Waiblingen

So will der VfL Waiblingen Kinder beim Sport vor Missbrauch schützen

Jugendschutzkonzept
Ob Gewalt außerhalb oder im Verein: Opfer von Gewalt und Missbrauch sollen mit einem neuen Konzept geschützt werden. © Symbolfoto: Benjamin Büttner

Mit einem neuen Konzept will der VfL Waiblingen verhindern, dass sich Fälle von Gewalt, Missbrauch und Mobbing im Vereinsleben ereignen. „Es sind keine Missbrauchsfälle im Verein bekannt“, sagt Vereinssprecher Marc Brommer. Dennoch: Sexualisierte Gewalt sei ein Teil der Gesellschaft. „Der VfL ist auch Teil dieser Gesellschaft und keine Insel der Seligkeit“, so Brommer. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass während der Erarbeitungsphase und Inkrafttreten des Konzepts mögliche Fälle ans Licht kommen könnten.

Es muss geklärt werden: "Was gehört zu Gewalt?"

Doch dann will man vorbereitet sein. Trainer, Übungsleiter und Jugendliche sowie Kinder sollen sensibilisiert werden. Dazu gehört auch die Frage: „Was zählt zu Gewalt? , so Brommer. Für den Sportverein geht es dann auch an die Aufgabe, zu klären, ob Berührungen bei einer Sportart dazugehören und welche in die persönliche Freiheit des Menschen eingreift.

Darüber hinaus soll das Konzept mitsamt seiner Leitlinie in die Satzung aufgenommen werden, ein Ehrenkodex für Vereinsmitglieder erstellt und ein Beschwerdemanagement eingerichtet werden. „Außerdem soll es Ansprechpersonen geben, an die man sich wenden kann“, so Gioia Mazza. Denn: „Wir sind nicht ausgebildet, Probleme zu lösen. Aber wir können dann auf Beratungsstellen verweisen“, so Brommer.

Die 18-jährige Mazza ist seit ihrer Kindheit im Verein, früher als Leichtathletin, heute als Hammerwerferin. Sie hat viele Abteilungen durchlaufen und einen guten Einblick ins Vereinsleben, so Brommer. Da sie im Verein aufgewachsen ist, setzt sie sich besonders für die Rechte von Mädchen und Jungen ein. Wenn Kinder oder Jugendliche auch zu Hause ein Problem hätten oder gar misshandelt werden, „reicht auch erst mal ein offenes Ohr zum Zuhören“, so Mazza. Vertrauen zu schaffen und Probleme anzugehen, das sei Teil des Konzepts.

Anlaufstelle für Opfer: 80 Prozent der Täter sind Bekannte

Ob im familiären Umfeld, in der Schule oder in der Freizeit: „Sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen findet überall statt.“ Mit diesem Satz will die Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt, eine Abteilung des Kreisjugendamtes Rems-Murr, in einer Broschüre auf sexuellen Missbrauch aufmerksam machen. Weiter heißt es: Die Gewalt werde zu circa 80 Prozent von Menschen begangen, die den Kindern und Jugendlichen bekannt sind. Um das zu verhindern, sollen bereits im Vorfeld Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

Dass das Wort „überall“ auch Vereine mit einschließt, lässt sich nicht mehr leugnen. „Vor sechs oder sieben Jahren ist das Thema sexualisierte Gewalt in Vereinen auch in den Medien sehr präsent geworden“, erinnert sich Marc Brommer. Damals tritt die Regelung in Kraft, dass betreuende Personen in Vereinen nun ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen, so der Leiter „Spowo“-Freizeiten. Diese Entwicklungen nehme auch der VfL Waiblingen zum Anlass, um ein Kinder- und Jugendschutzkonzept zu erstellen. Die Konzeption wird in Kooperation mit dem Kreisjugendamt erarbeitet. Die Zusammenarbeit beginnt im Frühjahr des Jahres 2020 und dauert bis heute an. Einen Grundstein legen zwei Workshops des Kreisjugendamts, die Vereine in Anspruch nehmen können.

Konzept wird von Jugendlichen, Eltern und Trainern gestaltet

Beim VfL sollte der zweite an diesem Mittwoch stattfinden, muss aber aufgrund der Corona-Lage verschoben werden. „Das pulverisiert unsere Timeline, wir wollen es aber möglich machen, dass alle Interessierte am Treffen teilnehmen können“, so Brommer. Denn das Konzept werde nicht von der Vereinsspitze alleine erarbeitet. Es entsteht gemeinsam mit Jugendlichen, Eltern sowie Trainern.

„Wenn, dann müssen wir das richtig machen“, sagt Marc Brommer. Darum sollen aus allen Abteilungen Vereinsmitglieder zu der Konzeption beitragen. In ein bis zwei Jahren soll das Schutzkonzept dann Hand und Fuß haben. Und: Nach Fertigstellung soll das Konzept nicht in Vergessenheit geraten: „Es soll dynamisch sein“, so Marc Brommer. Gioia Mazza ergänzt: „Es ist wichtig, dass Kinder, Eltern und Trainer das Konzept verstehen und dass es was ist, was im Verein gelebt und weiterentwickelt wird.“

Mit einem neuen Konzept will der VfL Waiblingen verhindern, dass sich Fälle von Gewalt, Missbrauch und Mobbing im Vereinsleben ereignen. „Es sind keine Missbrauchsfälle im Verein bekannt“, sagt Vereinssprecher Marc Brommer. Dennoch: Sexualisierte Gewalt sei ein Teil der Gesellschaft. „Der VfL ist auch Teil dieser Gesellschaft und keine Insel der Seligkeit“, so Brommer. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass während der Erarbeitungsphase und Inkrafttreten des Konzepts mögliche Fälle ans

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