Waiblingen

So entwickelt sich der Einzelhandel

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Der Remspark zieht mit dem Supermarkt Real, aber auch den kleineren Geschäften viele Kunden an. © Habermann/ZVW

Waiblingen. Als Einkaufsstadt ist Waiblingen vor den Toren Stuttgarts nicht zu beneiden – trotzdem schlagen sich die Einzelhändler im Vergleich recht gut. Auf den ersten Plätzen im Kreis liegen Backnang, Fellbach und Schorndorf, die über ein großes Hinterland oder Riesenmärkte auf der grünen Wiese verfügen. Beides fehlt in Waiblingen. Der größte Kundenmagnet liegt aber auch hier außerhalb der Altstadt: „Der Remspark ist schon von seiner Größe her ein Zugpferd“, sagt Marc Funk.

Wie der Remspark ziehen auch der Gartenmarkt Dehner und die Mitnahme-Möbelmärkte am Waiblinger Tor Kaufkraft aus dem Umland ab, weiß der Waiblinger Wirtschaftsförderer. Aber auch gut sortierte Geschäfte wie die Großmetzgerei Kübler, Betten Ott und Stoff Eisele ziehen Kunden von außerhalb an. Andererseits geben auch die Waiblinger ihr Geld nicht nur in der eigenen Stadt aus. Kaufkraft fließt ab, und das in stetig steigendem Maße: Das zeigt die Zentralitätskennziffer der IHK, die derzeit bei 94,3 Prozent liegt, vor drei Jahren aber noch bei 96,2 Prozent lag. Eine Entwicklung, die für IHK-Geschäftsführer Markus Beier auch, aber nicht nur, eine Folge des zunehmenden Online-Handels ist: „Die Leute gehen auch nach Stuttgart zum Einkaufen und nach Fellbach zu Kölle, zu XXL und zum Mediamarkt.“

Waiblingen hat keine Giganten auf der grünen Wiese

Im Vergleich zu solchen Giganten hat Waiblingen in den vergangenen Jahren zurückhaltend agiert – und das nicht ohne Grund. „Wir verfolgen unser Zentrenkonzept und das sieht vor, dass in den Außenlagen keine großen Flächen wie im Kalkofen in Endersbach entstehen sollen“, sagt BdS-Chef Ullrich Villinger. Ziel war und ist es, die Händler in der Innenstadt zu schützen, die mit dem Internet-Handel bereits genug Konkurrenz verkraften müssen. Beim Fachmarktzentrum am Waiblinger Tor, in dem heute ein Mitnahme-Möbelmarkt neben dem anderen steht, war zentrenrelevanter Einzelhandel wie Kleidung, Geschirr, Bücher und Spielwaren deshalb ausgeschlossen. Richtig findet das Ullrich Villinger auch aus heutiger Sicht: Andernfalls würde der Handel in der Innenstadt noch mehr leiden. Dass die Innenstadt von den Märkten gar profitieren könne, sei undenkbar. Um Waiblingens überörtliche Bedeutung zu stärken, hätte aber das Postplatz-Forum viel größer geplant und gebaut werden müssen, sagt er: „Das war mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung damals aber nicht möglich.“

Kein Platz in der Innenstadt

Inzwischen ist der Einzelhandel, zumindest was seine Ausdehnung betrifft, an seinen Grenzen angekommen. „Weil wir in der Innenstadt keine Flächen mehr haben, wird sich nicht mehr viel verändern“, meint der BdS-Chef. Zwar ist mit dem Areal zwischen Fronacker- und Bahnhofstraße derzeit ein neues Quartier im Fokus. Aber auch hier gebe es für Einzelhandel keine Riesenfläche. „Die Frage ist, welche Baukörper und welche Höhen möglich sein sollen“, sagt Villinger. Eine weitere Frage, was gebraucht wird. In der Diskussion ist ein Supermarkt, ob die Nachfrage da ist, noch offen. Der Supermarkt Tegut, der vor kurzem im Untergeschoss des Holiday-Inn-Expresshotels eröffnet hat, klagt über zu wenig Kunden. Ein Bekleidungsgeschäft könnte sich der BdS-Chef gut vorstellen - auch mit Blick auf Mode-Breitling und Mode-Käser, die früher viele Kunden hatten, zum Leidwesen zahlreicher Waiblinger aber von der Bildfläche verschwunden sind.

Der Umbruch ist nicht zu übersehen

Auch wenn sich der Einzelhandel nicht mehr groß ausdehnen kann – verändern wird er sich gleichwohl. Der Umbruch und die Leerstände in der Altstadt sind nicht zu übersehen. Das Gebäude von Messerschmied Eisele in der Langen Straße ist verkauft – was reinkommt ungewiss. Für das Haus daneben und für die Musikalienhandlung Neumann werden Käufer gesucht. Das Reisebüro am Marktplatz steht leer, für den Rosenladen wird ein Mieter gesucht. Familie Villinger selbst hat das Gebäude Lange Straße 30 erworben, in der derzeit ein Spielwarenladen logiert. Die Planungen, auch in Verbindung mit der Marktgasse, haben begonnen.

Was in Waiblingen noch gebraucht wird, darüber könnte auch ein Marktgutachten Aufschluss bringen. „Es verändert sich viel“, sagt Villinger. „Eine Marktanalyse würde sich anbieten.“ Grundsätzlich zeigt sich der BdS-Chef zufrieden mit der Situation des Einzelhandels. „Unser Problem ist: Waiblingen hat kein Hinterland.“ In Waiblingen werde aber mit einer attraktiven Innenstadt und Aufenthaltsqualität gepunktet: „Die Leute wollen in schönem Ambiente einkaufen.“

Hohe Kaufkraft

Bei der Kaufkraftbindung liegt Waiblingen im Kreisvergleich auf dem vierten Platz, bei der Kaufkraft aber auf Platz zwei. Nur Korb ist mit 8044 Euro pro Kopf reicher als Waiblingen mit 7897 Euro.