Waiblingen

Seniorin um 30 000 Euro betrogen

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Mit telefonischen Versprechungen und Drohungen ist eine Seniorin dazu gebracht worden, ihr Erspartes an Betrüger zu übergeben. © Pixabay.com (CC0 Creative Common

Waiblingen/Weinstadt. Innerhalb weniger Tage ist eine 78-Jährige um 30 000 Euro gebracht worden. Satte Gewinnsummen aus einem fiktiven Gewinnspiel versprach ihr ein angeblicher Polizist mehrfach. Jeweils gegen eine Art Bearbeitungsgebühr im vierstelligen Bereich sollte sie das Geld erhalten. Die Seniorin fiel auf die Betrugsmasche herein. Zwei Männer, die bei ihr Geld abgeholt haben, sind nun zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Einer der beiden hat zuletzt in Weinstadt gewohnt.

Mehrfach am Tag hat im Februar bei einer 78-jährigen Waiblingerin das Telefon geklingelt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“ So ähnlich dürfte es geklungen haben, als „Herr Weber, Kripo Ludwigsburg“ ihr mal 7000 Euro, mal 245 000 Euro, mal gar 350 000 Euro versprach. Sie müsse allerdings eine Gebühr bezahlen, sonst könne sie den Gewinn nicht bekommen. Zwischen 2000 Euro und 8000 Euro sollte sie übergeben.

Überforderte Seniorin glaubt den Versprechen

Nachdruck verlieh der Anrufer seinen Forderungen durch Kontrollanrufe – War die Seniorin schon bei der Bank? Wie haben die Angestellten reagiert? Hat sie mit jemandem über die Telefonate gesprochen? – sowie hanebüchenen Drohungen mit Entmündigung, Kontoschließung und mehr, sofern sie nicht zahlen sollte. Die überforderte Seniorin glaubte den Versprechen – und Drohungen – des angeblichen Polizisten. Rund 30 000 Euro übergab sie in bar an Männer, deren Kommen er oder einer seiner „Kollegen“ ihr angekündigt hatten.

Bankangestellte schalten die Polizei ein

Weitere 12 500 Euro hätte sie verloren, hätten nicht aufmerksame Bankmitarbeiter die Polizei alarmiert. Dank Telefonüberwachung, Observation und weiterführenden Ermittlungen schnappten die Beamten mehrere Kuriere bei Geldübergaben.

Angeklagte kommen aus Fellbach und Weinstadt

Fünfeinhalb Monate später saßen nun zwei der Geldboten vor dem Schöffengericht auf der Anklagebank. Gemeinschaftlicher und gewerbsmäßiger Betrug sowie Vorspiegelung falscher Tatsachen legte ihnen die Staatsanwältin zur Last. Auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Bande stand im Raum – diese wurde jedoch im Lauf der Verhandlung fallengelassen, da die Beweise für eine tragende Rolle in einer solchen Organisation fehlten.

Der eine Angeklagte war ein 57-jähriger Fellbacher, der seit acht Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitet und eigenen Angaben zufolge einen Hang zum Glücksspiel und zur Schummelei hat. Der andere war ein 39-jähriger Weinstädter, der nach einem gescheiterten Versuch, sich selbstständig zu machen, wieder zu seinen Eltern gezogen ist. Unter seinen Vorstrafen war auch Betrug gelistet. Beide stammen aus der Türkei, sind arbeitslos und haben Schulden.

Fellbacher entschuldigt sich vor Gericht

Der Fellbacher gab seine Tat zu: Wie er seinen Anwalt erklären ließ, hat er zwischen 20. und 24. Februar 21 000 Euro bei der Seniorin abgeholt. Den Großteil überwies er an Hintermänner in der Türkei, einen Teil behielt er. Laut Aussage eines Waiblinger Kriminalbeamten handelte es sich dabei wohl um 5000 Euro. Für die Kurierdienste sei er per Telefon angeworben worden.

Vor Gericht entschuldigte der 57-Jährige sich für seine Tat – und ließ der Seniorin ein Kuvert überreichen. Es enthielt 5045 Euro, von seiner Familie zusammengetragen als Wiedergutmachung. Richter Kärcher verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft. Die Strafe setzte er zur Bewährung aus, nicht zuletzt wegen der Wiedergutmachung.

Weinstädter bestreitet Tat

Der Weinstädter hingegen bestritt seine Beteiligung an der Betrugsmasche. Am 27. Februar soll er Geld abgeholt haben, so der Vorwurf. Seine Version: Er habe der Frau lediglich einen Döner gebracht und dabei ein Kuvert abgeholt – dies habe er als Freundschaftsdienst für den Fellbacher verstanden.

Dönerlieferung als Tarnung

Diese Darstellung erschien im Licht der Ermittlungen wenig glaubhaft. Ein Beispiel für Widersprüche ist der Döner selbst: Der Weinstädter gab an, am Vorabend versprochen zu haben, den Döner bei der Seniorin vorbeizubringen. Wie die Telefonüberwachung zeigte, wurde jedoch erst am Tag der Geldübergabe beschlossen, für ungewollte Beobachter eine Dönerlieferung vorzuschieben. Außerdem soll er selbst Kontakt zu dem Anrufer gehabt haben. Er wurde zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt – ohne Bewährung.

Der Strippenzieher indes, der Anrufer im Hintergrund, stand nicht vor Gericht. Er ist auch noch nicht in Haft. Wie sich in der Verhandlung zeigte, ist er zwar namentlich bekannt – er hält sich jedoch in der Türkei auf.


So schützen Sie sich: Tipps von der Polizei

Die Polizei rät grundsätzlich: Misstrauisch bleiben!

Geben Sie niemals persönliche Informationen weiter – ob zu Ihren familiären, zu Ihren finanziellen oder zu Ihren Wohnverhältnissen.

Überprüfen Sie Angaben, die Unbekannte Ihnen gegenüber machen. Wenn sich zum Beispiel ein Anrufer als Polizist ausgibt, rufen Sie bei dessen Dienststelle an. Suchen Sie die Nummer selbst heraus oder lassen Sie sich diese von der Telefonauskunft geben.

Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Halten Sie sich stets vor Augen: Auch die Polizei wird niemals Geld oder Schmuck von Ihnen verlangen.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Sie können einfach auflegen.

Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens darüber. Scheuen Sie sich auch nicht, die Polizei zu verständigen (Polizeiposten Weinstadt: Tel. 0 71 51/6 50 61, Notruf: Tel. 110).

Geben Sie diese Tipps auch an Verwandte und Bekannte weiter.