Waiblingen

Sind sie koalitionsfähig? - Der Neustarter Ralf Nentwich (Grüne) und der alte Hase Gernot Gruber (SPD) im Austausch

Ralf Nentwich
Ralf Nentwich tritt im Wahlkreis Backnang für die Grünen an. Es ist seine erste Kandidatur für den Landtag. © Gabriel Habermann

Als Ralf Nentwich den früheren Kultusminister und aktuellen Spitzenkandidaten der SPD Andreas Stoch kritisiert, knirscht es kurz im Gebälk: Das sei ja wohl nichts als „Wahlkampfgetöse“, wirft Gernot Gruber (SPD) ein – und flugs schalten der Polit-Neueinsteiger und der erfahrene Abgeordnete zurück in den freundschaftlichen Modus.

Es geht schwerpunktmäßig um Bildungspolitik im Koalitions-Check, zu welchem der Zeitungsverlag Waiblingen dieses Mal den grünen Kandidaten Ralf Nentwich und den langjährigen SPD-Abgeordneten Gernot Gruber eingeladen hatte. Beide treten im Wahlkreis Backnang an und beide hoffen auf eine grün-rote Koalition.

Nentwichs Kritik an Andreas Stoch hatte sich auf das Desaster um die digitale Bildungsplattform „ella“ bezogen. Das Projekt ging an den Start, als Stoch Kultusminister in Baden-Württemberg war. Die amtierende Kultusministerin und CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann stoppte später das Vorhaben, das grandios gefloppt war. Momentan versucht man einen Neustart – Ausgang offen.

Die Sicht des Lehrers auf Bildungsfragen

Ralf Nentwich kann bestens mitreden in Bildungsfragen. Als Realschullehrer kennt er Schule von innen; als Leiter des Kreismedienzentrums spielten er und sein Team eine zentrale Rolle, als im Zuge der Corona-Krise Digitalisierung an Schulen dringlich umzusetzen war und ist. Der Kandidat wirbt um Verständnis für die Schulen, die nicht von heute auf morgen einen Medienentwicklungsplan auf den Weg bringen können. Nötig seien übergreifende Konzepte, die von vielen Schulen einer Schulart genutzt werden könnten. Nentwich hofft, das Kultusministerium möge nach der Wahl den Grünen zugeschlagen werden – auch damit Bildung für nachhaltige Entwicklung hohen Stellenwert erhält. Was den Breitbandausbau angeht, blickt Nentwich zuversichtlich in die Zukunft: „Da sind wir grade im Flow.“

Schulen brauchen Unterstützung von IT-Fachkräften

Gernot Grubers Informationen zufolge sind die Schulen zwar jetzt größtenteils mit Geräten ausgestattet, aber das allein reicht nicht. Das Land müsse „mit einsteigen“, damit Schulen umfassend Unterstützung von IT-Fachkräften erhalten. Für genauso wichtig wie den Ausbau der Technik hält Gruber den direkten persönlichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern.

Der SPD sei’s zu verdanken, dass das Land seinerzeit vom „Lehrerabbau-Pfad“ abrückte. Kinder, die jetzt in der Krise weniger Unterstützung und deshalb Lücken aufgebaut haben, „brauchen besondere Unterstützung“, wofür das Land Sondermittel bereitstellen solle. Stellen müssen aus Grubers Sicht entfristet werden, und es kann nicht angehen, dass sich Lehrer während der Sommerferien arbeitslos melden müssen: „Das müsste man als reiches Bundesland stemmen können.“

Die Fehler der Kultusministerin

Susanne Eisenmanns Bilanz als Kultusministerin und ihre Spitzenkandidatur bewerten die beiden Kandidaten unterschiedlich: „Sie hat einfach nicht das Format zur Ministerpräsidentin“, findet Nentwich, und in der Corona-Krise habe sie „konzeptlos“ agiert. Schulen hätten zum Teil freitagnachmittags Infos erhalten, wie sie vom darauffolgenden Montag an agieren sollten – ein Unding. „Gnädiger“ geht Gernot Gruber mit der amtierenden Kultusministerin ins Gericht. Er habe die CDU-Politikerin in Ausschüssen als „offene Diskutantin“ erlebt, die allerdings „teilweise über ihre eigene Forschheit gestolpert“ sei.

Thema Verkehrspolitik und weiterer Ausbau der B 14: Gernot Gruber verweist auf „Schwachstellen“ im Regierungspräsidium, das zu wenig Personal habe; zudem seien „zu forsche Versprechungen“ gemacht worden. Das sieht Ralf Nentwich genauso.

Sanierung von Straßen: Nicht nur versprechen, auch durchziehen

Für den ländlichen Raum wünscht sich der grüne Kandidat „intelligente, vernetzte Systeme“ im Öffentlichen Personennahverkehr. Gernot Gruber lässt unterdessen seit Jahren nicht locker, damit diverse Sanierungen von Landesstraßen und Ortsdurchfahrten auch wirklich umgesetzt werden. Einige Sanierungen sind noch immer nicht auf den Weg gebracht, obwohl das Land Zusagen gegeben hatte: „Das kann’s ja nicht sein.“

Erst was versprechen und es dann nicht halten – das sollten Politiker tunlichst vermeiden, findet Gernot Gruber. Politische Glaubwürdigkeit hält er für eine „ganz wichtige Währung“, und mittels glaubwürdiger Politik ließen sich Protestwähler zurückgewinnen. Gruber setzt darauf, mit den Menschen zu reden, ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte zu haben.

Ähnlich formuliert es Ralf Nentwich. Als er mit einem umgebauten Schäferwagen im Wahlkreis Backnang unterwegs war, kam er mit vielen Leuten ins Gespräch und hörte nicht selten, man fühle sich abgehängt von der Politik.

„Es kann reichen für Grün-Rot“

Zur Koalitionsfrage sagt Kandidat Ralf Nentwich, Grün-Rot sei seine „Lieblingskonstellation“, zumal die Schnittmengen mit der SPD vor allem beim Klimaschutz und in der Bildungspolitik größer seien als in der momentanen Koalition im Land. „Es kann reichen für Grün-Rot. Es bestehen gute Chancen, dass es reicht“, sagt Gruber. Was seine persönlichen Erfolgsaussichten angeht, setzt er auf die „Ausdauer des Dauerläufers“, die „Hartnäckigkeit des Mathematikers“ und Fleiß: „Ich habe engagiert den Wahlkreis vertreten.“

Als Ralf Nentwich den früheren Kultusminister und aktuellen Spitzenkandidaten der SPD Andreas Stoch kritisiert, knirscht es kurz im Gebälk: Das sei ja wohl nichts als „Wahlkampfgetöse“, wirft Gernot Gruber (SPD) ein – und flugs schalten der Polit-Neueinsteiger und der erfahrene Abgeordnete zurück in den freundschaftlichen Modus.

Es geht schwerpunktmäßig um Bildungspolitik im Koalitions-Check, zu welchem der Zeitungsverlag Waiblingen dieses Mal den grünen Kandidaten Ralf Nentwich und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper