Waiblingen

So geht es der Hotelbranche: Mäßiger Besuch in Hegnach, ein großes Hotel in Waiblingen hat sogar geschlossen

Hotel
Die Szene ist gestellt, doch so sieht es aus, wenn Silke Frölich an der Rezeption Gäste empfängt. © ALEXANDRA PALMIZI

Bis zur Corona-Pandemie hatte der Tourismus in der Region Stuttgart glänzende Aussichten. Deutliches Zeichen dafür: das neue Holiday Inn Express bei der Volksbank. Im Fellbacher Tower hätte längst ein großes Hotel eröffnet, wären die ersten Bauherren nicht pleitegegangen. Als Ersatz für das Hotel Koch befindet sich ein „Loginn by Achat“ in Planung. Doch mit einem Schlag versetzte das Virus die Branche in eine tiefe Krise – auch in Waiblingen.

Seit Ende März durfte das Hotel Lamm in Hegnach nur Geschäftsreisende empfangen. Wegen der Großbaustelle beim Motorsägen-Hersteller und anderen Projekten war trotz der widrigen Umstände eine gewisse Nachfrage immer gesichert, wie Hotel-Chefin Silke Frölich berichtet. Doch natürlich konnte das nicht verhindern, dass die Gästezahlen massiv einbrachen. 90 bis 100 Prozent Auslastung sind die Betreiber gewohnt – in diesem Frühjahr, in dem nichts ist wie sonst, sind schon 40 Prozent ein Erfolg.

Die Gäste vom Andrea-Berg-Konzert werden fehlen

Seit dem 29. Mai dürfen auch Privatleute wieder übernachten – und vereinzelt tun sie es auch. So waren in den Pfingstferien Familien zu Gast, die eine mehrtägige Fahrradtour durchs Land unternehmen und Hegnach zum Etappenziel auserkoren haben. Nur für eine Nacht, aber immerhin. Bei den Buchungen für die nächsten Wochen und Monate sieht’s schon ein bisschen besser aus, sagt Silke Frölich, manche Besucher wollen für drei oder vier Tage bleiben. Obwohl Großveranstaltungen ausfallen, die dem „Lamm“ ein sicheres Geschäft versprochen hätten, insbesondere das Cannstatter Volksfest und die Heimspiel-Konzerte von Schlagersängerin Andrea Berg: „Da hätten wir das Haus voll gehabt bis unters Dach.“ Mit dem Bus wären die Fans von Aspach nach Hegnach kutschiert worden. Als kleiner Trend lasse sich jedoch beobachten, das die Leute in Deutschland eine Alternative zum Auslandsurlaub suchen. Allerdings fällt auf, dass Buchungen sehr kurzfristig eingehen.

Zu beachten sind die üblichen Abstands- und Hygieneregeln, etwa der Spuckschutz an der Rezeption und Maskenpflicht für die ankommenden Gäste. „Und wir sind den ganzen Tag am Putzen und Desinfizieren.“ Eigentlich bietet das „Lamm“ ein Frühstücksbuffet, das aber weiterhin ausfällt. Stattdessen stellen die Gäste ihr Wunsch-Frühstück per Kreuzchen auf einer Liste zusammen. Essen dürfen sie jetzt wieder – mit Abstand – im Frühstücksraum. Eine kleine Lockerung, die laut Silke Frölich alle freut. Denn das Frühstück wie während des Shutdowns im Zimmer einzunehmen, macht nicht wirklich Spaß. Zum Abendessen gegen die Gäste ins Restaurant Herzstück im gleichen Gebäude, das nach der Zwangspause wieder geöffnet hat.

Kommen genug Buchungen, wird ganz schnell geöffnet

Das Hotel Lamm hat 40 Betten und 20 Zimmer – in eine ganz andere Größenordnung fällt das Holiday Inn Express in der Fronackerstraße mit seinen 118 Doppelzimmern. Mangels Buchungen hatte das moderne Drei-Sterne-Haus nur tageweise geöffnet und bleibt geschlossen – ebenso wie die drei anderen in Friedrichshafen, Villingen-Schwenningen und Karlsruhe, die vom Sierra Hotel Management betrieben werden. Zehn bis 15 Buchungen sollten es pro Tag mindestens sein, sagt Geschäftsführer Uwe Aschke. Ob geschlossen oder geöffnet, das könnte sich aber schnell ändern. Was, wenn sich mit einem Schwung 20 Gäste anmelden? „Dann machen wir sofort auf.“ Derzeit sind die Mitarbeiter freilich nur stundenweise im Haus.

Die Krux: Rein rechnerisch haben ein kleines Hotel oder eine Pension eine passable Auslastung, wenn zehn Zimmer belegt sind – bei fast 200 Zimmern jedoch sind zehn verschwindend wenig. Die Krise sei existenzbedrohend, daraus macht Uwe Aschke kein Hehl. Pfingsten brachte keinen Aufschwung. Jetzt hofft der Geschäftsführer auf Besserung im Juli.

Bis zur Corona-Pandemie hatte der Tourismus in der Region Stuttgart glänzende Aussichten. Deutliches Zeichen dafür: das neue Holiday Inn Express bei der Volksbank. Im Fellbacher Tower hätte längst ein großes Hotel eröffnet, wären die ersten Bauherren nicht pleitegegangen. Als Ersatz für das Hotel Koch befindet sich ein „Loginn by Achat“ in Planung. Doch mit einem Schlag versetzte das Virus die Branche in eine tiefe Krise – auch in Waiblingen.

Seit Ende März durfte das Hotel Lamm in

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