Waiblingen

Sparkassen-Turm wird saniert

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Ein Kranteil schwebt nach oben. © Büttner/ZVW
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Arbeiter bei den Vorbereitungen. © Büttner/ZVW
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Schwergewichte. Ein Kran hebt den anderen auf den 34 Meter hohen Turm. © Sarah Utz

Waiblingen. Die relative Ruhe des Osterwochenendes hat die Kreissparkasse genutzt, um zur Sanierung ihres Turms einen Kran auf dessen Dach aufzubauen. Die neue Fassade mit Titandioxid-Beschichtung soll Schadstoffe aus der Luft über der stark befahrenen Bahnhofstraße filtern.

Kein Ächzen, kein Knarzen – als handele es sich um Leichtgewichte, hebt der Kran der Firma MSG Krandienst aus Kehl die Bauteile auf den 34 Meter hohen Sparkassen-Turm. Insgesamt wiegt der Kran, der auf dem Dach des Turms montiert wird, rund 60 Tonnen, das schwerste Teil mit dem Antriebselement macht alleine zehn Tonnen aus. Gewaltige Kräfte sind also am Werk. Ein Mann vom Fach wie der Waiblinger Kranunternehmer Thomas Winkelhock lässt sich solch ein Schauspiel nicht entgehen und fachsimpelt am Rande der gesperrten Bahnhofstraße mit anderen Interessierten. So einen Kaliber wie den 300-Tonner mit 70-Meter-Ausleger aus Südbaden haben die Waiblinger nicht in ihrem Fuhrpark, aber mit jahrzehntelanger Erfahrung kennt man sich in der Branche, sogar auf freundschaftlicher Ebene. Geduldig beantwortet er alle Fragen der Umstehenden, zum Beispiel nach den Kosten. Rund drei Millionen Euro koste so ein Fahrzeug.

Der Turm erhält eine neue Fassade

Ihren 46 Jahre alten Turm unterzieht die Kreissparkasse derzeit einer Generalsanierung. Nach dem Auszug wurde bereits im Juli mit dem Rückbau begonnen, seit einigen Monaten sind die Abbrucharbeiten im Gebäudeinneren abgeschlossen. Nicht tragende Trennwände, abgehängte Decken und Bodenbeläge in den Geschossen wurden ausgebaut, die veraltete Haustechnik demontiert. Jetzt erhält der Turm eine komplett neue Fassade.

Mit Titandioxid gegen Feinstaub und Abgase

Der Clou daran: Dank einer Titandioxid-Beschichtung soll sie eine reinigende Wirkung auf die Luft in der Innenstadt haben. Die Titandioxid-Beschichtung wird hauchdünn auf die Oberflächen aufgebracht. Sichtbar ist sie nicht. Nach Angaben des Baubüros der Sparkasse soll sie jedoch zum einen zur Luftreinigung beitragen und zum anderen eine Selbstreinigung der Fassade durch Fotokatalyse bewirken. Vereinfacht gesagt werden dabei durch Einwirkung von Licht chemische Prozesse in Gang gesetzt. Die Technologie sei in der Lage, schädliche Gase aus der Luft wirkungsvoll zu beseitigen. Eine fotokatalytisch beschichtete Fläche von 1000 Quadratmetern soll laut Herstellern die luftreinigende Wirkung von 70 großen Laubbäumen haben. Mittelfristig seien Einsparungen, niedrigere Kosten für Reinigung und Sanierung, möglich.

Zertifikat für nachhaltiges Bauen beantragt

Die Kreissparkasse Waiblingen will mit der Baumaßnahme auch ihre Nachhaltigkeitsorientierung stärken. So wurde für die Generalsanierung des Turms die Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) beantragt. Außer um Klimaschutz geht es bei dem Projekt um den Einsatz von nachhaltiger Technik, Barrierefreiheit, die Auswahl recyclingorientierter Baustoffe und die Bevorzugung umweltverträglicher Materialien.

Die meist befahrene Straße

Schadstoffmessungen gibt es für den Standort derzeit noch nicht. Klar ist aber auch: Im Raum Stuttgart häufen sich die Feinstaubalarme, und die Bahnhofstraße gehört zu den meist befahrenen und vermutlich meist belasteten Straßen der Stadt.

Kran auf dem Dach statt auf der Straße

Die Bauarbeiten liegen nach Auskunft der Sparkassen-Pressestelle im Zeitplan. Die Maßnahmen zur technischen Erschließung der Geschosse sind im vollen Gange. Als optimaler Standort für den Kran wurde eben nicht die Bahnhofstraße, sondern das Dach des Gebäudes betrachtet. So werde der Verkehr nicht dauerhaft massiv beeinträchtigt. Vom Ende des Monats an wird die alte Fassade abschnittsweise demontiert und die neuen Elemente werden angebracht. Ende des Jahres soll die Generalsanierung des Turms, für die 8,5 Millionen Euro veranschlagt sind, fertig sein.

Sanierungsbedarf

Der Turm der Waiblinger Sparkassen-Direktion wurde zwischen 1969 bis 1971 geplant und gebaut. Vor der Generalsanierung entsprach die Fassade somit dem Stand der Technik von 1971.

Dadurch entstanden im Winter hohe Wärmeverluste, im Sommer eine große Wärmeeinwirkung in das Gebäude. Die Lüftung, die Kühlung und die Heizflächen waren in die Jahre gekommen und benötigten einen hohen Wartungsaufwand.