Waiblingen

Spielclub auch für Flüchtlingskinder

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Theaterpädagogin Daniela Krämer erklärt den einheimischen Mitgliedern des Spielclubs die nächste Szene. © Schlegel

Waiblingen. Das Bürgerzentrum als Reservat nur für Bildungsbürger und ihre Hochkultur? Papperlapp, das ist eine spießige Denkweise von gestern. Für Theaterfans spielen weder Alter noch Herkunft eine Rolle. Das beweist der Spielclub des „Jungen Büze“ auf märchenhafte Art. Flüchtlingskinder und Einheimische proben dabei gemeinsam.

Interview mit der Theaterpädagogin Deborah de Vitis:

Das Junge Büze – eine Erfolgsgeschichte. Eine ziemlich oft beschworene Formulierung, doch sie lässt sich mit Zahlen und Fakten untermauern. Immer mehr Kindergärten und Grundschulklassen besuchen Theater-Aufführungen und Konzerte im Haus. Eine Kinderoper mit der „Städteoper Südwest - Theater Pforzheim“ musste zuletzt sogar dreimal gespielt werden, so groß war die Nachfrage. 2015 kamen insgesamt mehr als 2000 Kinder zu den Veranstaltungen der seit fünf Jahren bestehenden Reihe. So wächst eine Generation von Waiblingern heran, die schon früh positive Erlebnisse mit dem Musentempel hat, was Hemmschwellen für spätere Besuche senken kann. Eine Generation, die lernt, dass Theater weder langweilig noch elitär sein muss. Diese möglichen Büze-Besucher von morgen stammen aus allen Schichten. Ein großer Teil von ihnen, manchmal sogar die Hälfte, hat Migrationshintergrund, denn so sieht die Realität in den Schulen und Kindergärten heute aus. So vermischen sich beim Jungen Büze kulturelle Bildung und interkulturelle Arbeit.

Projekt mit Seltenheitswert in der Region Stuttgart

Aus der Veranstaltungsreihe entwickelte sich 2013 der Spielclub. Eine Gruppe von theaterbegeisterten Kindern, die es nicht auf den Publikumsstühlen hält, die selbst schauspielern wollen. Was sie unter Anleitung von Theaterpädagogen der Württembergischen Landesbühne Esslingen auch tun. Eine Gruppe, die bisher fehlte dabei, sind die Flüchtlinge. In den Herbstferien und über Fasching gingen die Theaterpädagogen gezielt in die Asylbewerberunterkunft Neustadt-Hohenacker und boten Workshops an. Eine Initiative, die laut dem städtischen Kulturchef Thomas Vuk Seltenheitswert hat in der Region Stuttgart. Denn eigentlich sieht die gängige Arbeitsteilung so aus, dass der Landkreis sich um den Betrieb der Heime, Versorgung der Bewohner sowie Sozialarbeit kümmert – und um alles darüber hinaus Ehrenamtliche. Doch der Waiblinger Gemeinderat hat ein Budget bereitgestellt für integrative Projekte, aus dem sich auch der Spielclub für Flüchtlingskinder finanziert.

Lösungen gegen die Sprachbarrieren

Zwischen sechs und 15 Jahren sind die Flüchtlingskinder alt, sprechen Arabisch, Türkisch, Albanisch – und, zumal sie an Waiblinger Schulen Vorbereitungsklassen besuchen, ganz gut Deutsch. Die Sprachbarriere lässt sich freilich nicht leugnen, und sie erfordert Lösungen. Die Theaterpädagoginnen Daniela Krämer und Deborah de Vitis machen aus der Not eine Tugend und besinnen sich mit den Kindern aufs eigentliche Spiel mit Gestik, Mimik und kleinen Handlungen ohne sich zu oft „ins Reden zu flüchten“. Im Zusammenspiel von König und Diener oder Hofnarr zum Beispiel gibt es Kommandos und Tätigkeiten wie Putzen, Trinken und Essen, die überall ohne Worte verstanden werden. Klar, dass das deutsche Vokabular dazu auch benannt wird.

Märchen werden in allen Kulturen erzählt

Geübt und bei der Präsentation für die Familien geboten wird kein in sich geschlossenes Stück, sondern ein Wechsel von Märchenszenen. Denn Märchen, so die Feststellung von Daniela Krämer und Deborah de Vitis, werden in allen Ländern und Kulturen erzählt. Dabei entdeckte die Gruppe erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Archetypen wie König, Diener oder Hexe, die sich als durch alle Kulturkreise ziehen. Manche Geschichten oder Figuren tauchen unter anderem Namen zudem in Sprachen auf, in denen man sie nicht vermutet hätte. So kennen auch die arabischen Kinder Frau Holle.

Präsentation

Kinder zwischen neun und zwölf Jahren versuchen sich als Schauspielerinnen und Schauspieler. Gemeinsam mit der Theaterpädagogin Daniela Krämer von der Württembergischen Landesbühne Esslingen finden und erfinden die Kinder Märchen-Geschichten, die auf der Bühne umgesetzt werden. Das Ergebnis präsentieren die Kinder in einer selbst zusammengestellten Aufführung.

Die Präsentation des Spielclubs beginnt am Samstag, 19. März, um 17 Uhr Welfensaal des Bürgerzentrums. Der Eintritt ist frei.