Waiblingen

Sorge um Verwandte nach dem Erdbeben

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© Sarah Utz

Weinstadt. Die Familie des Weinstädters Francesco Montorselli stammt aus der betroffenen Region Rieti in Italien.

Als Francesco Montorselli am Mittwochmorgen in Beutelsbach auf sein Smartphone blickt, Bilder von eingestürzten Wohnhäusern sieht und die Nachricht von zahlreichen Todesopfern in Italien liest, tippt er zu allererst die Handynummer seiner Großmutter ins Telefon. Sie wohnt im Örtchen Santa Lucia in der betroffenen Provinz Rieti, nicht einmal eine Autostunde von den Gemeinden entfernt, die das Erdbeben in der Nacht auf Mittwoch am schlimmsten verwüstet hat.

Francesco Montorselli ist in Deutschland aufgewachsen, doch seine gesamte italienische Verwandtschaft stammt aus Rieti – er hat dort Tanten, Onkel, Cousins, ist regelmäßig zu Besuch. Es dauert einige Zeit, bis der 29-Jährige seine Großmutter erreicht. Das Mobilfunknetz ist überlastet, weil zu viele Menschen sich um ihre Angehörigen sorgen. Montorsellis Oma gibt zu seiner großen Erleichterung Entwarnung: Die Familie sei wohlauf. „Ein paar Ortschaften weiter muss es aber ziemlich schlimm gewesen sein“, berichtet er. Und auch die Einwohner Santa Lucias hätten das Beben gespürt. Viele, auch seine Großmutter, seien aus ihren Betten gesprungen, hätten ihre Häuser verlassen und seien auf der piaza, dem Marktplatz, zusammengetroffen. Die Menschen in der Region seien nach dem großen Erdbeben, das 2009 die Stadt L’aquila in Trümmer legte, sensibilisiert für derartige Katastrophen.

„Wenn es bebt, verlassen sie sofort ihre Häuser“, berichtet Francesco Montorselli. Und das aus gutem Grund. Montorsellis Cousin hat dem Weinstädter Bilder aus dem Epizentrum der Katastrophe geschickt, der Gemeinde Amatrice. Sie liegt nur eine Dreiviertelstunde von den Örtchen entfernt, in denen der Weinstädter fast jeden Sommer seinen Urlaub verbringt. Die Fotos sind erschreckend: Dutzende Häuser sind dem Erdboden gleichgemacht. Viele Bewohner hatten keine Zeit mehr ihre Häuser zu verlassen. Francesco Montorselli bleibt am Mittwoch stets mit seinen italienischen Verwandten und Freunden im Kontakt, fiebert mit, hofft auf gute Nachrichten.

Ähnlich geht es dem Beutelsbacher Italiener Michele Genco. Der Senior kommt am Mittwochnachmittag kaum vom TV-Gerät und der Berichterstattung im Internet los. Der langjährige Vorsitzende des Ausländerbeirats und ehemalige SPD-Stadtrat in Weinstadt stammt aus Apulien im Süden Italiens, einer nicht unmittelbar vom Erdbeben betroffenen Region. Um Verwandte muss er sich zum Glück keine Sorgen machen. Dennoch leidet er mit seinen Landsleuten. Bei den Italienern in Deutschland sieht Genco am Nachmittag „noch keine Bewegung“, was die Organisation von Hilfen fürs Nachbarland angeht. Die italienischen Regionen zeigten sich jedoch solidarisch – Hilfskräfte aus dem ganzen Land packen mit an. Das freut ihn. Doch auch er muss in der Berichterstattung miterleben, wie die Zahl der Opfer unter seinen Landsleuten am Nachmittag immer wieder nach oben korrigiert wird.