Waiblingen

Sexuelle Belästigung im Solarium?

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Symbolbild. © Alexander Roth

Waiblingen / Weinstadt. Wegen sexueller Belästigung und Nötigung hat ein 32-jähriger Weinstädter am Montag in Waiblingen vor Gericht gestanden. Ihm wurde zur Last gelegt, im Mai vergangenen Jahres eine Mitarbeiterin eines Fitnessstudios in Fellbach begrapscht, in die Kabine eines Solariums geschubst und dort bedrängt zu haben. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

Der junge Mann bestritt den Vorwurf. Eindeutige Beweise für die Anschuldigung gab es ebenso wenig wie eine Gegendarstellung. Die Frau, die der 32-Jährige belästigt haben soll, arbeitet nicht mehr in dem Studio und ist unbekannt verzogen. Sie konnte deshalb nicht vorgeladen werden.

Zwei gegensätzliche Darstellungen

In detaillierter Weise soll sie der Polizei berichtet haben, wie der junge Mann ihr bei einem Trainingsbesuch am frühen Morgen zuerst ans Gesäß gegriffen habe. Als sie ihm später die Kabinentür öffnete, habe er sie hineingeschubst. Er habe sich das T-Shirt abgestreift und versucht, ihr den Pulli auszuziehen. Als sie sich sträubte und den Raum verlassen wollte, habe der massige Mann sie daran gehindert.

Der 32-Jährige stellte die Situation ganz anders dar. Die Frau habe ihm zwar die Tür der Kabine geöffnet – das sei zu dieser Zeit wegen einer Systemumstellung nur Mitarbeitern möglich gewesen – und ihn sogar für kurze Zeit in die Kabine begleitet. Doch das sei das Ergebnis eines harmlosen Geplänkels gewesen. Sie hätten herumgealbert, ob sie sich das wohl traue. In dem Raum sei jedoch nichts vorgefallen. Das hätte auch zu hören sein müssen, sagt er: Die Trennwände seien nach oben hin offen und entsprechend gut dringe jeglicher Schall auch nach außen Richtung Trainingsbereich.

Als er bei einem Besuch am Abend von der Studioleitung auf den Vorwurf angesprochen worden sei (diese lässt ihn übrigens weiterhin in Fellbach trainieren) und später die Polizei vor seiner Tür stand, hätte ihn das kalt erwischt.

Die beiden kennen sich seit mehreren Jahren

Zumal er und die Frau sich schon seit mehreren Jahren kannten. Dem Angeklagten zufolge tranken sie bei seinen Besuchen im Studio mehrmals wöchentlich gemeinsam Kaffee und schäkerten herum. Er habe ihr ab und zu scherzhaft „in den Hüftspeck gegriffen“ oder „Dickerle“ genannt. Über die Angemessenheit solcher Scherze lässt sich trefflich streiten – er jedenfalls sei davon ausgegangen, dass sie für die Frau in Ordnung seien. „Hätte sie einmal gesagt: Hey, lass das! Dann hätte ich das natürlich nicht mehr gemacht“, betont er. Und mehr als Speckkneiferei sei nicht passiert.

Welche Version der Ereignisse im Mai der Wahrheit nun näher kommt, lässt sich nicht feststellen. Eine Videoaufnahme zeigt, wie die beiden die Kabine gemeinsam betreten – allem Anschein nach beide freiwillig. Er hat den Arm locker um ihre Schultern gelegt, von Schubsen oder Drängen ist den Beschreibungen von Richter, Staatsanwältin und Verteidiger nach nichts zu sehen. Nach ein bis zwei Minuten kommt die Mitarbeiterin wieder aus der Kabine. Was in diesen wenigen Minuten passiert ist, ist unklar.