Waiblingen

Sexuelle Belästigung: Kein Urteil

Feature Amtsgericht Gericht Waiblingen
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Waiblingen/Winnenden. Wegen sexueller Belästigung einer 18-Jährigen hat sich ein 25-jähriger Mann vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Die Staatsanwältin warf ihm vor, die junge Frau am Gesäß angefasst zu haben. Als sie ihn aufforderte, damit aufzuhören, soll er aufgestanden sein und sich dann an die Hose gefasst haben. Das Verfahren gegen den jungen Mann wurde eingestellt.

Sehr weit lagen die beiden Darstellungen nicht auseinander darüber, was sich an jenem Tag im Oktober 2018 im Internat der Paulinenpflege abgespielt haben soll. Die 18-Jährige war nach einem Wochenende zu Hause ins Internat zurückgekehrt. An der Tür wurde sie von Marcos P. (Name von der Redaktion geändert) angesprochen, der sich dort mit Freunden aufhielt. Er habe ihr Komplimente gemacht und sie gefragt, ob er ihren Koffer ins Zimmer tragen solle, berichtete die 18-Jährige. „Er hat einen freundlichen Eindruck gemacht“, sagte sie. In ihrem Zimmer hätten sie sich auf ihr Bett gesetzt. Dort habe er sie gefragt, ob sie einen Porno anschauen wolle. „Ich habe ihm gesagt, ich möchte das nicht“, sagte die junge Frau. Stattdessen hätten sie sich aufs Bett gelegt, wo sie ihm Instagram-Bilder zeigte. Nach Aussagen der Frau fasste er ihr zweimal an den Po, stand aber auf, als sie ihn aufforderte, damit aufzuhören. Dann habe er seine Hose geöffnet, vermutlich um seinen Penis rauszuholen. „Ich sagte: Lass es“, sagte die 18-Jährige. „Dann ist er aus der Tür raus zu seinen Kumpels.“

Die Hand auf die Hüfte gelegt

Ganz ähnlich beschrieb Marcos P. den Vorfall. Er habe seinen Arm um sie gelegt, das ja, und auch seine Hand auf ihre Hüfte, sagte er auf Nachfrage von Richterin Christel Dotzauer. Dass er aber seinen Penis rausholen wollte, bestritt er vehement. Aufgrund der Instagram-Bilder habe er den Eindruck gewonnen, dass das Mädchen gehandicapt sei. Und er habe gemerkt, dass sie nicht will. „Ich sagte dann, ich gehe. Sie hat mich an die Tür gebracht und wir haben noch Tschüss gesagt.“

Auch die Zeugenaussage der ermittelnden Polizistin vom Polizeirevier Winnenden bringt nicht mehr Klarheit. Bei ihrer Aussage bei der Polizei habe die 18-Jährige davon gesprochen, dass sich der Mann an die Hose gefasst habe. „Ich fragte, was er denn aus ihrer Sicht wollte“, berichtete die Polizeibeamtin. „Sie sagte, aus ihrer Sicht wollte er sein Geschlechtsteil rausholen.“

Schwebendes Verfahren: Gefängnisstrafe droht

Am Ende stellte Richterin Christel Dotzauer das Verfahren vorläufig ein. Grund dafür ist ein schwebendes Verfahren vor dem Landgericht, bei dem dem mehrfach vorbestraften Marcos P. eine Gefängnisstrafe droht. Die Strafe, die im vorliegenden Fall möglicherweise rauskommen würde, würde das zu erwartende Strafmaß nicht in die Höhe treiben, erklärte die Richterin. Beide Aussagen, die des Mädchens, aber auch die des Angeklagten seien glaubhaft. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn verurteilen würde“, sagte Dotzauer. Einschlägig vorbestraft war der Mann nicht – trotz vieler anderer Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahl, Raub, Körperverletzung, versuchter Erpressung, Nötigung und Drogenbesitzes.