Waiblingen

So gefährlich sind Pedelecs wirklich

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Wer Pedelec fährt, sollte unbedingt einen Helm tragen. Redakteur Bernd Klopfer macht's vor. © Ramona Adolf

Waiblingen. In der Nacht zum Donnerstag ist ein 79 Jahre alter Pedelec-Fahrer nach einem Unfall im Krankenhaus gestorben. Die Polizei ermittelt derzeit die Unfallursache. Bereits im Juni war ein 62-Jähriger in Stuttgart-Weilimdorf nach einem Unfall mit dem Pedelec gestorben. Er war der vierte Unfalltote in Stuttgart innerhalb von zwei Monaten. Doch der Eindruck täuscht: Pedelec-Fahrer sind nicht häufiger in Unfälle verwickelt als Radfahrer, die ohne elektrischen Antrieb unterwegs sind.

Zwangsläufig kommt es zwar insgesamt häufiger zu Pedelec-Unfällen. Es sind aber eben auch mehr elektrisch motorisierte Räder auf den Straßen unterwegs. Seit Januar gab es im Bereich des Polizeipräsidiums (PP) Aalen bislang lediglich 17 Unfälle, an denen ein Pedelec-Fahrer beteiligt war. Zwölf davon haben sich im Rems-Murr-Kreis ereignet. Zum Vergleich: 2015 gab es im Kreis insgesamt 25 Pedelec-Unfälle.

Dass im Juli und August beim PP Aalen allein elf Pedelec-Unfälle registriert wurden, hängt schlicht mit der Jahreszeit zusammen. Je wärmer es ist, desto mehr Radfahrer sind auch auf den Straßen unterwegs. Im Gedächtnis bleiben die Unfälle auch, da sie oft schwere Folgen für die Elektroradler haben. Alle Pedelec-Fahrer wurden bei den Unfällen verletzt, vier davon sogar schwer. Dies wird unter anderem auf das meist fortgeschrittene Alter der Pedelec-Nutzer zurückgeführt. Senioren verletzten sich bei einem Sturz leichter und gravierender als junge Radler.

In mindestens acht Fällen war der Pedelec-Fahrer selbst der Unfallverursacher. Auch hier spielt das Alter eine Rolle. Die Unfallfahrer im Raum Aalen waren im Schnitt rund 66 Jahre alt. Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahren werden von der Polizei als "Senioren" eingestuft und gelten damit zu einer Risikogruppe im Straßenverkehr.

Tipps für Ihre Sicherheit

Der Deutsche Verkehrssicherheitstag und das Bundesverkehrsministerium hat in einer Broschüre „Sicher Rad fahren mit und ohne Elektroantrieb“ ein Tipps für sicheres Verhalten im Straßenverkehr gegeben.

  • Machen Sie sich sichtbar! Wer bei Dämmerung oder Dunkelheit gut beleuchtet ist, wird nicht so leicht übersehen. Eine funktionierende Beleuchtung sowie Reflektoren sind Pflicht. Auch helle Kleidung und zusätzliche Leuchtbänder machen es Autofahrenden leichter, Sie rechtzeitig zu erkennen. Jacken oder Westen mit hellen, fluoreszierenden Farben machen Sie am Tage gut sichtbar. Mit retroreflektierender Kleidung fallen Sie in der Dunkelheit auf.
  • Fahren Sie mit Helm – zu Ihrer eigenen Sicherheit!
  • Verhalten Sie sich eindeutig! Nur wer weiß, was Sie vorhaben, kann sich auch darauf einstellen.
  • Geben Sie rechtzeitig und eindeutig Handzeichen, wenn Sie abbiegen oder die Spur wechseln möchten.
  • Beanspruchen Sie den Platz, den Sie brauchen! Behaupten Sie selbstbewusst den nötigen Platz auf der Straße. Je eindeutiger Sie sich verhalten, desto sicherer wird die Situation für Sie und alle anderen.
  • Beachten Sie das veränderte Fahrgefühl bei Pedelecs 25! Pedelecs können schneller gefahren werden und sind meist schwerer als normale Fahrräder. Man muss mit ihnen früher anfangen zu bremsen. Auch das Anfahren und Fahren in Kurven ist ungewohnt.
  • Andere Verkehrsteilnehmer: Bedenken Sie, dass andere Verkehrsteilnehmer Ihre Geschwindigkeit eventuell unterschätzen und nicht mir ihrem schnellen Herankommen rechnen.
  • Fahren Sie vorausschauend! Kreuzungen und Einmündungen bergen Gefahren, auch wenn Sie alles richtig machen. Fahren Sie defensiv, achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmende und suchen Sie den Blickkontakt mit ihnen.
  • Nehmen Sie Rücksicht! Denken Sie immer auch an andere Verkehrsteilnehmer, insbesondere an Fußgänger, Kinder und Senioren.

Mehr zum Thema Pedelec finden Sie in unserer Serie unter www.zvw.de/pedelec.