätze sind rar. Währenddessen haben in der Seniorenresidenz die letzten Wochen begonnen.

„Ich gebe keine Auskunft.“ Geschäftsführerin Adelheid B. will keine Angaben machen, wie es zur Insolvenz der Seniorenresidenz gekommen ist. Fakt ist, dass das Insolvenzverfahren am 21. März eröffnet wurde. Das bestätigt der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Illig. Vorangegangen war der Pleite ein vom Landratsamt verhängter Aufnahmestopp im September 2017.

Die Gründe dafür stehen laut Heimaufsichtsbehörde im krassen Widerspruch zu dem, was auf der Homepage des Pflegeheims zu lesen ist. „Die Seniorenresidenz Maier ist ein seniorengerechtes, mediterranes und mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Pflegeheim mit 31 Betten“, heißt es da. Versprochen werden Leben und Wohnen wie im Hotel, erfahrene Mitarbeiter und für jeden Bewohner eine Betreuung mit viel Liebe, abgestimmt auf seine individuellen Bedürfnisse von Körper, Geist und Seele.

Mängel bei der Pflege und der Dokumentation

An Letzterem hatte die Heimaufsichtsbehörde beim Landratsamt zunehmend große Zweifel, bis sie schließlich die Reißleine gezogen hat. „Die Heimaufsichtsbehörde war mit dem Heim schon länger in Kontakt“, sagt Landratssprecherin Martina Nicklaus. Dienstpläne und Pflegedokumentationen seien in der Pflegeresidenz lückenhaft geführt worden, Fachpersonal habe gefehlt. Außerdem seien bei den Kontrollen immer wieder auch pflegerische Defizite festgestellt worden. „Der Aufnahmestopp war zum Wohle der Bewohner nötig, weil es wiederholt Mängel gab, die nicht behoben wurden“, so die Landratsamtssprecherin. Immer wieder seien die Mängel beim Fachpersonal und der Pflegequalität moniert worden, geändert habe sich nichts.

Der Aufnahmestopp am 1. September war dann der nächste Schritt und nach Ansicht der Behörde noch immer ein sehr mildes Mittels. „Das Landratsamt musste seiner Verantwortung im Hinblick auf die Gesundheit der Bewohner gerecht werden“, betont die Sprecherin. Sinn und Zweck des Aufnahmestopps waren aus Sicht des Landratsamts, mit weniger Heimbewohnern die Pflegequalität zu verbessern. Bei einer geringeren Bewohnerzahl und unverändertem Personaleinsatz könne theoretisch mehr Pflegeleistung und Manpower beim einzelnen Bewohner ankommen. Außerdem habe das Personal mehr Zeit, um sich um die Pflegedokumentation zu kümmern und Versäumtes aufzuarbeiten. So weit die Theorie. Die andere Seite: Leere Pflegebetten bringen kein Geld. Weshalb am Ende die vakanten Pflegeplätze wohl direkt in die Pleite geführt haben.

20 Bewohner suchen einen neuen Heimplatz

Eine Insolvenz ist immer schmerzhaft – im Falle der Seniorenresidenz gleich mehrfach. Zur leidvollen Abwicklung gehört, dass für rund 20 betagte Bewohner ein neuer Heimplatz gefunden werden muss. „Der Betreiber ist aufgerufen, Plätze für die Leute zu finden“, sagt Landratsamtssprecherin Martina Nicklaus.

Leicht wird das nicht, weshalb Adelheid B. und die Angehörigen derzeit unter enormem Druck stehen. Bei den Heimen im Kreis laufen die Telefone heiß, so ein Heimleiter gegenüber der WKZ. Auch das Landratsamt berät die Betreiber und die Angehörigen. „Oberstes Ziel ist dabei, dass die Bewohner wieder einen Pflegeplatz finden“, sagt Martina Nicklaus.

Derweil haben die letzten Tage in der Seniorenresidenz begonnen. Für Heimleiterin Adelheid B., die das Heim von ihrem Vorgänger im August 2013 erworben hat und nun vor einem Scherbenhaufen steht. Für die Mitarbeiter. Und für die Bewohner, von denen manche 15 Jahre lang im Haus in Hohenacker gelebt haben.


Tipps und Adressen

Tipps, Adressen von Seniorenheimen und Anlaufstellen finden sich im Seniorenwegweiser.

Wissenswertes steht außerdem im Pflegestützpunkt des Landratsamts.