Waiblingen

So kämpft Waiblingen gegen den Leerstand

Leerstände trotz Wohnungsnot_0
In den Ortschaften und hier in der Kernstadt stehen immer noch Wohnungen leer. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware in der gesamten Region Stuttgart. Gleichzeitig gilt als offenes Geheimnis, dass viele Hausbesitzer aus Angst vor Stress mit Mietern Wohnraum leerstehen lassen. Mit der Initiative Raumteiler will der baden-württembergische Städtetag Leerstände aktivieren – die Stadt Waiblingen macht mit.

Der Wohnungsmarkt im Speckgürtel um Stuttgart ist angespannt wie lange nicht mehr. Besonders Alleinerziehende, Geringverdiener, ältere Menschen, Familien mit vielen Kindern oder Geflüchtete haben schlechte Karten, wenn für eine freie Wohnung die Bewerber Schlange stehen.

Eigentümer gehen in der Regel auf Nummer sicher, denn Probleme mit nicht bezahlten Mieten oder mit Miet-Nomaden will sich keiner freiwillig einhandeln. Mit „Raumteiler“ starten der Städtetag und das Staatsministerium Baden-Württemberg eine Initiative, die Wohnungssuchende und private Eigentümer zusammenbringen soll. Neben Stuttgart, Esslingen, Schwäbisch Gmünd, Gerlingen und Leinfelden-Echterdingen zählt auch Waiblingen zu den landesweit rund 20 Kommunen, die bereits mitmachen. Remseck hatte vorige Woche eine Auftaktveranstaltung dazu.

Die Vermittlungsarbeit ist auf mehrere Schultern verteilt

Doch anders als etwa Gerlingen stellt Waiblingen nicht extra für „Raumteiler“ zusätzliches Personal ein und schult keine Ehrenamtlichen, die Mieter und Eigentümer beraten. Die Vermittlungsarbeit ist bei der Stadtverwaltung auf mehrere Schultern verteilt: In Beinstein, Neustadt, Bittenfeld, Hegnach und Hohenacker fungieren wegen der räumlichen Nähe die Ortsvorsteher als Ansprechpartner, in der Kernstadt kümmert sich besonders Franziska Mack vom Kaufmännischen Gebäudemanagement des Rathauses um diese Aufgabe.

Mitunter nimmt sich auch der Chef persönlich der Problematik an: Wiederholt nutzte Oberbürgermeister Andreas Hesky etwa die Versammlungen des Haus- und Grundbesitzervereins, um Eigentümer zur Vermietung leerstehender Wohnungen aufzurufen. Riesige Erfolge hat das bisher nicht gezeitigt. Immerhin zwölf Wohnungen wurden durch die Stadt angemietet und an Wohnungssuchende weitervermietet: fünf in Bittenfeld, eine in Neustadt und sechs in der Kernstadt. Reine Vermittlungen kommen nicht zustande, weil die Vermieter Wert darauf legen, dass der Mietvertrag direkt mit der Stadt abgeschlossen wird.

Im Rems-Murr-Kreis fehlen 5000 günstige Wohnungen

Wie bei „Raumteiler“ profitieren die Eigentümer dabei von garantierten Mieten und festen Ansprechpartnern im Rathaus. Je nach Vereinbarung springt die Stadt auch bei Reparaturen in die Bresche. Über das Projekt des Städtetags, bei dem Waiblingen seit einigen Monaten mitmacht, wurde bislang noch keine Wohnung vermietet. Spezielles „Raumteiler“-Personal braucht eine Stadt, sofern sie über einen kommunalen Wohnungsbestand verfügt, aus Heskys Sicht nicht. Die Stellen, die diesen verwalten, könnten die Aufgaben miterledigen.

Wie Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune beim Verein Haus und Grund jüngst darlegte, fehlen im Rems-Murr-Kreis 5000 günstige Wohnungen. Auch er nannte die Aktivierung von Leerständen als notwendigen Schritt. Der Löwenanteil wird aber wohl gebaut werden müssen. Die Erwartungen bleiben selbst dort, wo für „Raumteiler“ Personal eingestellt wurde, bescheiden: In Gerlingen hofft man, im ersten Jahr drei bis fünf Wohnungen nutzbar machen zu können.

In Waiblingen sind die Mieten am schnellsten gestiegen

Immer wieder wird die Stadtverwaltung auf leerstehende Häuser hingewiesen und sucht das Gespräch mit den Besitzern, berichtet OB Hesky, der an die Sozialverpflichtung von Eigentum erinnert: „Wohnungen leerstehen zu lassen, ist nicht sozial.“ Nur in wenigen Fällen, wenn sie von herausragender städtebaulicher Bedeutung seien, kaufe die Stadt Häuser auf. Laut einem Bericht des Marktforschungsinstituts IVD Süd sind die Mieten 2018 in keiner Kreisstadt der Region so stark gestiegen wie in Waiblingen: um 5,3 Prozent.


Anlaufstellen

In der Kernstadt ist Franziska Mack vom Kaufmännisches Gebäudemanagement „Raumteiler“ Ansprechpartnerin für suchende Mieter und Vermieter, die über eine leerstehende Wohnung verfügen. Kontakt: Telefon 0 71 51/ 50 01 33 25.

In den Waiblinger Ortschaften sind die Ortsvorsteher zuständig.