Waiblingen

So haben die Staufer-Schüler in Waiblingen ihr Deutsch-Abitur erlebt

Abi 2020
„Wasabi?! Grün wie die Schule, scharf wie wir“ – Samuel zeigt seinen neuen Pulli mit dem Motto des diesjährigen Staufer-Abiturjahrgangs. © Alexandra Palmizi

Fahrräder reihen sich am Mittwoch vor der Turnhalle 1 der Staufer-Schule. Um 14 Uhr herrscht noch Stille vor dem Gebäude, die Tür ist geschlossen. Drinnen sitzen die Schüler und Schülerinnen seit neun Uhr an ihren Tischen. Jeder hat einen Duden vor sich liegen, etliche Zettel und ein Lunchpaket. 55 Schüler schreiben hier ihre erste Abiturprüfung, und zwar in Deutsch.

Gegen 14.15 Uhr kommt der erste Schüler heraus, der 18-jährige Oliver, nachdem er seine Prüfung abgegeben und seine Hände desinfiziert hat. Zwei Prüferinnen warten bereits auf die Unterlagen. Eine unterhält sich mit ihm über seine Prüfung. Unserer Zeitung berichtet er: „Ich fühle mich schon erleichtert und es war gar nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte.“ Der 18-Jährige verglich das Kunstmärchen „Der goldne Topf“ von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann und den Roman „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse. Dass die Prüfung länger als fünf Stunden dauerte, habe er als nicht so anstrengend empfunden. „Ich bin relativ zufrieden“, zieht der 18-Jährige ein Fazit. Und die Corona-Maßnahmen habe er nicht besonders gespürt.

Nicht alle Schüler schreiben die Prüfung gemeinsam

Dabei gestaltete sich die Abiturprüfung anders als in früheren Jahren. Die Schüler schreiben ihr Abitur normalerweise in einer der kleineren Turnhallen, doch dahin ist übergangsweise der Tafelladen gezogen. Über drei Eingänge betraten die Schüler die große Turnhalle. Ein Schild mit dem Hinweis „Bitte leise – Abitur“ hängt nicht an der Tür. Schließlich befinden sich momentan nur die Oberstufenschüler auf dem Campus.

Vor dem Betreten begrüßten Lehrer mit Masken die Schüler und gaben ihnen einen Spritzer Desinfektionsmittel in die Hände. An welchem Platz die Schüler sitzen, wussten sie bereits. Zwischen den Tischen gab es einen Mindestabstand von eineinhalb Metern. Am Montag hatten die Lehrer schon mit dem Abi-Jahrgang geübt, wie die Prüfung ablaufen wird – um Sicherheit zu schaffen, sagt Schulleiter Volker Losch. Denn: „Für eine Prüfungssituation sind die Maßnahmen nicht gerade Dinge, die zur Beruhigung beitragen.“ Die Aufregung, die bei den Schülern vor einer Abiturprüfung ohnehin groß sei, sollte nicht mit der Sorge vor Ansteckung gekoppelt werden. „Es gibt unterschiedliche Befindlichkeiten“, sagt Volker Losch. Manche Schüler seien aufgrund der Pandemie besorgt, andere überhaupt nicht. Aufgrund von Corona gab es noch eine weitere Ausnahme: Ein paar Schüler, die zur Risikogruppe gehören, oder Angehörige haben, die durch die Ansteckung mit dem Virus gefährdet sind, schrieben ihre Prüfung in einem anderen Raum. Dort sicherten die Lehrer einen größeren Abstand von 2,5 Metern zwischen den Schülern.

Prüfung beendet, Abstand vergessen

Als die große Gruppe aus der Turnhalle strömt, ist der Abstand zwischen den Schülern schnell vergessen. Es wird gestöhnt, gelacht, aneinander gelehnt und – am wichtigsten – direkt verglichen, ob Prosa oder Lyrik gleich interpretiert wurden. Erleichtertes Aufatmen ist zu hören, der ein oder andere schlägt aber auch die Hände über dem Kopf zusammen. Die meisten tragen bequeme Kleidung – ob Jogginghose oder Leggings, egal, Hauptsache entspannt für eine so lange Prüfung.

Frank Schmidt, stellvertretender Schulleiter, weist die jungen Erwachsenen vor der Sporthalle an, den Abstand einzuhalten. Verstehen können die Lehrkräfte die besondere Lage, in der sich die Abiturienten befinden, aber natürlich, sagt Schulleiter Volker Losch: „Das ist eine sehr seltsame Situation.“ Mit Bedauern blickt er darauf, was für die Abiturienten alles ausfällt: Abischerz, Abifahrt, Abiball.

Unterrichtsfreie Zeit fürs Lernen genutzt

Vor der Turnhalle werden derweil weiße Shirts und dunkelgrüne Pullis verkauft, die mit den Namen aller Abiturienten und einem Logo bedruckt sind. Samuel hat seinen Pulli gerade gekauft. Ob die Gesamtsituation nicht komisch sei? „Das ist schon alles seltsam“, sagt der 18-Jährige. Um sich für die Prüfungen vorzubereiten, habe er die unterrichtsfreie Zeit aufgrund von Corona aber gut gebrauchen können. „Ich konnte besser lernen und mich auf die einzelnen Fächer konzentrieren“, sagt er. Für ihn steht als Nächstes die Mathe-Prüfung am Dienstag an.

Eine Mitschülerin, die 18-jährige Marie, geht mit gemischten Gefühlen aus der Deutsch-Klausur. Die Prüfung sei aber nicht so schwer wie erwartet gewesen. Am Montag schreibt sie ihre nächste Prüfung – in Englisch.

Für diese ist die Turnhalle bereits vorbereitet. Die Tische sind desinfiziert, die Schüler können kommen.

Fahrräder reihen sich am Mittwoch vor der Turnhalle 1 der Staufer-Schule. Um 14 Uhr herrscht noch Stille vor dem Gebäude, die Tür ist geschlossen. Drinnen sitzen die Schüler und Schülerinnen seit neun Uhr an ihren Tischen. Jeder hat einen Duden vor sich liegen, etliche Zettel und ein Lunchpaket. 55 Schüler schreiben hier ihre erste Abiturprüfung, und zwar in Deutsch.

Gegen 14.15 Uhr kommt der erste Schüler heraus, der 18-jährige Oliver, nachdem er seine Prüfung abgegeben und seine

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