Waiblingen

So funktioniert Inklusion in der Schule

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Unterricht mit den beiden Lehrkräften Laura Stegmeier und Moritz Bellmann. © Büttner / ZVW
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Neundorfer
Schulleiterin Eva Neundorfer-Prade. © Gaby Schneider

Waiblingen. Die Staufer-Gemeinschaftsschule hat einen ungewöhnlich hohen Anteil an Inklusionsschülern. 40 von rund 550 Schülern werden sonderpädagogisch unterstützt. Wie das im Alltag funktioniert, erläutert Schulleiterin Eva Neundorfer-Prade.

Grundsätzlich ist der Umstand bei Stadt und Staatlichem Schulamt bekannt, dass die Inklusionsschüler in Waiblingen ungleich verteilt sind. „In den nächsten Jahren soll die Inklusion mehr in die Fläche gehen“,sagt die Eva Neundorfer-Prade zu den aktuellen Planungen. Im nächsten Schuljahr wird die Staufer-Gemeinschaftsschule davon jedoch noch nichts spüren, denn dann werden es sogar zwei Inklusionsschüler mehr sein. Das hat damit zu tun, dass von den betroffenen Jugendlichen im Sommer noch keiner die Schule verlässt – in den Folgejahren werden es deutlich weniger werden. Bis dahin arrangiert sich die Schule mit den Gegebenheiten. Die Schulleiterin empfindet den hohen Anteil nur bedingt als Zusatzbelastung. Entscheidend sei, wie gut die Lehrerschaft als Team funktioniert, wie intensiv der Austausch mit den Sonderpädagogik-Kollegen gelebt wird. Die Frage, ob sie Inklusion wollen, stelle sich den Schulen im Übrigen gar nicht – sie ist schließlich gesetzlicher Auftrag.

Im Team lässt sich die Herausforderung meistern

Wenn nach eingehender Prüfung klar ist, dass ein Kind besonderen Förderbedarf hat, stehen die Eltern vor der Wahl. Sie können ihr Kind auf eine – vereinfacht ausgedrückt – Förderschule schicken. Oder das Kind „geht in Inklusion“. Das heißt, es besucht die Regelschule wie alle anderen auch. Die Schule bekommt dafür sonderpädagogische Lehrerstunden zugewiesen. Sechs solcher Fachkollegen arbeiten an der Staufer-Gemeinschaftsschule, zwei gehören fest zum Kollegium dazu. Allerdings sind bei weitem nicht alle Unterrichtsstunden mit Inklusionsschülern doppelt durch Lehrer besetzt, sondern allenfalls die, bei denen die jeweiligen Schüler Beeinträchtigungen haben. Diese können sprachlicher Art sein, oder das Verständnis für Rechenaufgaben ist eingeschränkt. Am häufigsten vertreten sind Kinder mit Lernschwierigkeiten. Schwerstmehrfachbehinderte oder Körperbehinderte gibt es an der Staufer-Gemeinschaftsschule nicht.

Teilhabe, wo es möglich ist

Optisch fallen die Inklusionsschüler nicht auf. Und zumindest in den unteren und mittleren Klassen, sagt Eva Neundorfer-Prade, wissen die Schüler untereinander nicht einmal, wer in Inklusion ist und wer nicht. Das entspricht dem Grundgedanken: Teilhabe, wo es möglich ist. Höchstens die Älteren können es anhand der individuellen Lernpläne erahnen, nach denen die Gemeinschaftschüler im je eignen Tempo und mit unterschiedlichen Lernzielen arbeiten. Allerdings gebe es auch Fälle, bei denen es sich im Laufe eines Schuljahrs zeigt, dass die geschützte Umgebung einer speziellen Förderschule für ein Kind die bessere Lösung ist. Bis es so weit kommt, laufen viele Gespräche zwischen Eltern, Lehrern und dem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum an der Comeniusschule, an deren Ende durchaus auch der Verbleib an der Regelschule stehen kann. Grundsätzlich pflegt die Staufer-GMS Kooperationen mit zahlreichen Schulen der Umgebung.

Gegenseite Professionalisierung bei den Lehrern

Für die Lehrer bleiben viele Stunden ohne sonderpädagogische Begleitung. Doch durch den Austausch mit den Fachkollegen können sie auch in diesen Stunden profitieren. Die Schulleiterin beobachtet eine „gegenseitige Professionalisierung“. Vom Maß der Kommunikation hänge entscheidend ab, wie gut die inklusive Arbeit im Unterricht funktioniert. Keine Frage, eine Herausforderung für das ganze Team. Ganz klar: „Inklusion läuft nicht nebenher.“ Ein Faktor ist immer knapp: Zeit. Nicht zuletzt besteht allgemein ein Mangel an Sonderpädagogen.

Zu zweit zu unterrichten, empfänden die Lehrer als entlastend. Eltern auch der Regel-Schüler wüssten das soziale Lernen im inklusiven Schulalltag zu schätzen. Die schönste Seite der Inklusion zeigt sich laut Eva Neundorfer-Prade aber dann, wenn Teilhabe gelebt wird. Im Chor oder beim Trommeln, beim Fußball oder beim Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt – oder diese Woche beim Musical mit der Comeniusschule. Dann zeigt besonders deutlich, dass jeder seine Stärken hat.